Jahresrückblick 1974 Politische Ereignisse in Europa

Stand: 13.12.2010 15:19 Uhr

In Frankreich stirbt am 2. April Staatspräsident Georges Pompidou. Sein Nachfolger wird nach zwei Wahlgängen Valery Giscard d'Estaing. Bei den britischen Unterhauswahlen gewinnt die Labour Party unter Premierminister Harold Wilson. Er kann sich jedoch nicht recht freuen, denn Inflation, Zahlungsbilanzdefizite und unkontrollierbare Streikbewegung erschüttern das Land auch nach dem Wahlgang.

Neuorientierung deutscher Politiker

Nach seinem Rücktritt zieht sich Willy Brandt auch aus der Öffentlichkeit zurück. Doch seine Flucht in die Resignation hat bald ein Ende, denn die Abgabe der Regierungsverantwortung ist auch ein Stück Befreiung. Die Politik des neuen Kanzlers Schmidt ist stürmisch, was Europa angeht, doch zögernd zum Osten hin. Gustav Heinemann tritt von seinem Amt als Bundespräsident zurück. Sein Nachfolger wird Walter Scheel.

Italien: Probleme mit der Regierungsbildung

In Italien kommt es nur zögerlich zu einer neuen Regierung. Die Lebensfähigkeit des Systems steht auf schwachen Füßen. Das Land ist auf den wirtschaftlichen Beistand durch stärkere Partner angewiesen.

Konferenzaktivismus ist sicher kein Ausweg. Doch die gegenseitige Begegnung ist ein Versuch der Problemlösung. Schließlich geht es auch darum, die europäischen Beziehungen zu vertiefen.

Hoher Ölpreis, hohe Arbeitslosigkeit

Durch die hohen Ölpreise wird Autofahren zu einem teuren Vergnügen. Das Wachstum der Autoindustrie wird gestoppt. Es kommt zu Kurzarbeit, Zwangsferien, aber auch zu Entlassungen. Die Arbeitslosenzahlen steigen an. Betroffen sind vor allem ältere Arbeiter und ungelernte Jugendliche. Bei Banken kommt es zu Fehlspekulationen mit Milliardenverlusten. Leichtfertigkeit und unbegründetes Zukunftshoffen verdrängen nüchterne kaufmännische Disposition.

Landtagswahlen in Hessen

Alfred Dregger führt die CDU bei hessischen Landtagswahlen zum Sieg. Das reicht nicht aus, um SPD und FDP zu überflügeln, macht aber die Union zur stärksten Partei im Landtag. In Bayern zerfällt die Vormachtstellung der SPD in den großen Städten genau wie in Hessen. Der FDP gelingt ein knapper Sprung in den bayerischen Landtag.

Unruhen durch die RAF

Der Berliner Kammergerichtspräsident Günter von Drenkmann fällt einem Attentat der Terroristenorganisation Rote Armee Fraktion (RAF) zum Opfer. Nur knapp entgeht der CDU-Bundestagsabgeordnete Walther Leisler Kiep einem Pistolenschuss im Garten seines Hauses .

Aus Protest gegen Isolationshaft in der Strafvollzugsanstalt treten Mitglieder der RAF in den Hungerstreik. Holger Meins stirbt an den Folgen.

Darstellung: