Ein Krankenwagen steht am Flughafen Münster/Osnabrück vor einer Maschine der Luftwaffe | AFP

Einsatz der Luftwaffe Corona-Patienten per Flugzeug verlegt

Stand: 26.11.2021 18:38 Uhr

Der Hilfseinsatz der Luftwaffe zur Verlegung von Corona-Intensivpatienten innerhalb Deutschlands ist angelaufen. Sechs schwer Erkrankte wurden von Bayern nach Nordrhein-Westfalen geflogen. Weitere Flüge werden folgen.

Die Bundeswehr hat Sonderflüge zur Verlegung von Corona-Intensivpatienten innerhalb Deutschlands aufgenommen. Am Nachmittag wurden sechs schwer an Covid-19 erkrankte Patienten an Bord eines Sanitätsflugzeugs der Luftwaffe von Memmingen in Bayern zum Flughafen Münster/Osnabrück gebracht, um zur weiteren Behandlung auf verschiedene Kliniken in Nordrhein-Westfalen verteilt zu werden.

Die Bundeswehr hilft damit erstmals dabei, Krankenhäuser in Regionen mit besonders vielen Corona-Intensivpatienten zu entlasten. Die Luftwaffe stellt dafür zwei Flugzeuge bereit. Es handelt sich um einen Airbus A310 MedEvac mit sechs Behandlungsplätzen sowie um eine umgerüstete Spezialmaschine, das Überwachungsflugzeug A319OH. In dieses waren zwei Plätze zur Intensivbehandlung eingebaut worden.

Nordrhein-Westfalen schafft Voraussetzungen für Hilfe

In Nordrhein-Westfalen ist die aktuelle Infektionslage sowie die Situation auf den Intensivstationen derzeit weitaus weniger dramatisch als etwa in Bayern. Sowohl die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen als auch die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Hospitalisierungen liegt im bevölkerungsreichsten Bundesland aktuell deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. "Bei uns ist die Situation so, dass wir helfen können, und das tun wir", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst im Landtag.

Für die Übernahme der Patienten war eine Rechtsänderung erforderlich, die die Landesregierung und der Landtag im Eiltempo beschlossen. Die Krankenhäuser des Bundeslandes werden damit angewiesen, nach medizinischer Abwägung planbare Operationen zu verschieben, um Platz für schwer kranke Corona-Patienten auch von außerhalb zu schaffen.

Grundlage für den nun angelaufenen Einsatz der Luftwaffe ist das sogenannte Kleeblatt-System für eine bundesweite Verteilung von Patienten aus einzelnen Regionen, in denen eine Überlastung von Krankenhäusern droht. Eine Verlegung von Patienten mit anderen Erkrankungen ist nach einem Kriterienkatalog der Intensivmedizinervereinigung Divi nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Das Konzept war im Frühjahr 2020 unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle ins Leben gerufen worden.

Weitere Flüge in den nächsten Tagen

Insgesamt sollen 50 Patienten aus Bayern in andere Bundesländer verlegt werden, etwa 30 von ihnen bis Sonntag. Aus Thüringen werden Patienten nach Niedersachsen gebracht. Mecklenburg-Vorpommern nimmt in den kommenden Tagen vier Intensivpatienten aus überlasteten Kliniken in Sachsen auf. Wie viele Bundeswehr-Flüge es geben wird, ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums noch unklar.

Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery plädierte dafür, Patienten nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch in Kliniken in anderen EU-Ländern zu verlegen. Diese "systematische Verlegung von Covid-Patienten ins Ausland" müsse sofort eingeleitet werden, um deutsche Krankenhäuser zu entlasten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. November 2021 um 16:00 Uhr.