Sendungsbild

Regel für Scheidungskinder Barley will das Wechselmodell nicht

Stand: 14.02.2019 01:01 Uhr

Justizministerin Barley hat es selbst gelebt, doch anderen Familien will sie das sogenannte Wechselmodell für Scheidungskinder nicht vorschreiben. In den tagesthemen sprach sie sich gegen eine Lösung für alle aus.

Eine Woche bei Mama, eine Woche bei Papa. So lässt sich das sogenannte Wechselmodell beschreiben, das es Scheidungskindern ermöglichen soll, eine enge Beziehung zu beiden Eltern zu pflegen. Im tagesthemen-Interview lehnte es Justizministerin Katarina Barley (SPD) ab, das Wechselmodell künftig zum Regelfall zu erklären. Trotz eigener positiver Erfahrung nach der Trennung von ihrem Mann will sie keinen gesetzlichen Normalfall vorschreiben. Auf Antrag der FDP beriet der Rechtsausschuss des Bundestages über das Wechselmodell. Die Liberalen wollen es zum Regelfall erklären.

Derzeit leben die allermeisten Scheidungskinder bei ihrer Mutter, laut einer Umfrage sind es 73 Prozent. Diese Form wird Residenzmodell genannt. Hier zahlt der Vater Unterhalt und die Mutter erzieht die Kinder. Das Wechselmodell wird von neun Prozent der geschiedenen Eltern gelebt. Der Europarat empfiehlt es, auch Schweden, Belgien und Frankreich setzen auf das Modell. Dennoch sträubt sich Barley gegen eine veränderte Gesetzeslage. Sie wolle keine Lösung für alle vorgeben, es sei wichtig, die Individualität von Familien zu berücksichtigen.

Reformen gefordert

Verbände und Wissenschaftler sind mehrheitlich gegen das Wechselmodell als Regelfall. "Wenn der Gesetzgeber das Wechselmodell als Regelfall vorgibt, verhindert er damit die jeweils beste Lösung für das Kindeswohl im individuellen Einzelfall", erklärte etwa der Verband alleinerziehender Väter und Mütter. Deshalb sollten Eltern ihr Familienleben weiterhin autonom und individuell gestalten und sich für ein Betreuungsmodell entscheiden, welches den Bedürfnissen aller Beteiligten, aber vorrangig dem Wohl des Kindes Rechnung trage, so der Verband.

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen schrieb in seiner Stellungnahme, die Dominanz eines Modells könne es aus der Kinderperspektive nicht geben. Es bestehe aber gesetzgeberischer Reformbedarf, um ein Wechselmodell als eine Möglichkeit der gemeinsamen Erziehung festzulegen. Barley sprach sich in den tagesthemen dafür aus, Richter besser zu qualifizieren.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. Februar 2019 um 22:30 Uhr.