Ein Mann mit Maske geht an einer U-Bahn vorbei. | Bildquelle: dpa

Treffen der Verkehrsminister Immer noch ein Viertel weniger Fahrgäste

Stand: 14.10.2020 11:14 Uhr

Weniger Fahrgäste, weniger Einnahmen - den Öffentlichen Nahverkehr hat es in der Corona-Krise hart getroffen. Über das Rettungspaket von Bund und Ländern sprechen ab heute die Verkehrsminister.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Kein Gedränge, etwa halbvoll ist die Berliner U-Bahn an diesem Mittag. Im Berufsverkehr dagegen herrscht schon länger wieder deutlich mehr Andrang - in Berlin und bundesweit. Menschenleere Waggons wie im April gibt es nicht mehr, sagt Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer beim Verband deutscher Verkehrsunternehmen. "Wir haben bei den Fahrgästen nach dem Lockdown wieder einen erheblichen Zuwachs. Wir sind jetzt bei 70, 75 Prozent der Fahrgäste angekommen." Im Verhältnis zu vorher 100 Prozent bedeute das aber aktuell ein Viertel Verlust an Fahrgästen.

Zweieinhalb Milliarden Euro-Rettungspaket

Und entsprechend weniger Einnahmen. Als Ausgleich hat der Bund zweieinhalb Milliarden Euro bereitgestellt. Verteilen sollen die die Länder und dabei nochmal genauso viel drauflegen, so wurde es im Juni vereinbart.

Das Geld kommt mittlerweile an, sagt Wolff. "Das läuft jetzt, das passiert." Und zwar auch mit dem vereinbarten Eigenanteil der Länder - größtenteils jedenfalls. "Es gibt da noch ein Bundesland, wo von der Landesspitze eine andere Strategie ausgegeben worden ist", sagt Anke Rehlinger, SPD-Verkehrsministerin des Saarlands und Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz.

Sachsen gleicht nur 70 Prozent der Verluste aus

Es geht um Sachsen: Die Landesregierung dort hat beschlossen, nicht 90 oder 100 Prozent der Einnahme-Verluste auszugleichen wie die anderen, sondern nur 70 Prozent. "Aber ich glaube, das wird auch nochmal Gegenstand von Besprechungen sein. Das ist wenig solidarisch, und es ist vor allem ein Problem für den ÖPNV in diesem Bundesland, und deshalb nochmal überdenkenswert."

Wohl auch aus verhandlungstaktischen Gründen, um den Bund nicht zu verärgern: Denn irgendwann im nächsten Jahr könnte nochmal eine Vereinbarung von Bund und Ländern nötig werden.

Ewig reiche das Rettungspaket aus dem Sommer jedenfalls nicht, sagt Wolff vom Verband der Verkehrsunternehmen. "Die fünf Milliarden werden ausreichen bis ins erste, maximal ins zweite Quartal 2021. Das ist schon mal 'ne ordentliche Wegstrecke."

Wie umgehen mit Maskenmuffeln?

Das heißt: Damit können die Verkehrsminister sich dann später beschäftigen. Schon jetzt auf der Tagesordnung steht dagegen mal wieder die Frage: Wie umgehen mit Maskenmuffeln? Mindestens 50 Euro Bußgeld, ist die eigentlich bundesweit vereinbart Linie. In der Praxis aber bedeutet das: Sachsen-Anhalt gar kein Bußgeld, Hessen 50 Euro, Hamburg 80 Euro, Nordrhein-Westfalen 150 Euro, Bayern 250 Euro - so ein paar Beispiele.

"Das kapiert keiner, zu viel Durcheinander", meint Wolff. "Entscheidend ist: Einheitliche Regeln, Schluss mit der Debatte, wie die Dinge unterschiedlich laufen. Denn ob in Bad Mergentheim oder in Aschaffenburg 250 Euro genommen werden und in Hanau 50 Euro, macht die Lage im ÖPNV nicht anders. Ganz ausdrücklich."

Kein einziger Schaffner habe sich angesteckt

Ohnehin, so der Befund der Verkehrsunternehmen, halten sich die allermeisten Fahrgäste an die Maskenpflicht - und die Zahl der Ansteckungen in Bus und Bahn sei zum Glück äußerst gering. So habe sich bei der Deutschen Bahn bisher kein einziger Schaffner, keine einzige Schaffnerin angesteckt. Trotz Dauerkontakts mit den Fahrgästen.

Verkehrsministerkonferenz - wie läuft's mit dem ÖPNV-Rettungspaket?
Alex Krämer, ARD Berlin
14.10.2020 10:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

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Alex Krämer, RBB

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