Anwohner und Ladeninhaber in Altenahr versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen.  | dpa

Flutkatastrophe Aufräumarbeiten und steigende Opferzahlen

Stand: 18.07.2021 12:34 Uhr

In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten weitere Todesopfer geborgen worden. In einigen Orten in NRW droht zudem Gefahr durch instabile Dämme und vollgelaufene Bergwerksstollen.

Während sich die Wassermassen aus einigen Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz langsam zurückziehen, wird in den Trümmern der Katastrophengebiete weiterhin nach Todesopfern gesucht. Ihre Zahl erhöhte sich inzwischen auf mindestens 156. Zahlreiche Menschen werden weiterhin vermisst.

Im Großraum Ahrweiler in Rheinland-Pfalz stieg die Zahl der Todesopfer nach Polizeiangaben auf mindestens 110. Es sei zu befürchten, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen, teilte die Polizei mit. Zudem gebe es 670 Verletzte. Auch diese Zahl könne sich noch weiter erhöhen. In NRW zählten die Behörden bislang 46 Tote. Mit Angaben zur Zahl der Vermissten hielten sich die Behörden zurück.

Noch keine Entwarnung in einigen Orten in NRW

In einigen linksrheinischen Gebieten von Nordrhein-Westfalen bleibt die Lage angespannt. So etwa in Wassenberg im Kreis Heinsberg an der Grenze zu den Niederlanden: Zwar seien sinkende Wasserpegel in allen Ortsteilen zu beobachten und die Wassermassen könnten zunehmend wieder über die Kanalisation aufgenommen werden. Im teilweise unter Wasser stehenden Stadtteil Ophoven könnten aber weitere Dammbrüche noch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, teilte die Stadt mit. "Die Lage ist recht unüberschaubar", sagte ein Feuerwehrsprecher.

Etwa 700 Bewohner von Ophoven an der Grenze zu den Niederlanden hatten in der Nacht ihre Häuser verlassen müssen. Man prüfe derzeit, welche Bewohner in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren dürfen. Einige Straßen konnten wieder genutzt und an das Stromnetz angeschlossen werden, hieß es bei der Stadt.

Auch in der Ortschaft Ohe sei die Stromversorgung überwiegend wiederhergestellt, die Menschen durften teilweise wieder in ihre Wohnungen zurück. Die Vorwarnung für eine Evakuierung in den Ortschaften Effeld und Steinkirchen wurde aufgehoben. Wie groß der Schaden durch den Dammbruch ist, ist bislang noch nicht bekannt. Die Rur hat ihre Quelle in der Eifel und mündet bei Roermond in den Niederlanden in die Maas.

Gefahr an Steinbachtalsperre nicht gebannt

An der von einem Bruch bedrohten Steinbachtalsperre bei Euskirchen fließt das Wasser langsamer ab als erwartet. Deshalb sollen Experten die noch immer angespannte Lage am Staudamm neu bewerten, wie die Bezirksregierung Köln auf Twitter mitteilte. Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Der Wasserstand sinke aber langsamer als erwartet. Entwarnung könne erst gegeben werden, wenn die Talsperre zu zwei Dritteln entleert sei. Bis dahin bestehe weiter akute Dammbruchgefahr.

Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Steinbachtalsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz waren evakuiert worden. Im gleichen Landkreis besteht nahe der Stadt Mechernich die Gefahr, dass alte Bergwerkstollen einbrechen, die teilweise unterflutet sind. Auf einer Fläche von 20.000 qm taten sich bereits Erdlöcher mit einem Durchmesser von bis zu zehn mal zehn Metern auf. Feuerwehr und Bundeswehr sind vor Ort, Kontrollpunkte werden eingerichtet. Die Stadt sprach für das Bergschadensgebiet ein absolutes Betretungsverbot aus.

Bislang keine Toten in Erftstadt

In der vom Hochwasser besonders betroffenen Ortschaft Erftstadt westlich von Köln suchen zahlreiche Menschen nach ihren Angehörigen. Bisher wurden laut Angaben der Stadt bei der "Personenauskunftsstelle" 59 Menschen gemeldet, deren Aufenthaltsort ungewiss ist. 16 davon kämen aus Erftstadt. Viele Menschen wüssten nicht, wo ihre Angehörigen sein könnten, weil etwa das Telefonnetz zusammengebrochen war, erklärte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises.

Den Angaben der Stadt zufolge konnten Einsatzkräfte bislang 70 Fahrzeuge bergen, 25 stünden noch im Wasser. Bislang wurden keine Menschen in den Autos und Lastwagen entdeckt. Man könne aber nicht ausschließen, noch Tote zu finden, so der Sprecher des Rhein-Erft-Kreises. In dem Ort hatte die über die Ufer getretene Erft zahlreiche Häuser unterspült und diese ganz oder teilweise zum Einsturz gebracht. Es kam zu Erosion, wodurch größere Bodenbereiche wegbrachen. Drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein.

Im Stadtteil Blessem wollen Fachleute die Stabilität des Untergrunds überprüfen. Die Experten sollen nach Angaben der Stadt die Abbruchkanten eines Erdrutsches untersuchen. Die Lage sei unverändert angespannt, da noch keine Klarheit zu den Bodenverhältnissen bestehe.

Infrastruktur in Ahrweiler zusammengebrochen

In Rheinland-Pfalz liegt der Schwerpunkt der Überschwemmungen im Ahrtal. Das bei Ausflüglern beliebte Städtchen Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Gründerzeit-Bäderarchitektur, Fachwerkviertel und mittelalterlicher Stadtmauer ist ein langgezogenes Trümmerfeld. Die Wassermassen sind hier inzwischen zurückgegangen. Doch der Schlamm bedeckt immer noch alles. In Teilen der Stadt gibt es derzeit weder Strom noch Wasserversorgung, auch Telefonverbindungen fielen aus. Der Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), warnte vor Plünderungen.

Die Wasserversorgung im Kreis Ahrweiler ist nach wie vor nicht gesichert. Wie der örtliche Wasserversorger mitteilte, sind mittlerweile auch die Wasserhochbehälter von Gemeinden leergelaufen, die nicht vom Hochwasser beschädigt wurden. Der Wasserversorger sagt, dass die Hochbehälter mit Wasser von außerhalb wieder befüllt werden sollen. Das solle etwa über Tankfahrzeuge hergebracht werden. Außerdem sollen Wasseraufbereitungsanlagen organisiert werden und alte Brunnen reaktiviert werden.

Durch das Abfließen der Wassermassen werden an Ahr und Mosel die von den Fluten angerichteten Schäden sichtbar. Auch die Infrastruktur hat schweren Schaden genommen: Brücken sind zerstört, der Zugverkehr ist wegen der Überflutungen weiterhin massiv beeinträchtigt. Etliche Straßen in der Region sind weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar.

Die Polizei sucht mit Hubschraubern nach weiteren Opfern der Flut. Die Suche soll Sonntagabend bis zum Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen sein, teilte die Polizei in Koblenz mit.

Appell an Hochwassertouristen

Mit einem eindringlichen Appell wandte sich die Polizei über Twitter zudem an potenzielle Hochwassertouristen und Gaffer. "Es ist nicht an der Zeit für Touren in einem Katastrophengebiet", hieß es von der Polizei in Mainz. Denn viele Menschen hätten dort gerade erst "großes Leid und Verluste erfahren". Während des Katastropheneinsatzes seit Donnerstag war es bereits zu Behinderungen durch Schaulustige gekommen.

Aufräumarbeiten nach Rückgang der Flut

Auch im ebenfalls stark betroffenen Kreis Trier wurden die Aufräumarbeiten fortgesetzt. Erste Anwohner gingen bereits gestern zurück in ihre Häuser. Betroffen sind der Stadt zufolge 670 Gebäude, bei denen im Keller und Erdgeschoss fast alles zerstört wurde.

In Trier-Ehrang war am Donnerstag die Kyll über die Ufer getreten und hatte große Teile des Stadtteils überschwemmt. Etwa 1000 Einwohner waren nach Angaben der Stadt Trier in Sicherheit gebracht worden. Zudem mussten ein Altenheim und ein Krankenhaus evakuiert werden. Inzwischen konnten die ersten Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Auch in Baden-Württemberg entspannt sich die Lage allmählich. Die Wasserstände an Hoch- und Oberrhein und am Bodensee seien zwar weiter auf einem hohen Niveau, teilte die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) mit. Das Hochwasser klinge aber ab. 

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Juli 2021 u.a. um 20.00 Uhr sowie 15:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Hador Goldscheitel 17.07.2021 • 22:37 Uhr

RE: Karl Maria Joseph Wüllenhorst Felleringe

***aber das ist im bergischen land doch üblich, wie der name schon sagt. im winter macht der schnee das land dort unerreichbar*** Nur für die Kölner, die sind auch im Winter meist mit Sommerreifen unterwegs ! ;-)) Außer Mitforist schabernack, der nimmt seinen Landrover und kommt überall hin ! Gruß Hador