Gerhard Schröder | dpa

Ukraine-Krieg Schröder trifft offenbar Putin in Moskau

Stand: 11.03.2022 08:46 Uhr

Altkanzler Schröder hat sich als Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. In Moskau führte der Nord-Stream-Lobbyist laut Medienberichten ein erstes Gespräch mit Präsident Putin. Die Bundesregierung wusste von dem Vorhaben nichts.

Altkanzler Gerhard Schröder ist in Moskau, um mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Gespräche über den Ukraine-Krieg zu führen. Entsprechende Berichte des Nachrichtenportals "Politico" und der "Bild"-Zeitung wurden der Nachrichtenagentur dpa bestätigt.

Demnach fand ein erstes Gespräch zwischen Schröder und Putin am Donnerstag statt. Ob weitere geplant sind, blieb zunächst unklar. Aus der Bundesregierung war zuvor verlautet, dass die Reise nicht mit ihr abgesprochen gewesen sei. Kanzler Olaf Scholz sagte am Rande des EU-Gipfels in Versailles zu den Berichten über die Reise nur: "Ich möchte das nicht kommentieren." Auch Schröders Büro lehnt eine Stellungnahme ab.

Instagram-Foto von Schröder-Kim mit Blick zum Roten Platz

Schröders Ehefrau Soyeon Schröder-Kim veröffentlichte auf ihrer Instagram-Seite am Abend ein Foto von sich mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen, auf dem im Hintergrund die Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau zu sehen ist. Nach dpa-Informationen reisten Schröder und Schröder-Kim über Istanbul nach Moskau. Die Initiative für die Vermittlungsaktion soll von ukrainischer Seite ausgegangen sein.

Screenshot eines Beitrags von Soyeon Schröder-Kim auf Instagram | Screenshot Instagram

Schröder-Kim zeigte sich mit gefalteten Händen, im Hintergrund ist der Rote Platz in Moskau zu sehen. Bild: Screenshot Instagram

Schröder ist seit langem mit Putin befreundet, der am 24. Februar einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hat. Der Altkanzler ist zudem für das Erdgas-Pipeline-Unternehmen Nord Stream 1 und 2 als Lobbyist tätig sowie Aufsichtsratschef beim russischen Ölkonzern Rosneft.

Auch nach Beginn des Ukraine-Kriegs hielt er trotz massiven Drucks auch aus seiner eigenen Partei an den Posten fest. Die SPD-Spitze hat Schröder bereits ultimativ aufgefordert, seine Mandate bei russischen Staatsunternehmen niederzulegen.

Klingbeil zur Moskau-Reise: "Erstmal was Vernünftiges"

Klingbeil äußerte sich in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" vorsichtig positiv zur Moskau-Reise Schröders. "Alles, was hilft gerade, um diesen furchtbaren Krieg zu beenden, ist ja willkommen", sagte er. Ob es etwas nütze, werde man sehen. Auf jeden Fall aber sei gerade jede Gesprächssituation "erstmal was Vernünftiges".

Er selbst habe nichts von einem Besuch Schröders in Russland gewusst, sagte Klingbeil. "Er ist weder im Auftrag der SPD noch im Auftrag der Bundesregierung unterwegs." Regierungsvertreter, mit denen er gesprochen habe, hätten auch nichts von einem Treffen gewusst.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Michael Roth (SPD), sagte im ZDF: "Jede Chance sollte ergriffen werden, um die Waffen zum Schweigen zu bringen. Und da geht's mir nicht um Gerhard Schröder oder irgendjemand anderen. Es geht mir um die Menschen in der Ukraine, die hätten das nämlich verdient. Deswegen drücke ich die Daumen."

Ukrainischer Botschafter: "Können wir nicht bestätigen"

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, zeigte sich im ARD-Brennpunkt überrascht von Schröders Moskau-Mission: "Diese Berichte könne wir nicht bestätigen." Er wisse nicht, in welchem Auftrag Herr Schröder in Moskau unterwegs sei. Melnyk hatte einen Vermittlungsversuch Schröders vor einer Woche in einem Interview befürwortet.

Schröder hat sich seit Kriegsbeginn erst einmal öffentlich zu dem russischen Einmarsch in die Ukraine geäußert. Am 24. Februar forderte er im Online-Netzwerk LinkedIn Russland dazu auf, den Krieg und das damit verbundene Leid für die Menschen in der Ukraine schnellstmöglich zu beenden. Gleichzeitig betonte er, dass bei notwendigen Sanktionen die politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Verbindungen zwischen Europa und Russland nicht ganz gekappt werden dürften.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. März 2022 um 01:00 Uhr.