Polizisten an Silvester an den Hamburger Landungsbrücken | dpa

Silvester in Deutschland Das neue Jahr beginnt leiser

Stand: 01.01.2021 15:14 Uhr

Das Corona-Jahr 2020 ist in Deutschland ruhig zu Ende gegangen: Große Silvesterpartys fielen aus, Feuerwerk gab es deutlich weniger als sonst. Die meisten hielten sich an die Corona-Regeln.

Die größte Silvesterparty Deutschlands am Brandenburger Tor in Berlin war abgesagt worden, private Feiern bundesweit sollten nur im kleinen Rahmen stattfinden. Menschenansammlungen waren bundesweit ebenso verboten wie das Zünden von Böllern und Feuerwerk. Entsprechend ruhig vollzog sich der Jahreswechsel in Deutschland. Viele Straßen wirkten wie leer gefegt, es waren deutlich weniger Menschen unterwegs als sonst zu Silvester.

Brandenburger Tor in Berlin zum Jahreswechsel | dpa

Das Brandenburger Tor in Berlin: Wo sonst eine riesige Silvesterparty mit großem Feuerwerk steigt, gab es zum Jahreswechsel dieses Mal nur eine Lichtshow. Bild: dpa

Wenig Böllerei - einige Einsätze

Trotz des Verkaufsverbots wurde zwar geböllert, und auch Feuerwerk leuchtete am Himmel - aber alles verhaltener als sonst. In Berlin kreisten über mehreren Bezirken Polizeihubschrauber, doch an der Lageeinschätzung der Polizei änderte sich auch nach Mitternacht nichts. "Es ist ruhig, es ist wenig los", sagte ein Sprecher. Allerdings musste die Feuerwehr zu einem Großeinsatz ausrücken, da ein Supermarkt in Buckow im Bezirk Neukölln brannte. Das Gebäude, in dem Feuerwerkskörper gelagert worden waren, ging vollständig in Flammen auf und stürzte ein. Verletzt wurde niemand.

In Dortmund randalierten mehrere Menschen einer rund 50-köpfigen Gruppe. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, entleerten sie auf offener Straße Feuerlöscher und warfen Böller auf vorbeifahrende Autos. Feuerwehrleuten stellten sie einen Müllcontainer in den Weg, einen weiteren Container zündeten sie an. Polizeibeamte nahmen einen 16-Jährigen vorläufig fest und stellte Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Die Gruppe sei aber eine Ausnahme im nächtlichen Geschehen zum Jahreswechsel gewesen, hieß es.

Auch in vielen anderen Städten blieb es insgesamt ruhig. "Kein Vergleich mit vorangegangenen Jahren", sagte ein Polizeisprecher in Mainz. Ähnliches war aus Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu hören. Die Düsseldorfer Innenstadt, wo ein Böllerverbot galt, war bis kurz vor Mitternacht menschenleer. Aus Hamburg hieß es vom Lagedienst, vereinzelt hätten Beamte Feuerwerkskörper eingesammelt, die Straßen seien aber sehr leer gewesen.

Vielerorts beendete die Polizei kleinere Partys in Wohnungen. In München rückte die Polizei zu Hunderten Einsätzen aus - hauptsächlich wegen der nächtlichen Ausgangssperre, die in Bayern auch in der Silvesternacht galt.

Supermarktbrand in Berlin | dpa

Ein Supermarkt in Berlin-Neukölln, in dem Feuerwerk gelagert war, ging vollständig in Flammen auf und stürzte ein. Bild: dpa

Weniger Unfälle mit Feuerwerkskörpern - ein Toter in Brandenburg

Auch in den Krankenhäusern war in der Nacht weniger los als sonst. In Brandenburg allerdings kam ein 24-Jähriger durch einen Feuerwerkskörper ums Leben. Bei dem Unglück in Rietz-Neuendorf bei Frankfurt/Oder explodierte manipulierte Pyrotechnik direkt in seiner Nähe, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der Mann erlitt demnach schwere Gesichts- und Kopfverletzungen, an denen er noch vor Ort starb.

Insgesamt gab es bundesweit nur vereinzelt schwere Verletzungen durch den falschen Umgang mit Böllern und Raketen. Das Berliner Unfallkrankenhaus meldete insgesamt zehn Notoperationen, bei denen Handchirurgen schwere Verletzungen mit Pyrotechnik behandeln mussten. Zweimal seien teilweise Amputationen nötig gewesen, erklärte eine Sprecherin. Insgesamt aber sei die Nacht im Vergleich zu anderen Jahreswechseln deutlich ruhiger verlaufen. "Es war keine typische Silvesternacht", so die Sprecherin.

Im thüringischen Schmalkalden wurden ein 24-Jähriger durch einen zu früh explodierten Böller schwer verletzt. In Osnabrück verletzten sich drei junge Männer, als sie mit Chemikalien hantierten, um Knallkörper herzustellen. Es kam zu einer Explosion im Obergeschoss einer Doppelhaushälfte. Ein 21-Jähriger verlor dabei Gliedmaßen und schwebt laut Polizei in Lebensgefahr. Ein 26-Jähriger wurde bei der Explosion schwer und ein 20-Jähriger leicht verletzt. Alle drei Männer sind im Krankenhaus, das Wohnhaus wurde schwer beschädigt und ist möglicherweise einsturzgefährdet.

Polizeieinsätze in Leipzig-Connewitz, Stuttgart und Essen

Die Leipziger Polizei hatte zahlreiche Einsatzkräfte im linksalternativ geprägten Stadtteil Connewitz postiert. Teile des Treffpunktes Connewitzer Kreuz wurden zudem mit Gittern abgesperrt. Vor Mitternacht blieb es dort ruhig. Nur wenige Menschen waren auf den Straßen unterwegs. Die Stadt Leipzig hatte zum Jahreswechsel Versammlungen verboten. Die Polizei hatte vorab angekündigt, Menschenansammlungen "frühzeitig" verhindern zu wollen.

Polizisten auf Kreuzung in Leipzig | dpa

In Leipzig soll ein massives Polizeiaufgebot Ausschreitungen verhindern. Bild: dpa

In Stuttgart gab es mehrere Demonstrationen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung und der Landesregierung Baden-Württembergs. Dabei kam es wiederholt zu Verstößen gegen die Auflagen. Die Beamten kontrollierten einer Polizeisprecherin zufolge Versammlungsteilnehmer, die behaupteten, ein ärztliches Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht zu haben. Größere Vorkommnisse habe es aber nicht gegeben.

Demonstration in Stuttgart | dpa

In Stuttgart gab es mehrere Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen, bei denen teilweise die Auflagen nicht eingehalten wurden. Bild: dpa

In Essen wurden Polizisten und Feuerwehrleute aus einer Gruppe Jugendlicher heraus mit Feuerwerkskörpern beworfen. Verletzt wurde niemand. Die Jugendlichen sollen zuvor Mülleimer angezündet haben. Ein 16-jähriger mutmaßlicher Werfer sei festgenommen worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Januar 2021 um 01:57 Uhr.