Dirk Brockmann | CHRISTIAN MARQUARDT/POOL/EPA-EFE

Corona-Zahlen RKI-Experte warnt vor exponentiellem Wachstum

Stand: 16.03.2021 12:37 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter. Das Robert Koch-Institut meldet einen Wert von 83,7. Corona-Experte Brockmann vom RKI ist alarmiert: Er kritisiert die Lockerungen als "irrational" angesichts exponentiell steigender Infektionszahlen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) befürchtet ein exponentielles Wachstum der Corona-Zahlen. Der RKI-Physiker Dirk Brockmann, der die Pandemie mit Computermodellen analysiert, sagte im ARD-Morgenmagazin, die Ausbreitung des Virus habe im Vergleich zur Vorwoche um 20 Prozent zugenommen. "Das heißt, wir sind genau in der Flanke der dritten Welle. Da gibt es gar nichts zu diskutieren. Und in diese Flanke hinein wurde gelockert", so der Wissenschaftler.

Brockmann übte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an der Aufweichung des Lockdowns. Nach seiner Auffassung gehe man in Deutschland derzeit ins exponentielle Wachstum hinein. Dies werde auch noch durch Lockerungen befeuert. "Das heißt, das ist total irrational gewesen, hier zu lockern. Das befeuert nur das exponentielle Wachstum. Und wir müssen nun sehen, was die nächsten Tage bringen", sagte Brockmann.

Zahlen steigen weiter

Seine Einschätzung stützt sich auf die Infektionszahlen des RKI, die in den vergangenen Tagen anhaltend gestiegen waren. Dieser Trend setzt sich auch heute fort: Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen 24 Stunden 5480 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Das sind 1228 Fälle mehr als am Dienstag vor einer Woche.

Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden - er enthielt jedoch 3500 Nachmeldungen.

7,2 Prozent Positivrate bei Corona-Tests

Dem Laborverband ALM zufolge nahm auch der Anteil positiver Corona-Tests in Deutschland wieder zu. Die Positivrate sei im Vergleich zur Vorwoche von 6,4 auf nun 7,2 Prozent gestiegen, teilte der Verband Akkreditierter Labore in der Medizin mit. Demnach fielen 20 Prozent mehr PCR-Tests auf Corona (77.660) positiv aus als in der Vorwoche (64.981).

"Wir in den Laboren sind besorgt angesichts dieser Entwicklung, denn auch der Anteil der Varianten, insbesondere von B.1.1.7, nimmt weiter zu", so der ALM-Vorsitzende Michael Müller. Die Anzahl der Tests stieg den Daten aus 173 Laboren (Vorwoche 171) zufolge um fast 64.000 auf gut 1,08 Millionen.

Sieben-Tage-Inzidenz von 83,7

Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg dem RKI zufolge auf 83,7. Gestern hatte sie noch 82,9 betragen. Vor etwa vier Wochen, am 16. Februar, hatte die Inzidenz noch bei 59 gelegen. Der Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Die am stärksten von Corona betroffenen Landkreise sind Greiz in Thüringen und der Vogtlandkreis in Sachsen. Dort liegt die Inzidenz bei 490,8, bzw 307,1. Die niedrigsten Inzidenzwerte verzeichnen wie schon am Montag die Landkreise Cochem-Zell (11,4) und Kaiserslautern (14,2) in Rheinland-Pfalz.

238 weitere Todesfälle

Innerhalb von 24 Stunden wurden 238 Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 gemeldet. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der gemeldeten Todesfälle auf 73.656. Insgesamt wurden bislang mehr als 2,5 Millionen Menschen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Montagabend bei 1,15 (Vortag 1,19). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 115 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter eins, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der RKI-Experte Dirk Brockmann sei Epidemiologe. Herr Brockmann ist jedoch Physiker, der epidemiologische Ereignisse modelliert. Wir haben den Fehler korrigiert.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 16. März 2021 um 06:41 Uhr.