Roland Jahn, Stasi-Unterlagenbehördenchef  | picture alliance / Patrick Pleul

Jahn zur SED-Diktatur "Aufarbeitung hat kein Verfallsdatum"

Stand: 10.03.2019 06:19 Uhr

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Jahn, setzt sich dafür ein, die SED-Diktatur auch weiter aufzuarbeiten. Dies bereichere die aktuelle Diskussion um Freiheit und Demokratie.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat sich für eine weitere Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgesprochen. "Aufarbeitung hat keine Verfallsdatum", sagte Jahn im rbb-Inforadio.

Anlass seiner Äußerungen ist das 20-jährige Bestehen der Bundesstiftung Aufarbeitung, das am Abend mit einem Festakt in Berlin gefeiert werden soll. Es sei wichtig, ein Zeichen für die Würdigung der Diktatur-Opfer zu setzen. "Es kann nicht sein, dass im Jahr 2019 die Antragsfrist für Rehabilitierung ausläuft", kritisierte Jahn. Es müsse zudem weiter darüber aufgeklärt werden, wie die SED-Diktatur funktioniert habe.

Jahn betonte zugleich, dass die aktuelle Diskussion um Freiheit und Demokratie auch bereichert werden könne, "wenn wir uns bewusst werden, was die friedliche Revolution bewirkt hat". Diese habe gezeigt, dass Menschen Verhältnisse ändern können, wenn sie getragen sind von Ansprüchen nach Freiheit und Bürgerrechten sowie vom Respekt gegenüber anderen Menschen. Das hätten 1989 nicht alle, aber viele Menschen im Osten geschafft.

Meckel: Geschichtsbild aus der Sicht des Westens

Unterdessen kritisierte der Vorsitzende der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, Markus Meckel (SPD), dass das deutsche Geschichtsbild auch fast 30 Jahre nach der Wende hauptsächlich von der Sicht des Westens geprägt sei. "Die DDR-Geschichte wird im Westen nach wie vor weitgehend als Regionalgeschichte angesehen", sagte Meckel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Dabei sei die deutsche Nachkriegsgeschichte von 1945 bis 1990 eine geteilte: "Beide deutschen Staaten, auch die Bundesrepublik, sind für sich allein nicht verständlich." Meckel war der letzte Außenminister der DDR.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur war vom Deutschen Bundestag im Juni 1998 gegründet worden. Seitdem hat die Bundesstiftung nach eigenen Angaben rund 3300 Projekte zur Auseinandersetzung mit den kommunistischen Diktaturen im gesamten Bundesgebiet und international mit fast 48 Millionen Euro unterstützt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

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AK47 17.10.2018 • 18:04 Uhr

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Von BND, Verfassungsschutz und militärischen Abschirmdienst wäre von Nöten, um ein Gesamtbild zu erlangen.