Jahresrückblick 1984 Ereignisse im Ausland

Stand: 16.12.2010 16:37 Uhr

Im Ausland tut sich einiges. Vieles bleibt aber auch beim Alten. In Amerika wird US-Präsident Ronald Reagan in seinem Amt bestätigt. Mit einer überwältigenden Mehrheit wählen die Amerikaner Reagan für weitere vier Jahre. Nach seiner Politik der letzten Amtszeit erwartet man von ihm, ein Präsident des Friedens zu sein.

Sowjetunion

Nur 468 Tage regiert der sowjetische Staatschef Juri Andropow. Im Februar stirbt er. Sein Nachfolger wird Konstantin Tschernenko. Die Amtszeit Andropows war von seiner Krankheit getrübt worden. Er trat international wenig in Erscheinung. Um so mehr versuchte er, im eigenen Land Änderungen durchzusetzen. Die Bürokratie wurde aufgerüttelt und die Wirtschaftsplaner wurden aufgefordert, sich mit kapitalistischen Wettbewerbsideen auseinanderzusetzen und marktorientiert zu produzieren.

Die Amtsübernahme Tschernenkos findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem der Kalte Krieg einen Höhepunkt erreicht hat. Die russische Rüstungsindustrie produziert auf Hochtouren. Erst im Herbst verbessern sich die Beziehungen der Großmächte. USA und Sowjetunion einigen sich auf eine Fortsetzung der Gespräche über eine gemeinsame Rüstungskontrolle. Im Mittelpunkt sollen Gespräche über die Aufrüstung des Weltraums stehen.

Ein amerikanisches Geheimprojekt wird bekannt: Es ist geplant, einen Spionagesatelliten über der Sowjetunion zu stationieren, um Atomraketen bereits kurz nach dem Start zu entdecken.

Afrika

In Äthiopien und dem Sudan flüchten Menschen vor Hunger, Wassermangel und Armut. Der Kontinent wird von schweren Hungerkatastrophen erschüttert. Hunderttausende sterben, über eine Millionen Menschen waren vom Hungertod bedroht. Nachdem fast alles verstaatlicht wurde, verbraucht das Militär fast sämtliche finanziellen Mittel, um gegen jeden politischen Widerstand vorzugehen. Für die Rettung der Bevölkerung vor dem Hungertod bleiben fast keine finanziellen Mittel übrig. Getreidelieferungen aus dem Ausland sollen das Elend eindämmen.

Indien

Am Morgen des 30. Oktober erschießen zwei Leibwächter die indische Premierministerin Indira Ghandi. Die Attentäter sind Anhänger der Sikh-Religion. Mit der Ermordung Ghandis wollen sie Rache für die im Juni angeordnete Erstürmung des Sikh-Heiligtums in Amritsar üben. Die Erstürmung des "Goldenen Tempels" wird von der Mehrheit der Hindus als Sieg über separatistische Staatsfeinde gefeiert. Für die Sikhs ist die militärische Eroberung, bei der über 1000 Menschen starben, eine Schändung des Heiligtums.

Indira Ghandi regierte 16 Jahre in Indien und führte das Land mit einer harten, oft kritisierten und wenig toleranten Politik. Wenige Stunden nach ihrem Tod wird ihr Sohn, Rajiv Ghandi, zu ihrem Nachfolger ernannt.

Polen

Im Oktober verschwindet der polnische Priester Jerzy Popieluszko spurlos aus Warschau. Er wird von Männern des Sicherheitsdienstes entführt, gefoltert und ermordet. Nach elf Tagen wird sein Leichnam in einem Stausee bei Warschau gefunden.

Popieluszko war während seiner Predigten offen für die freie Gewerkschaft "Solidarität" eingetreten. Der nur mühsam erreichte Kompromiss zwischen Opposition, Kirche und Partei in Polen erlebt eine Bewährungsprobe. Der oppositionelle Priester wird zu einem Volkshelden.

Großbritannien

Im Oktober bekennt sich die Irisch-Republikanische Armee (IRA) zu einem Bombenanschlag auf führende Politiker der britischen Konservativen. Anlässlich des 101. Parteitages halten sich Premierministerin Margaret Thatcher und ihre Minister in einem Hotel im englischen Seebad Brighton auf, als die Explosion das Gebäude sprengt. Aus den Trümmern werden 34 Verletzte und vier Tote geborgen. Mit dem Anschlag will die IRA das britische Militär zum Rückzug aus Nordirland zwingen.

London

Bei einer Demonstration gegen den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi vor der diplomatischen Vertretung Libyens in London fallen Schüsse aus dem Gebäude. Eine britische Polizistin wird getötet, zehn libysche Demonstranten verletzt. Grossbritannien bricht die diplomatischen Beziehungen zu Libyen ab und weist die Diplomaten aus.

Grenada

In Grenada - je nach Betrachtung von Amerika besetzt oder gerettet - wird im Dezember gewählt. Gewinner ist die Neue Nationalpartei. Mit Rückendeckung der USA will sie Frieden und Stabilität durchsetzen. Durch die starke Präsenz der USA im sogenannten "Hinterhof Amerikas" sind Nachbarstaaten wie Honduras verunsichert. Die Vereinigten Staaten benutzen Grenada als Militärbasis für großangelegte Manöver in der Karibik.

El Salvador

Auch in El Salvador wird gewählt. Von diesen Wahlen hatten die USA jede weitere Unterstützung im Kampf gegen die Guerillas abhängig gemacht. Der von den Todesschwadronen unterstützte Rechtsextremist unterliegt bei der Wahl. Gewinner ist der Christdemokrat Duarte. Als erster demokratisch gewählter Präsident seit 50 Jahren verspricht er, mit den Todesschwadronen aufzuräumen. Im Oktober erreicht Duarte ein Treffen mit den Guerillas. Dieses und ein weiteres Treffen bleiben ohne nachhaltigen Erfolg für die Beendigung des Bürgerkriegs.

Nicaragua

Wahlen gibt es auch in Nicaragua. Fünf Jahre nach der Niederlage Somosas lassen die regierenden Sandinisten wählen. Die Wahlen werden von der rechten Opposition boykottiert, da die Sandinisten sich geweigert hatten, mit den Contras, ihren politischen Gegnern, zu verhandeln. Die Präsidentenwahl kann der gemäßigte Sozialist Ortega für sich entscheiden. Bei den gleichzeitigen Parlamentswahlen erringen die Sandinisten die Mehrheit. Den USA bleiben Nicaragua ein Dorn im Auge, sie sprechen von einer "Wahlfarce".

Israel

Die Wirtschaftskrise in Israel ist das herrschende Wahlkampfthema. Dauernde Preisschwankungen und permanente Inflation verunsichern die Bevölkerung. Zur Wahl stehen die altbekannten Politiker und die Wahl ergibt keine eindeutigen Mehrheiten. Nach wochenlangem Tauziehen kommt eine Regierung der Nationalen Einheit zustande. Schimon Peres, Führer der Arbeitspartei soll die ersten zwei Jahre regieren, danach geht die Regierungsgewalt auf seinen Vizechef, Yitzhak Schamir, über.

Libanon

Ein Problem, nicht nur für Israel, stellt die Situation im Libanon dar. Die Kämpfe brechen, trotz Zeiten relativer Ruhe, immer wieder auf. Das Jahr endet im Libanon, wie es angefangen hat, aber der Wunsch nach dauerhaftem Frieden wird stärker.

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