Perfusoren mit Propofol und Remifentanil sind während einer Knie-Operation in einer Klinik in einem Operationssaal zu sehen. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Lieferprobleme an Kliniken Der Kampf gegen Medikamentenmangel

Stand: 17.11.2019 12:58 Uhr

Seit Jahren sind Lieferprobleme bei wichtigen Medikamenten bekannt. Betroffen ist auch das Narkosemittel Propofol. Mehrere Politiker wollen das Problem nun angehen.

Von Hanni Hüsch, ARD-Hauptstadtstudio

Ausgerechnet das gängigste Narkosemittel Propofol - nicht wegzudenken aus dem Klinikbetrieb - hat Lieferprobleme. Michael Baehr, Leiter der Klinikapotheke im Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), präsentiert fast ungläubig die Mail eines Lieferanten, der die Einstellung der Lieferung ankündigt.

Ohne Propofol läuft am UKE nichts. Eine extrem häufig verwendete Substanz, sagt der Chef der Intensivmedizin, Stefan Kluge, die beste für die Patienten. "Ohne Propofol kann ich mir die Versorgung der Patienten nicht vorstellen", sagt er. Sie komme bei Kurzzeit-, Langzeitnarkose, im OP und auf seiner Intensivstation zum Einsatz. Dabei haben sie noch Glück am UKE: Chefapotheker Baehr hat Fresenius unter Vertrag genommen, da läuft die Versorgung noch. Andere Kliniken, sagt Baehr, hätten riesige Probleme.

Apotheker: Dramatische Lage

Pillen und Ampullen für mehr als 2500 Patienten muss Baehr jeden Tag bereitstellen. Auf den ersten Blick wirkt die Klinikapotheke prall gefüllt, aber immer häufiger melden seine Mitarbeiter Leerstände: Akut fehlt etwa auch ein Antibiotikum, das in der Kinderheilkunde dringend benötigt wird. Zugespitzt habe sich die Situation in diesem Jahr. Immer häufiger beugen sich Baehr und seine Mitarbeiter über die sogenannte Lehrliste. Sie müssen improvisieren, telefonieren und nach Alternativen mit ähnlichen Wirkstoffen suchen.

"Die Versorgungssicherheit herzustellen ist uns Apothekern doch ins Herz geschmiedet", sagt Baehr. Er nennt die Lage dramatisch und macht großen Preisdruck und einen ruinösen Wettbewerb in der Pharmabranche verantwortlich. Außerdem mache die Auslagerung in Billiglohnländer wie Indien und China und eine gefährliche Monopolisierung der Wirkstoff-Herstellung an wenigen Orten die Lieferung krisenanfällig.

Zudem würden Fabriken in diesen Ländern kaum auf Hygienestandards und Sicherheit überprüft. Auch das schaffe riesige Probleme. Absolut unverständlich sei es, dass die Pharmahersteller nicht einmal verpflichtet seien, Lieferprobleme überhaupt zu melden. Baehr will, dass der Gesetzgeber die Pharmaindustrie endlich in die Pflicht nimmt und mit Sanktionen belegt, wenn die Lieferfähigkeit nicht gegeben ist.

Medikamentenmangel in Deutschland
Bericht aus Berlin, 17.11.2019, Hanni Hüsch, ARD Berlin

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Politik will Vorgaben machen

Viel zu spät, aber immerhin, bewege sich jetzt etwas in Berlin. Das laute Mahnen zeigt Wirkung: CDU und SPD haben Positionspapiere erarbeitet, drängen auf eine Rückverlagerung der Produktion nach Europa, auch wenn das Medikamente teurer macht. Nur billig geht nicht, sagt Agnes Aschenberg-Dugnus von der FDP. Von Sanktionen ist aber nichts lesen.

Der Unionspolitiker Michael Hennrich bringt ein Exportverbot für Mangel-Medikamente ins Gespräch, Karl Lauterbach von der SPD will, dass bei Ausschreibungen deutsche Firmen bevorzugt werden. Diese müssten dann Liefergarantien abgeben.

Und auch die Rabatt-Verträge der Krankenkassen geraten ins Visier. Diese erlauben es den Kassen, exklusive Verträge mit Pharmaherstellern auszuhandeln, um die Medikamente möglichst billig zu machen. Die Vergabe solle auf mindestens zwei Anbieter verteilt werden, um die Versorgung sicherer zu machen, fordert CDU-Politiker Hennrich. "Es muss auch Aufgabe des Ministers sein, die Rabattverträge auf den Prüfstand zu stellen, da darf man keine Angst vor den Krankenkassen haben. Da müssen wir weg von der Exklusivität."

Jens Spahn spricht bei der Regionalkonferenz in Böblingen. | Bildquelle: dpa
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Gesundheitsminister Jens Spahn will europäisches Recht verändern.

Spahn dringt auf Liefersicherheit

Dass Jens Spahn einer Auseinandersetzung aus dem Weg geht - das kann man dem umtriebigen Gesundheitsminister nun wirklich nicht unterstellen. Die Lage treibe auch ihn um, gibt er zu Protokoll. Er verweist aber auch darauf, dass die Rabattverträge Milliarden einsparten. Von Exportverboten hält er wenig. Aber er will den Austausch über Lieferengpässe gesetzlich vorschreiben, für eine "etwas längere Lagerverpflichtung" auch beim Großhandel sorgen, aber vor allem will er eine europäische Lösung bei Vergabeverfahren. 

Es solle dabei nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Liefersicherheit ankommen. Das sei bis dato im europäischen Recht noch nicht zu berücksichtigen. "Und das wollen wir ändern", sagt Spahn. Europas Mühlen malen bekanntlich langsam. Und so darf niemand auf schnelle Lösungen hoffen.

Mehr zu diesem Thema sehen Sie im Bericht aus Berlin um 18:30 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete der "Bericht aus Berlin" im Ersten am 17. November 2019 um 18:30 Uhr.

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