Robert Heimberger, Präsident des bayerischen Landeskriminalamtes, der Münchner Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch und Vize-Polizeipräsident Werner Feiler bei einer Pressekonferenz. (v.li.n.re.)

Pressekonferenz der Ermittler Amokläufer bereitete sich ein Jahr vor

Stand: 24.07.2016 15:55 Uhr

Der Amoklauf von München war nicht spontan: Der 18-jährige Täter befasste sich bereits seit einem Jahr damit. Die Opfer der Schießerei wurden aber nicht gezielt ausgesucht, sind die Ermittler überzeugt. Die Pistole dafür kaufte der 18-Jährige für ein paar Hundert Euro im Darknet.

Der Schütze von München hat sich seit dem vergangenen Sommer mit einem Amoklauf befasst. Dies zumindest deuten die bisherigen Ermittlungsergebnisse an, die bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft in München vorgestellt wurden.

Unter anderem habe der Täter ein schriftliches "Manifest" angefertigt, sagte der Präsident des bayerischen LKA, Robert Heimberger. Zudem seien Fotos aus der baden-württembergischen Stadt Winnenden vom vergangenen Jahr gefunden worden. Dort hatte ein 17-Jähriger im Jahr 2009 15 Menschen und sich selbst getötet.

Im Zimmer des Täters wurden nicht nur Unterlagen zu Winnenden, sondern auch zum Massenmord des Norwegers Anders Behring Breivik vor fünf Jahren gefunden. Heimberger widerrief aber die Meldung, dass sich auf dem Computer das "Manifest" Breiviks befunden habe.

Pistole via Darknet gekauft

Der Täter schoss laut Behörden mit einer wieder funktionsfähig gemachten Theaterwaffe. Sie stamme aus Tschechien oder der Slowakei, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann dem Bayerischen Rundfunk.

Die halbautomatische Glock-17-Pistole kaufte der Täter über das sogenannte Darknet - dieser Teil des Internets ist nur mit einer Verschlüsselungssoftware zugänglich. Bei LKA-Ermittlungen wurde ein Chatverlauf gefunden, der diese Art der Beschaffung nahelegt. Er habe einem Händler dafür einige Hundert Euro gezahlt.

Die Ermittlungen zur Tatwaffe dauern noch an. Weil die Seriennummer herausgefräst wurde, ist ein direkter Herkunftsnachweis derzeit unmöglich.

LKA: Täter schoss 57 mal

Unklar ist auch, woher die 300 Schuss 9-Millimeter-Munition stammen, die der Täter bei seinem Amoklauf verwendet hatte und in seinem Rucksack lagen. Am Freitagabend hatte der 18-Jährige vor und im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen und sich dann vor den Augen von Polizisten selbst getötet.

Am Tatort wurden insgesamt 58 Patronenhülsen gefunden, von denen 57 aus der Tatwaffe abgegeben wurden. Dies gab das LKA bei der Pressekonferenz bekannt. Die andere Hülse stamme aus der Waffe des Polizisten, der auf den Täter geschossen hatte. Nach der Untersuchung der verschossenen Munition stehe nun definitiv fest, dass es sich um einen Einzeltäter handelte.

Bei der Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler Behandlungsunterlagen zu einer psychischen Erkrankung des Amokläufers und Medikamente. Der Schüler sei zwei Monate in stationärer Behandlung gewesen, habe unter "sozialen Phobien" und Depressionen gelitten. Ein letzter ärztlicher Kontakt habe im Juni 2016 festgestellt werden können.

Opfer nicht gezielt ausgesucht

Auch wenn der 18-Jährige sich offenbar seit längerem vorbereitete, wurden die Opfer nach den bisherigen Ermittlungen nicht gezielt ausgesucht. Dies sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Einen politischen Hintergrund der Tat schloss er klar aus. Warum Tatort und Tatzeitpunkt ausgesucht wurden ist unbekannt, so das LKA.

Kein Facebook-Account gehackt

Bei der Pressekonferenz wurden zudem Angaben zu einem angeblich gehackten Facebook-Account korrigiert, mit dessen Hilfe Menschen zum Tatort gelockt worden sein sollen. Der Täter habe einen falschen Facebook-Account mit von einer echten Person übernommenen Fotos und Daten angelegt, so dass LKA. Er habe die Person nicht persönlich bekannt.

Nach bisherigen Ermittlungen gehörten die Menschen, zu denen der Täter auf Facebook Kontakt hatte, aber nicht zu den späteren Todesopfern.

Die Zahl der Verletzten wird inzwischen mit 35 angegeben. Heimberger erklärte das damit, dass sich viele Geschädigte erst später in Krankenhäuser begeben hätten. Drei Menschen schweben demnach noch immer in Lebensgefahr.