Schutzbedürftige Menschen gehen kurz nach dem Flug aus Kabul zu einem Bus. | dpa

Bisher 138 Ortskräfte ausgeflogen Ein gewagtes Schutzversprechen

Stand: 30.08.2021 18:51 Uhr

138 Ortskräfte wurden aus Afghanistan ausgeflogen - so die erste Bilanz der Bundeswehr-Luftbrücke. Etwa 50.000 Menschen warten noch auf Hilfe. Außenminister Maas verspricht Rettung, doch noch gibt es viele Unwägbarkeiten.

Von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

Elf Tage Luftbrücke der Bundeswehr. Über 35 Flüge aus Kabul. Das Ziel, möglichst viele Deutsche Staatsbürger und Ortskräfte auszufliegen. 5347 Menschen flogen deutsche Soldaten schließlich aus. Fünf Tage danach aber ist die offizielle Zahl der Ortskräfte, die es geschafft haben, ernüchternd.

Georg Schwarte ARD-Hauptstadtstudio

"In Deutschland angekommen sind Stand heute 138 und 496 Familienangehörige. Insgesamt 634 Personen", sagte der Sprecher von Innenminister Horst Seehofer, Steve Alter. 138 Ortskräfte haben es demnach in ein deutsches Flugzeug geschafft. Alter soll erklären, warum es nur 138 Ortskräfte sind und wer die übrigen Afghaninnen und Afghanen waren, die von Deutschland ausgeflogen wurden. Noch aber fehlt offenbar ein genauer Überblick: "Bei denen wissen wir im Moment noch nicht, ob es einen konkreten deutschen Ortskräftebezug gibt."

Möglicherweise befänden sich darunter auch Afghanen mit gültiger Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland, afghanische Staatsbürger, die mit Deutschen verheiratet seien, oder auch Ortskräfte anderer Nationen.

Sie können sich vorstellen, wie das da abgelaufen ist. Da hat sich niemand an ein deutsches Flugzeug gestellt und gesagt, wir nehmen jetzt nur diejenigen mit, die nach Deutschland kommen und diejenigen, die nach Italien müssen, lassen wir hier stehen. Insofern sind möglicherweise auch Personen nach Deutschland gekommen, die einen Ortskräftebezug zu anderen Nationen hatten. Das ist erklärbar durch die Prozesslandschaft.

Die Prozesslandschaft aber muss auch erklären, warum bisher eben nur 138 von mehr als Zehntausend hilfesuchenden Ortskräften gerettet wurden. Außenminister Heiko Maas nannte die Zahlen: "Es gibt noch zehntausende Ortskräfte inklusive ihrer Familien und es gibt noch einen Kreis derjenigen, die wir als besonders schutzbedürftig bezeichnet haben. Auch noch mal an die Zehntausend Menschen."  

Mehr als 50.000 schutzbedürftige Menschen

Ortskräfte samt Angehöriger. Dazu außerdem als besonders schutzbedürftig ausgemachte Menschen samt ihrer Familien. Ebenfalls eine Zahl von zusammen noch einmal maximal Zehntausend Menschen. Christofer Burger, der Sprecher von Außenminister Maas, sagt, was für ein Ausmaß die sogenannte Phase II der Evakuierung allein für die Ortskräfte angenommen hat: "Eine Zahl von über 40.000 Ortskräften samt ihrer Angehörigen. Dazu die Gruppe der besonders schutzbedürftigen Menschen."

Evakuierte werden von deutschen Sicherungskräften aus dem Airbus A400M geleitet. | dpa

Zwischenstopp Taschkent: Kurz nach der Landung werden die ausgeflogenen Menschen von Bundeswehrangehörigen aus einem Airbus A400M geleitet. Bild: dpa

Wie Afghanistan verlassen?

Zusammen über 50.000 Menschen. Alle mit einer Zusage, nach Deutschland zu kommen. Maas gab in Usbekistan ein gewagtes Schutzversprechen. Unsere Arbeit gehe solange weiter, bis alle in Sicherheit seien, sagte er. Die wahrscheinlichste Variante jetzt: der Landweg raus aus Afghanistan. Der Außenminister aber wollte weder über Routen noch über Pläne sprechen: "Das würde ich in keiner Weise öffentlich tun. Im Moment sind überhaupt nicht die Voraussetzungen dafür geschaffen, diese Wege zu sichern. Dafür müsste es auch mit den Taliban Absprachen geben, die es in der Form bisher nicht gibt. Aber auch mit den Ländern, in die dann diejenigen kommen." 

Die Luftbrücke ist Geschichte. Jetzt setzt die Bundesregierung auf Rettung über den Landweg oder über einen wiederaufzubauenden zivilen Flughafen in Kabul. "Sobald der Flughafen in Kabul wieder betriebsbereit ist, Flugwege zu schaffen wie bei der militärischen Evakuierung, aber das auf zivilem Wege", sagt Maas.

Das würde allerdings voraussetzen, dass die Türkei Schutz und Betrieb gewährleistet. Viel Konjunktiv derzeit bei der Evakuierungsphase II, in der Deutschland jetzt bei über 50.000 Menschen im Wort steht. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2021 um 15:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sausevind 30.08.2021 • 21:54 Uhr

21:10 von Sisyphos3

<< 21:04 von Emil67 "Nach dieser Erdrutsch Übernahme dieser Taliban, wird wohl die Mehrheit dort so leben wollen." ----- . unverständlich, für uns zumindest, zugegeben aber der Eindruck drängt sich einem auf ! << ,.,., Haben Sie doch bitte zumindest SOVIEL menschlichen Anstand, dass Sie nicht von "wir" und "uns" reden. Was Ihnen sich aufdrängt, weiß ich, das schreiben Sie ja jeden Tag. Aber mich widert das an. Also reden Sie bitte nur von sich.