Jahresrückblick 1983 Aufrüstung und Massenentlassungen

Stand: 15.12.2010 21:04 Uhr

Über 100 Kilometer bilden 200.000 Demonstranten in Deutschland eine Menschenkette, um für Frieden und Abrüstung zu werben. Auch in Moskau gehen die Menschen gegen die Stationierung von neuen Raketen in Europa auf die Straße. In Großbritannien sollen Cruise Missiles, Marschflugkörper mit Atombomben, aufgestellt werden. Auch dort protestieren die Menschen.

Rüstungsverhandlungen in Genf

Die Einigung zwischen USA und Sowjetunion über die Anzahl von stationierten Mittelstreckenraketen lässt in Genf auf sich warten. Die Russen verlassen den Verhandlungstisch, ohne einen neuen Gesprächstermin zu nennen.

Die russische Seite begründet ihr Sicherheitsbedürfnis und damit ihre wachsende Rüstung mit dem Zweiten Weltkrieg, von dem sie unvorbereitet überrascht worden sei. Die NATO unter der Führung der USA braucht nach eigenen Angaben ihre modernste Waffentechnologie zur Erhaltung der Freiheit. Um den Frieden zu retten, wird ein Rüstungswettlauf in Gang gesetzt.

Mehr und mehr Menschen sorgen sich um die Bewahrung des Friedens, denn menschliches oder technisches Versagen könnte eine interkontinentale Katastrophe auslösen.

Die Notwendigkeit der Nachrüstung wird im November vom Bundestag beraten. In der nachfolgenden Abstimmung entscheidet eine Mehrheit sich für die Nachrüstung. Vor dem Parlament protestiert das Volk. 260 Demonstranten werden vorläufig festgenommen, gegen 52 von ihnen werden Ermittlungsverfahren eingeleitet.

In Großbritannien treffen Cruise Missiles, in Deutschland die ersten Pershing II-Raketen ein.

Grüne im Bundestag

Im Bundestag besetzen die Grünen 27 Sitze. Symbolfigur der Partei ist Petra Kelly. Ziel der Grünen ist die Bekämpfung des "starren sterilen Parlaments voller inkompetenter Männer im Pensionsalter". Sie kommen aus Bürgerinitiativen und wollen die Regierung zur Kursänderung zwingen.

CDU und FDP

Kursänderungen sind auch das Ziel des nun gewählten neuen Bundeskanzlers, Helmut Kohl. Weiterhin bleibt die Regierung aber angewiesen auf den Koalitionspartner FDP. Erste Schatten zeigen sich in der Verteilung von Posten und Pfründen am Kabinettstisch. Für die erste Krise sorgt ausgerechnet der an der "geistigen und moralischen" Wende beteiligte Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff. In der "Flick-Affäre" soll der Flick-Konzern dem Minister Geld für seine Partei gezahlt haben. Als Gegenleistung soll die Firma einen Steuernachlass in Höhe von 800 Millionen Mark erhalten haben. Lambsdorff bestreitet diesen Tatbestand. Bis ein Gericht über die Sache entschieden hat, will er im Amt bleiben.

Kernkraftdiskussion in Hessen

Die Diskussion um die Menge von Kernkraftwerken in Hessen ist ein Hauptproblem in den Gesprächen von Hessens Ministerpräsident Holger Börner und den Grünen. Zwar gewinnt die SPD die Landtagswahlen, erreicht aber nicht die absolute Mehrheit. Börner muss bei denen um Amtshilfe ersuchen, die er vor den Wahlen noch als "politikunfähig" bezeichnet hatte. Börner macht deutlich, dass keine Koalitionsverhandlungen geführt, sondern vielmehr ein Toleranzabkommen erzielt werden soll.

Rote Karte für Bremen

In Bremen platzt kurz vor den Wahlen die Bombe: Die traditionsreiche Werft AG Weser soll geschlossen werden. Bremens Bürgermeister Hans Koschnik bietet an, zu gehen, doch er wird in der Wahl erneut bestätigt und erringt die absolute Mehrheit.

Werft- und Stahlindustrie auf Talfahrt

Nicht nur in der Werft- sondern auch in der Stahlindustrie geht es 1983 bergab. Häufig führen gravierende Management-Fehler zu Massenentlassungen von Arbeitern in Bremen und Hamburg. Arbeiter in Hamburg besetzen neun Tage lang die Howaldtswerke, die Großwerft, um gegen die Massenentlassungen zu protestieren. Sie kämpfen vergeblich, da die Lage auf dem Weltmarkt so schlecht ist.

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