Bundegesundheitsminister Jens Spahn spricht mit Pflegeschülern im Kosovo. | dpa

Personalnot in Deutschland Spahn wirbt im Kosovo um Pflegekräfte

Stand: 15.07.2019 17:12 Uhr

Fachkräfte aus dem Kosovo gegen die Personalnot in der deutschen Pflege: Bundesgesundheitsminister Spahn hat in Pristina eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Beide Seiten sollen profitieren.

In der Alten- und Krankenpflege in Deutschland sind Zehntausende Stellen unbesetzt - diese Lücke will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch mit Kräften aus dem Ausland schließen. Der CDU-Politiker warb im Kosovo um Pfleger.

Umfassende Kooperation

Beide Länder wollen künftig in den Bereichen Mitarbeiterqualifikation, Krankenversicherung und Gesundheitsmanagement zusammenarbeiten. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten Spahn und sein kosovarischer Kollege Uran Ismaili in der Hauptstadt Pristina. Vorgesehen ist auch der Austausch von Sachverständigen und Personal. Solche Vereinbarungen soll es künftig auch mit anderen Ländern geben.

Spahn sprach mit Pflegeschülern über ihre beruflichen Vorstellungen und darüber, welche Arbeitsmöglichkeiten sie in Deutschland haben. Im Kosovo gebe es "sehr viele junge arbeitslose Menschen", sagte der Minister. Nach seinen Worten geht es nicht darum, anderen Ländern Pflegekräfte wegzunehmen, sondern darum, mit Ländern zu kooperieren, "die über den eigenen Bedarf hinaus ausbilden". Deshalb sei der Kosovo ein "Musterland für eine Kooperation, bei der beide Seiten etwas davon haben".

Beide Seiten sollen profitieren

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus (CDU), begrüßte die Bemühungen von Spahn, im Kosovo Pflegekräfte anzuwerben. Dass die Pflegekräfte dann womöglich in dem Balkanstaat fehlen, stritt er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF nicht ab. Die Pflegekräfte könnten aber in Deutschland "womöglich Qualifikationen für die Zukunft des Kosovo" gewinnen.

Er rief die Bundesregierung dazu auf, schneller Visa für einwanderungswillige Pflegekräfte zu erteilen. Es sei "unerträglich, dass man innerhalb der deutschen Botschaften nicht alles daran wirft, die Visa zu beschleunigen". Ob die Pflegekräfte auch dauerhaft in Deutschland bleiben könnte, hängt laut Westerfellhaus davon ab, wie gut sie hier empfangen und eingearbeitet werden - und wie gut sie die Sprache beherrschen. Das sei "entscheidend für eine gelingende Integration".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht mit dem Ministerpräsident des Kosovo, Ramush Haradinaj. | dpa

Bundesgesundheitsminister Spahn und der Ministerpräsident des Kosovo, Haradinaj. Beide Länder wollen sich im Pflegebereich austauschen. Bild: dpa

Personalnot wird größer

Die Anwerbung osteuropäischer Pflegekräfte ist ein Teil der "Konzertierten Aktion", mit der Spahn den Pflegenotstand in Deutschland bekämpfen will. Dazu gehören auch Maßnahmen wie eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte und eine bessere Personalausstattung.

Ohne diese Maßnahmen droht sich die Personalnot weiter zu verschärfen: Laut Statistischem Bundesamt sind etwa 3,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Wegen der Alterung der Gesellschaft wird ihre Zahl weiter steigen, während die Pflegebranche mit Nachwuchsmangel kämpft.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Juli 2019 um 04:39 Uhr.