Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Benin in Westafrika sind im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe in einer Vitrine ausgestellt. | dpa

Raubgut aus dem heutigen Nigeria Deutschland gibt Benin-Bronzen zurück

Stand: 30.04.2021 18:32 Uhr

Die Benin-Bronzen, jahrhundertealte Skulpturen aus dem heutigen Nigeria, sind in vielen europäischen Museen ausgestellt, auch hierzulande. Deutschland will im kommenden Jahr beginnen, sie zurückzugeben.

Worauf sich eine Runde von Museumsfachleuten und politisch Verantwortlichen am Donnerstag geeinigt hat - das ist in der Kunstwelt auch heute das beherrschende Thema: Ab 2022 sollen die als Raubgut geltenden Benin-Bronzen an Nigeria zurückgegeben werden.

Aus Sicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, auf deren Betreiben die Expertinnen und Experten zusammengekommen waren, nimmt Deutschland bei dem Thema eine Vorreiterrolle ein.

Angesichts der für das nächste Jahr vorgesehenen Restitutionen könne die Bundesrepublik das erste Land sein, das tatsächlich Bronzen zurückgebe, sagte die CDU-Politikerin dem RBB.

Aus dem 16. bis 18. Jahrhundert

Bei den Benin-Bronzen handelt es sich um Metalltafeln und Skulpturen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die einst den Königspalast im Königreich Benin im heutigen Nigeria geschmückt hatten. Nach dem Einmarsch der Briten Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie entwendet und landeten als Raubkunst in europäischen Museen.

Alleine in Deutschland befinden sich rund 1000 Objekte. Viele sollen im neu eröffneten Humboldt-Forum in Berlin ausgestellt werden. Benin-Bronzen befinden sich auch im Museum am Rothenbaum - Kulturen und Künste der Welt (MARKK) in Hamburg, im Linden-Museum in Stuttgart, im Dresdner Völkerkundemuseum sowie im Leipziger Museum für Völkerkunde Grassi, im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum und im Ethnologischem Museum in Berlin.

Freude in Nigeria über angekündigte Rückgabe

Die nigerianische Regierung fordert seit Jahren die Rückgabe der Kunstschätze. Dort zeigte man sich erfreut über die Ankündigung. Eine Rückgabe der Benin-Bronzen sei von entscheidender Bedeutung für das ganze Land, sagte der Direktor der nigerianischen Kommission für Museen und Monumente, Abba Isa Tijani, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "90 Prozent der Bevölkerung hatte bisher keine Chance, sie zu sehen", betonte er. Die Rückgabe bezeichnete Tijani als Eingeständnis der Tatsache, dass die Kunstwerke aus Nigeria geraubt worden seien.

Museum in Benin City geplant

In Benin City ist bereits ein Museum in Planung, in dem die Bronzen ausgestellt werden sollen. Nigerias Botschafter in Berlin, Yusuf Tuggar, sprach von einem historischen Tag.

Grütters sagte weiter, die von Bund und Ländern gemeinsam finanzierte "Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland" werde bis zum 15. Juni kurzfristig eine Aufstellung aller im Besitz der Museen befindlichen Benin-Bronzen auf ihrer Webseite veröffentlichen. Außerdem wollten die Museen bis Ende 2021 die Herkunft der Objekte umfassend dokumentieren und auf der Webseite der Kontaktstelle öffentlich zugänglich machen.

Historiker übt Kritik

Kritik kam von dem Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer. Statt von einer bedingungslosen Verpflichtung zur Rückgabe von Raubkunst, sei nur vage von einem "substantiellen Teil" die Rede.

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer sagte dazu: "Dass es nun in Deutschland erstmals gelungen ist, ausdrücklich die politische Bereitschaft zur Rückgabe von Benin-Bronzen zu bekunden, begrüße ich sehr. Dies darf allerdings nicht nur für einen ausgewählten Teil der Objekte gelten: Alle im Zuge der sogenannten Strafexpedition aus dem Königspalast in Benin geraubten Bronzen müssen restituiert werden."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. April 2021 um 17:00 Uhr.