Ein Auto liegt auf der Landstraße zwischen Oststeinbek und Havighorst nach einem Verkehrsunfall auf dem Dach. | dpa

Winter in Deutschland Schnee und Eis behindern den Verkehr

Stand: 16.02.2021 08:46 Uhr

Glatteis, Schnee und Regen können heute Vormittag noch zu Verkehrsbehinderungen führen. In der Nacht gab es bereits zahlreiche Unfälle, das große Schneechaos blieb aber aus. Nun soll es wärmer werden.

Kurz vor dem Ende der Kältewelle müssen sich Autofahrer und Fußgänger zumindest in der ersten Tageshälfte auf schwierige Straßenverhältnisse, Glatteis, Regen und Schnee einstellen. Bereits für die vergangenen Nacht hatte der Deutsche Wetterdienst vor allem im Osten und Süden gebietsweise gefrierenden Regen oder Sprühregen mit Glatteis vorhergesagt. Die Polizei meldete mehrere Glätteunfälle, ein Schneechaos wie in der vergangenen Woche blieb jedoch aus.

Zahlreiche Unfälle und Verletzte

Vor allem in Norddeutschland hatten Schnee und Glätte den Verkehr am Montag und in der Nacht zum Dienstag stark behindert. In Niedersachsen kam es seit dem Abend besonders im Landkreis Göttingen "in kürzester Zeit zu einer massiven Anzahl an Verkehrsunfällen", sagte ein Polizeisprecher. An insgesamt zehn Unfällen seien 16 Autos beteiligt gewesen. Zwei Personen wurden leicht verletzt. Die A7 war am Abend von der Anschlussstelle Göttingen bis zum Rasthof Göttingen in Fahrtrichtung Süden für einige Zeit gesperrt worden. Die Streufahrzeuge der Autobahnmeisterei waren im Dauereinsatz.

In Lübeck und den Kreisen Ostholstein, Herzogtum Lauenburg und Stormarn sei die Polizei am Abend und frühen Morgen zu mehr als 40 wetterbedingten Einsätzen gerufen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Einige Autos seien in einen Graben gerutscht oder von der Straße abgekommen. Ein häufiges Problem sei die "falsche Bereifung" gewesen. Insgesamt seien dort sechs Menschen bei den wetterbedingten Unfällen verletzt worden. Die A21 bei Bad Oldesloe musste in der Nacht ebenfalls gesperrt werden. Dort hatte sich ein Lastwagen quergestellt und beide Fahrbahnen in Richtung Süden blockiert. Am frühen Morgen wurde die Sperrung wieder aufgehoben.

Im brandenburgischen Kreis Oberhavel wurde ein Polizist bei einem Autounfall auf der A10 verletzt. Er hatte am Abend nach einem glättebedingten Lkw-Unfall Absperrungen entfernt und wurde dabei von dem Wagen erfasst. Auf der B71 zwischen Hemslingen und Brockel kam ein 54-jähriger Autofahrer aus dem Heidekreis ums Leben. Nach bisherigen Erkenntnissen verlor eine 29-Jährige am Nachmittag bei einsetzendem Eisregen die Kontrolle über ihren Wagen und geriet auf die Gegenfahrbahn. Die Frau kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.

Hauptbahnhof in Hamburg zeitweise gesperrt

In Hamburg war am Montagabend der Hauptbahnhof für etwa zwei Stunden gesperrt worden. Kurz nach 21 Uhr sagte ein Bahnsprecher, der Verkehr normalisiere sich, einzelne Züge seien aber weiter verspätet. Zuvor hatte bereits die S-Bahn Hamburg getwittert, dass es aufgrund des Schneefalls zu Weichenstörungen gekommen sei und es deshalb im gesamten S-Bahn-Netz zu Einschränkungen komme.

In Kiel hatte die KVG Kieler Verkehrsgesellschaft den Verkehr komplett eingestellt. Seit dem Morgen werde er nach und nach wieder aufgenommen, hieß es.

Auch die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) hatten am Abend ihren Betrieb vorübergehend eingestellt. Eisregen habe die Straßen spiegelglatt gemacht, teilten die Verkehrsbetriebe mit. Zudem seien die Oberleitungen der Straßenbahnen binnen weniger Minuten mit einem Eispanzer überzogen worden. Die Straßenbahnen blieben daher an den Haltestellen stehen, die Busse steuerten aus Sicherheitsgründen das Depot an. Gegen 22.50 Uhr hieß es dann: "Der Verkehr rollt wieder."

Es wird wärmer

Für den Osten und Südosten des Landes wird noch etwas Schneefall erwartet, der im Verlauf des Vormittags rasch in Regen übergehen und nachlassen soll. Die frostigen Tage sind dann erst einmal vorbei: Grund ist der Ausläufer eines kräftigen Atlantiktiefs, der allmählich wärmere Meeresluft heranführt.

Die Temperaturen klettern den Meteorologen des DWD zufolge auf bis zu acht Grad. Warnungen vor Glätte gibt es auch noch für einige Regionen in der Südhälfte, etwa für den Süden Bayerns: Hier sei mit teilweise gefrierendem Regen oder Sprühregen zu rechnen, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Es könne zu Glatteis kommen. Im Tagesverlauf wird es aber deutlich milder als zuletzt mit drei Grad an den östlichen Mittelgebirgen und elf Grad im westlichen Alpenvorland.

Extrem gefährlich ist überall im Land das Betreten von Eisflächen: Einige Stunden, nachdem er beim Schlittschuhlaufen auf einem zugefrorenen Weiher in Baden-Württemberg eingebrochen war, starb ein 29 Jahre alter Mann im Krankenhaus, wie ein Sprecher der Polizei sagte.

Der junge Mann war am Montagnachmittag auf dem Weiher bei Ravensburg rund 50 Meter vom Ufer entfernt Schlittschuhlaufen, als das Eis unter ihm nachgab. Ein 60 Jahre alter Mann wollte dem jungen Mann helfen und brach dabei selbst ein. Passanten zogen den verunglückten Helfer ans Ufer. Der 29-Jährige wurde erst von einem Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus dem Wasser geholt und dann in ein Krankenhaus gebracht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Februar 2021 um 08:01 Uhr.