Ein Junge sortiert in der Nähe von Kolwezi (Kongo) mit seinem Vater Steine, die Kobalt enthalten.  | Bildquelle: picture alliance / Afrewatch/Amn

Rohstoff aus dem Kongo Der Fluch des Kobalts

Stand: 21.12.2018 04:03 Uhr

Die deutsche Autoindustrie wird für den Bau von Elektro-Fahrzeugen immer abhängiger vom Krisenland Kongo. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie der Rohstoffagentur DERA hervor, die dem NDR vorliegt.

Von Peter Hornung, Kai Küstner, Elisabeth Weydt, NDR

Zum internationalen Tag der Menschenrechte ist Prince Kihangi aus dem Kongo nach Berlin gereist. Der Anwalt und Bergbau-Kenner hofft, hier in Europa mehr Gehör zu finden in seinem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen als in seinem eigenen Land. Das Problem - so absurd das klinge - sei der Reichtum, sagt er. Der Reichtum an Rohstoffen. Die Bodenschätze seien ein Fluch. "Sie sind die Hauptursache für alle Konflikte geworden." Man müsse die Frage nach der Verantwortung stellen. Und verantwortlich seien hauptsächlich die, die diese Mineralien abbauen und dabei Menschenrechte verletzen. Aber auch jene, die sie kaufen. "Und wir, die wir am Ende die Handys kaufen."

Kobalt-Abbau im Kongo | Bildquelle: AFP
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Kobalt-Abbau im Kongo. Das Krisenland ist der weltweit wichtigste Lieferant.

Deutsche Autobauer haben es eilig

Werden sich auch Elektro-Auto-Besitzer eines Tages die Frage stellen müssen, ob sie das richtige tun? Klar ist: Die deutschen Autobauer haben es eilig. Um nicht den Anschluss zu verlieren beim Rennen um die vorderen Plätze bei der E-Mobilität, sind VW, BMW, Daimler und Co auf einen Rohstoff dringend angewiesen: Kobalt. Der wichtigste Produzent: das Krisenland Kongo.

Und es wird noch wichtiger, auch für die deutsche Autoindustrie. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) hervor, die NDR Info vorliegt. DERA gehört zur Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Ihren Berechnungen zufolge könnte der Kobaltbedarf aller Autobauer weltweit im Jahr 2026 fünf Mal so hoch sein wie heute.

Kobalt: Krisenland Kongo und E-Mobilität
NDR Info
21.12.2018 07:46 Uhr

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Kongo als wichtigster Kobalt-Lieferant

Wer Kobalt will, kommt am Krisen-Staat Kongo nicht vorbei, erklärt Siyamend Al Barazi, der Autor der Studie. Die weltweite E-Mobilität auf Grundlage der aktuellen Lithium-Ionen-Technologie sei ohne den Kongo nicht zu realisieren. Denn der im Herzen Afrikas gelegene Kongo wird laut DERA seine Stellung als weltweit wichtigster Kobalt-Lieferant noch ausbauen und seinen Anteil an der weltweiten Bergwerksförderung des Schwermetalls bis 2026 auf über 70 Prozent steigern.

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Blutige Gefechte zwischen Milizen und Regierungstruppen

Die deutschen Autokonzerne sind also doppelt gefordert: Zum einen würden sie gerne bei den E-Autos die Konkurrenz hinter sich lassen. Zum anderen müssen sie in einem Land wie dem Kongo auf der Hut sein: Präsident Kabila wird - egal wie die Wahl ausgeht - auch weiter seine Hand über dem Rohstoffgeschäft halten. Da sind sich die Experten einig.

In einigen Landesteilen liefern sich bewaffnete Milizen und Regierungstruppen blutige Gefechte. Nicht im Süden, wo das Kobalt hauptsächlich abgebaut wird. Doch die Menschen dort wären nun in großer Sorge, sagt Prince Kihangi. Sie hätten Angst, dass es auch hier zu den schrecklichen gewaltsamen Auseinandersetzungen komme wie in anderen Regionen, wenn jetzt hier das Kobalt abgebaut werde. "Denn der Bedarf wird groß sein und wir haben eine Führung, die offen für Bestechung ist und korrupt. Es herrscht Straflosigkeit im Land, auch die Justiz ist bestechlich."

Kontrolle durch Stichproben

Die deutschen Autokonzerne betreiben deshalb eigenen Angaben zufolge einen erheblichen Aufwand, um sicherzustellen, dass das in ihren Fahrzeugen verbaute Kobalt auch unter menschenwürdigen Bedingungen gefördert werde. Das reiche nicht, sagt Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Es müsse ganz klar sein, woher die Rohstoffe kommen, aus welchen Minen. "Wie sind die Arbeitsbedingungen und die Sicherheitsbedingungen vor Ort? Das könnte man sehr wohl gesetzlich regeln und über Stichprobenverfahren auch kontrollieren", so Kekeritz.

Die EU jedenfalls hat den Druck auf die Konzerne nun noch einmal erhöht, allerdings nicht in Sachen Menschenrechte, sondern in Bezug auf saubere Luft: Die CO2-Grenzwerte sollen bis 2030 erheblich verschärft werden. Damit sind die Autokonzerne dazu gezwungen, den Anteil der Elektro-Fahrzeuge zu erhöhen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Dezember 2018 um 06:20 Uhr.

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