Das Chronische Erschöpfungssyndrom schränkt Betroffene stark ein | dpa
FAQ

Rätselhafte Krankheit Permanent erschöpft - warum?

Stand: 12.05.2019 18:19 Uhr

Etwa 240.000 Menschen in Deutschland leiden am Chronischen Erschöpfungssyndrom. Die Ursache der Krankheit ist unbekannt. Was sind die Symptome? Und was kann man dagegen tun?

Was ist ME/CFS?

ME/CFS steht für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome, auf deutsch: Gehirn- und Rückenmarkentzündung und Chronische Erschöpfung. Menschen mit ME/CFS leiden an einer dauerhaft ausgeprägten körperlichen Schwäche. Ihr Aktivitätsniveau ist erheblich eingeschränkt.

Was sind die Symptome?

Neben der charakteristischen dauerhaften Müdigkeit sind die Betroffenen nicht belastbar. Bereits nach geringer körperlicher oder geistiger Betätigung verstärken sich die Krankheitsmerkmale. Diese sind unter anderem Muskelschmerzen und Symptome wie bei einer Grippe.

Schon kleinere Aktivitäten wie Zähneputzen oder Duschen können zu einer Verschlimmerung des Zustands führen. Größere Aktivitäten wie ein Einkauf zwingen viele Patienten dazu, tagelang das Bett zu hüten. Schwerstkranke haben sogar nachhaltige Probleme, wenn sie sich im Bett umdrehen oder wenn eine weitere Person im Raum ist.

Neuronale Symptome sind Herzrasen, Schwindel und Blutdruckschwankungen. Als immunologische Merkmale werden geschwollene Lymphknoten, Halsschmerzen, Atemwegserkrankungen und eine generelle höhere Anfälligkeit für Infekte beschrieben.

Viele Betroffene leiden zudem unter ausgeprägten Schmerzen: Muskeln, Gelenke und Kopf tun weh. Viele entwickeln Zuckungen und Krampfneigungen, schlafen schlecht oder leiden unter Konzentrationsstörungen.

Wie erkrankt man an ME/CFS?

Der Auslöser der Krankheit ist unklar. Häufig beginnt sie nach einem schweren Infekt. Es sind aber auch schleichende Verläufe bekannt. Neueren Studien zufolge könnte es sich bei ME/CFS um eine Autoimmunerkrankung und um eine schwere Störung des Energiestoffwechsels handeln. Diskutiert wird auch, ob virale Erkrankungen wie das Epstein-Barr-Virus die Krankheit auslösen können.

Wie schwer krank sind die Betroffenen?

Viele Betroffene sind schwerstbehindert. Laut einer Studie ist die Lebensqualität von ME/CFS-Patienten stärker eingeschränkt als die von Menschen mit Multipler Sklerose, Krebs oder nach einem Schlaganfall. Ein Viertel aller Betroffenen können das Haus nicht mehr verlassen, sind ans Bett gefesselt und auf Pflege angewiesen. Geschätzte 60 Prozent von ihnen sind arbeitsunfähig.

Wie wird ME/CFS diagnostiziert?

Viele Patienten haben eine jahrelange Ärzte-Odyssee hinter sich, bevor bei ihnen ME/CFS diagnostiziert wird. Das liegt daran, dass es keine charakteristischen Biomarker gibt, die nur bei dieser Krankheit vorkommen und die eine eindeutige und sofortige Diagnose ermöglichen. Deshalb stellen Ärzte die Krankheit im Ausschlussverfahren anhand erprobter klinischer Kriterienkataloge fest. Hoffnung auf eine schnellere Diagnose macht jetzt allerdings ein Bluttest, der von Forschern der Stanford University in den USA entwickelt wurde.

Wer ist betroffen?

Weltweit gibt es etwa 17 Millionen Patienten, in Deutschland leben etwa 240.000 Menschen mit ME/CFS. Weil die Diagnose kompliziert ist, wird eine wesentlich höhere Dunkelziffer vermutet. Die Krankheit trifft häufiger Frauen als Männer und tritt eher bei jüngeren Menschen auf.

Was tun gegen ME/CFS?

Bislang gibt es keine zugelassene schulmedizinische Behandlung oder Heilungsmethode. Betroffene kritisieren, dass die Forschung an der rätselhaften Krankheit unterfinanziert ist, und fordern mehr Engagement im Kampf gegen ME/CFS.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Mai 2019 um 09:00 Uhr.