Menschen warten in der Anlaufstelle für Flüchtlinge aus der Ukraine auf dem Berliner Hauptbahnhof im März. | dpa

Mehr als eine Million Migranten Höchste Nettozuwanderung seit 1990

Stand: 29.11.2022 12:27 Uhr

Vor allem durch den Krieg in der Ukraine ist die Zuwanderung nach Deutschland im ersten Halbjahr deutlich gestiegen: Mehr als eine Million Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit kamen an. So hoch war die Zahl seit 1990 nicht mehr.

Im ersten Halbjahr 2022 sind mehr als eine Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit nach Deutschland gekommen. Mit insgesamt 1.046.000 Menschen sei dies "die höchste Nettozuwanderung, die seit der Deutschen Vereinigung innerhalb eines Halbjahres registriert wurde", teilte das Statistische Bundesamt mit.

Geflüchtete aus Ukraine und Afghanistan

Ukrainerinnen und Ukrainer machten demnach mit 740.000 Personen mit Abstand den Großteil der Nettozuwanderungen, also Zuwanderungen abzüglich der Auswanderungen, aus. Nach Angaben des Statistikamtes ist aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auch die Zahl der Zugewanderten anderer Nationalitäten gestiegen.

So hätte sich die Zahl der netto zugezogenen Afghaninnen und Afghanen gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 vervierfacht - von rund 7000 auf 28.000. Den Grund sieht das Bundesamt in der Machtübernahme der Taliban im vergangenen Sommer.

Gesamtbevölkerung wächst

Insgesamt ist die Bevölkerung in Deutschland den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren gewachsen. Am 30. Juni 2022 lebten rund 2,9 Millionen Menschen mehr in Deutschland als zum Jahresende 2014. Die Zahl der Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit sei jedoch rückläufig.

"Dieser Anstieg ist vor allem auf die Fluchtmigration im Zusammenhang mit Krieg und Gewalt in Syrien, Afghanistan und dem Irak 2015/2016 sowie nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine zurückzuführen", schreibt das Bundesamt. Aber auch aus den EU-Staaten Rumänien, Bulgarien und Polen seien stetig Zuzüge zu verzeichnen.

Durch die Zuwanderung ist die Anzahl erwerbsfähiger Menschen - also im Alter zwischen 15 und 65 Jahre - weniger stark gesunken, hieß es. Seit 2014 habe sich dieser Anteil in der Bevölkerung verringert. "Diese Entwicklung wurde durch die Zuwanderung aus dem Ausland gedämpft", erklärte das Statistikamt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2022 um 02:00 Uhr in den Nachrichten.