Kommentar

Lufthansa-Rettung Eigentum verpflichtet

Stand: 25.06.2020 22:48 Uhr

Der Weg der Lufthansa wird auch mit der Bundesrepublik als Anteilseignerin kein leichter sein. Für den Staat könnte der Schritt aber viele Vorteile haben - wenn er sich an einen wichtigen Grundsatz hält.

Ein Kommentar von Markus Gürne, HR

"Wir haben kein Geld mehr." So beschrieb Lufthansa-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley heute die Lage. Mit anderen Worten: Es wäre heute wohl das Ende des Unternehmens gewesen, wenn nicht der Staat mit neun Milliarden Euro der Lufthansa unter die Flügel greifen könnte.

Dieser Weg ist nun frei. Ein leichter aber wird er nicht, denn auch mit dem Geld des Staates ist das Überleben der Lufthansa nicht gesichert. Zu unsicher ist die Zukunft des Fliegens in Corona-Zeiten. Zudem hat die gesamte Luftfahrtbranche bei vielen in unserer Gesellschaft keinen guten Ruf - ob als Klimakiller oder wegen des ruinösen Preiskampfs um Billigtickets. Dazu kommen, wie bei der Lufthansa, zu viele Flieger und zu hohe Kosten im Unternehmen.

Es muss sich vieles ändern. Aber alle Lufthanseaten haben gezeigt, dass das auch geht. Unternehmen und Gewerkschaften haben sich auf Sparpakete geeinigt, Aktionärinnen und Aktionäre als Eigentümer akzeptieren ebenfalls Härten.

Manche werden jetzt sagen, wieder werden Investorengelder mit Staatshilfe gerettet. Bei der Lufthansa läuft es aber anders herum. Der Staat steigt jetzt zu Sonderpreisen bei einem Unternehmen ein, das im Kern zukunftsfähig ist. Sollte die Lufthansa zurück zu alter oder noch besser zu neuer Stärke finden, würde diese Rettung für Deutschland eine lohnende Investition werden. Ein Ausstieg irgendwann mit Gewinn ist durchaus drin.

Als Miteigentümer der Lufthansa sollte der Staat aber vor allem einen Satz des Grundgesetzes besonders beherzigen: "Eigentum verpflichtet". Das heißt Druck zu machen, dass die Lufthansa nicht nur ein erfolgreiches, sondern vor allem vorbildliches Unternehmen für Mitarbeiter und für den Klimaschutz wird.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Juni 2020 um 22:15 Uhr.

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