Rente

Fragen und Antworten zur Rentenerhöhung Die Faktor-Frage - was den Rentnern bleibt

Stand: 08.05.2008 20:05 Uhr

Steigen Löhne und Gehälter, steigen auch die Renten - das war einmal. Bei steigenden Rentner-Zahlen gelten inzwischen andere Regeln. Wie Riester-Faktor und Nachhaltigkeitsfaktor aus einer Rentenerhöhung eine Nullrunde machen, erklärt tagesschau.de in Fragen und Antworten.

Wie stark wurden die Renten in den letzten Jahren erhöht?
2004 bis 2006 gab es keine Erhöhung. 2007 wurden die Renten in Ost und West um 0,54 Prozent angehoben.

Wie viel bekommen die Rentner mehr?
Die angekündigte Rentenerhöhung von 1,1 Prozent bedeutet für einen "Standard"-Rentner im Jahr 2008 ein Plus von 13,05 Euro im Monat. Der "Standard"-Rentner hat 45 Jahre gearbeitet und dabei durchschnittlich verdient - im Westen brutto 2507 Euro monatlich, im Osten 2100. Dafür gibt es eine Standard-Rente von 1182 bzw. 1039 Euro.

Menschen

Hauptproblem der Rentenversicherung: Das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentner.

Um wieviel Prozent würden die Renten 2008 ohne die Sonderregelung steigen?
Nur um 0,46 Prozent. Für die Erhöhung von 1,1 Prozent wird von der Bundesregierung der Riesterfaktor außer Kraft gesetzt.

Wie werden Rentenerhöhungen berechnet?
Durch die Rentenanpassungsformel. Steigen die Löhne und Gehälter der Erwerbstätigen sollen auch die Renten steigen. Allerdings gibt es immer mehr Rentner und immer weniger Erwerbstätige. Deshalb hat die Politik unter anderem drei Regeln eingeführt: Den Riester-Faktor, den Nachhaltigkeitsfaktor sowie den Nachholfaktor.

Was ist das Ziel der verschieden Faktoren?
Damit sollen der Beitragssatz zur Rentenversicherung und das Rentenniveau einigermaßen stabil gehalten werden. Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis von Durchschnittsrente zu Durchschnittsverdienst. 2006 lag es bei rund 52 Prozent (vor Steuern). Für das Jahr 2030 rechnet der Sachverständigenrat mit knapp 44 Prozent. Der Beitragssatz, derzeit 19,9 Prozent, soll dann bei 21,9 Prozent liegen.

Was ist der Riester-Faktor?
2002 wurde die staatlich geförderte private Vorsorge, die Riester-Rente, eingeführt. Damit sollen die Bürger das sinkende Rentenniveau durch privates Sparen ausgleichen. Da dies eine Belastung der Erwerbstätigen bedeutet, müssen auch die Rentner Einschnitte hinnehmen. Jede Rentenerhöhung wird daher durch den Riester-Faktor gleich wieder um 0,6 Prozentpunkte vermindert.

Was ist der Nachhaltigkeitsfaktor?
Der Nachhaltigkeitsfaktor berücksichtigt bei der Rentenerhöhung das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern, genauer gesagt von "Standard"-Rentnern zu "Standard"-Beitragszahlern. Damit sollen die demographischen Veränderungen in Deutschland aufgefangen werden. Steigt die Zahl der Rentner und sinkt die Zahl der Erwerbstätigen, vermindert auch der Nachhaltigkeitsfaktor wie der Riester-Faktor eine Rentenerhöhung.

Was ist der Nachholfaktor?
Eine Kürzung der Renten hat die Politik ausgeschlossen. Führen Riester-Faktor oder Nachhaltigkeitsfaktor dazu, dass die Renten eigentlich gekürzt werden müssten, wird das nicht umgesetzt. Die unterlassenen Rentendämpfungen sollen aber später nachgeholt werden. Das geschieht durch den Nachholfaktor. Offiziell heißt der Faktor inzwischen "modifizierte Schutzklausel".

Wie viel Kürzungsbedarf gibt es bereits?
Im Westen sind es derzeit 1,75 Prozentpunkte, im Osten 1,3 Prozentpunkte. Um diese Sätze hätten die Rentensteigerungen 2005 und 2006 vermindert werden müssen. In diesen beiden Jahren hätte das allerdings zur Rentenkürzungen geführt. Daher wurden diese Abzüge nicht umgesetzt.

Grafik Rentenlücke (ARD-Standbild)

Die gesetzliche Rente wird weniger. Nur private Vorsorge hält die Rentenlücke klein.

Wird durch die beschlossene Sonderregelung später noch mehr gekürzt?
Ja. Durch die von Schwarz-Rot beschlossene außerplanmäßige Rentenerhöhung gibt es einen zusätzlichen Kürzungsbedarf von 1,2 Prozentpunkten. Dieser soll 2012 und 2013 nachgeholt werden.

Warum gab es trotz Nachholbedarf 2007 eine Rentensteigerung?
Die Politik hat festgelegt, dass die 2005 und 2006 ausgeblieben Kürzungen erst ab 2011 nachgeholt werden.

Führt der Nachhaltigkeitsfaktor immer zu Kürzungen?
Nein. Sind zum Beispiel weniger Menschen arbeitslos, verändert sich das Verhältnis von Rentnern und Erwerbstätigen zu Gunsten der Erwerbstätigen. Dann kann der Nachhaltigkeitsfaktor auch Rentenerhöhungen bewirken. Ein knappes Drittel der Rentenerhöhung von 0,54 Prozent im Jahr 2007 ist dem Nachhaltigkeitsfaktor zu verdanken.