Volker Wissing | dpa

Brücke durchs Rahmedetal Testlauf für Verkehrsminister Wissing

Stand: 10.02.2022 17:06 Uhr

Eins der zentralen Versprechen der neuen Regierung ist es, große Bauprojekte schneller umzusetzen. Wie das laufen soll, will Verkehrsminister Wissing mit dem Neubau einer Autobahnbrücke im Sauerland beweisen - ein Drahtseilakt.

Von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Große Brücke, große Aufgabe für Bundesverkehrsminister Volker Wissing von der FDP: "Ich möchte, dass die Sprengung noch in diesem Jahr erfolgen kann. Das ist ambitioniert, aber aus unserer Sicht leistbar", sagt er. Wissing weiß, bei deutschen Brücken bewegt er sich auf wackligem Untergrund.

Marcel Heberlein ARD-Hauptstadtstudio

Aber eins der zentralen Versprechen der neuen Regierung ist es, große Bauprojekte schneller umzusetzen. Dass das geht, will Wissing beim Neubau der wichtigen Autobahnbrücke durchs Rahmedetal im Sauerland beweisen. Persönlich will er Tempo machen. "Chefsache", sagt der Verkehrsminister.

Nicht zu viel versprechen

Dass die alte marode Brücke noch in diesem Jahr gesprengt werden soll, da legt sich Wissing fest. Aber die neue, breitere, mit mehr Spuren - steht die in fünf Jahren? "Wissen Sie, ein Verkehrsminister sollte immer vorsichtig sein mit dem Nennen bestimmter Daten", sagt Wissing.

Tatkräftig wirken, aber auch nicht zu viel versprechen: Die Brückenfrage ist der erste Drahtseilakt für den neuen Verkehrsminister. "Ein solches Projekt kann ein Riesenerfolg werden, einen Vorbildcharakter haben. Aber es kann natürlich auch scheitern", sagt Wissing. Denn mögliche Probleme gibt es genug.

Eine Idee aus Italien

Um zumindest eins davon frühzeitig zu umfahren, hat Wissing für die Brücke auf der A45 nun einen Bürgerbeauftragten ernannt. Der Bürgermeister vom nahe gelegenen Lüdenscheid, Sebastian Wagemeyer, soll helfen, damit es zwischen Bürgern und Politik nicht zum Crash kommt.

"Es passiert auf so vielen Ebenen parallel ganz viel", sagt Wagemeyer. "Da gibt es nun mal Reibungsverluste. Und es gibt auch unterschiedliche Interessenslagen und Wünsche. Da gilt es jetzt, intensiv Brücken zu bauen."

Die Idee eines Sonderbeauftragten kommt aus Italien. Nach dem großen Brückeneinsturz in Genua wurde der dortige Bürgermeister zum Beauftragten für den Neubau ernannt. In zwei Jahren war die neue Brücke fertig. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart von der FDP sieht in der Stelle des Sonderbeauftragten einen Erfolgsfaktor.

60 Brücken der A45 müssen erneuert werden

Klar ist, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die neue Brücke übers Rahmedetal steht. Damit den Anwohnern an den Umgehungsstraßen in der Zwischenzeit nicht die Ohren abfallen, wenn die Laster bei ihnen vorbeirollen, will der Bund selbst handeln, eigenes Geld einsetzen, Lärmschutzwände bauen. Wenn nötig, sollen dafür auch Gesetze geändert werden.

Die Brücke im Sauerland ist für Wissing ein Testlauf. Allein auf der A45 müssen langfristig alle 60 Talbrücken erneuert werden. Deutschlandweit sind es viele Brücken mehr. Dem Minister schwant Schlimmes. "Die Erfahrungen, die ich jetzt in kurzer Zeit damit gemacht habe, haben bei mir die Alarmglocken läuten lassen", sagt er.

Verfahren sollen beschleunigt werden

Im Dezember war die Rahmede-Talbrücke von jetzt auf gleich gesperrt worden. Die vielbefahrene Autobahn von Dortmund nach Hessen und Bayern ist seitdem unterbrochen. Für die neue Brücke will Wissing jetzt am liebsten eine Abkürzung nehmen, also nicht noch mal ein komplettes Planfeststellungsverfahren, mit Einspruchsmöglichkeiten und viel Raum für Verzögerung.

Auch der Punkt wird jetzt geprüft. Bis zum Sommer, kündigt Wissing an, will die gesamte Bundesregierung ein Gesetz vorlegen, um Verfahren zu beschleunigen - ob es nun um neue Autobahnbrücken geht oder neue Windräder. Große Aufgaben.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 10. Februar 2022 um 14:05 Uhr.