Ein Kind liegt auf einer Kinderstation in einem Bett. | picture alliance/dpa

Dramatische Lage in Kinderkliniken Kinderschutzbund fordert finanzielles "Notprogramm"

Stand: 03.12.2022 05:34 Uhr

Eine Welle an Atemwegserkrankungen sorgt für dramatische Verhältnisse in den Kinderkliniken. Viele Stationen sind überfüllt. Der Deutsche Kinderschutzbund fordert nun ein rasches finanzielles Notprogramm.

Der Deutsche Kinderschutzbund hat auf die aktuelle Situation in den Kinderkliniken schockiert reagiert. "Das ist ein Gefühl völliger Ohnmacht. Der Mangel in der Kinderpflege ist sehr dramatisch. Ich bin wirklich entsetzt, dass man es so weit hat kommen lassen", sagte Präsident Heinz Hilgers dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Hilgers kritisierte, dass man seit Jahren vor einer solchen Überlastungssituation in den Kinderkliniken und -arztpraxen eindringlich gewarnt und Verbesserungen angemahnt habe. "Die sind leider nicht angegangen worden, wegen der ausschließlich betriebswirtschaftlichen Orientierung des Systems, das auf Vollauslastung ausgelegt ist", sagte Hilgers

"Katastrophale Lage" auf den Intensivstationen

Wegen einer Welle an Atemwegsinfekten sind viele Kinderkliniken gerade überfüllt. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) sprach bereits von einer "katastrophalen Lage" auf den Kinder-Intensivstationen. Die aktuelle Krise ist nach Hilgers Ansicht das Ergebnis einer "jahrzehntelangen Vernachlässigung" durch die Politik. Aufgrund eines Mangels an Fachkräften könne sie "kurzfristig nicht bewältigt werden".

Hilgers forderte ein "rasches finanzielles Notprogramm" mit besseren Abrechnungsbedingungen für die Krankenhäuser. "Die Kinderkliniken müssen sowohl auf den regulären Stationen als auch auf den Intensivstationen Betten vorhalten können, damit diese in solchen Notsituationen zur Verfügung stehen", sagte Hilgers. "Nur dann ist das Problem auf Dauer lösbar."

Der Präsident des Kinderschutzbundes kritisierte, dass man seit Jahren vor einer solchen Überlastungssituation in den Kinderkliniken und -arztpraxen eindringlich gewarnt und Verbesserungen angemahnt habe. "Die sind leider nicht angegangen worden, wegen der ausschließlich betriebswirtschaftlichen Orientierung des Systems, das auf Vollauslastung ausgelegt ist."

Dahmen: Koordination in Kliniken besser ausbauen

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der Nachrichtenagentur dpa, es brauche jetzt Maßnahmen, um die Versorgung von Kindern kurzfristig zu verbessern. So müsse die Koordination freier Klinikbetten ausgebaut werden. In Kinderstationen könnten Fachkräfte anderer Bereiche einfache Aufgaben übernehmen. Ambulante Angebote in Notfallpraxen sollten ausgeweitet werden.

"Die Versorgungssituation von Kindern in Kliniken und Arztpraxen ist derzeit alarmierend", sagte Dahmen. Es gebe Not in vielen Krankenhäusern. Dies sei das Ergebnis saisonbedingt ansteigender Atemwegserkrankungen und zunehmenden Personalmangels. ´

Lauterbach will Personal verlegen

Gesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte Hilfsmaßnahmen an. So soll Pflegepersonal aus Erwachsenen- in Kinderstationen verlegt werden. Er forderte die Krankenkassen auf, Vorgaben zur Personalbesetzung vorerst nicht zu prüfen und Sanktionen auszusetzen. Zudem appellierte er an Eltern und Kinderärzte, nicht unmittelbar nötige Vorsorgeuntersuchungen zu verschieben.

Gestern hatte der Bundestag ein Gesetzespaket zu Krankenhäusern beschlossen, das mehr Geld für Kinderkliniken und Entlastungen bei dringend benötigten Pflegekräften bringen soll. Für Kinderkliniken soll es 2023 und 2024 jeweils 300 Millionen Euro zusätzlich geben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Dezember 2022 um 09:00 Uhr.