Lothar Wieler und Karl Lauterbach | AFP

Corona-Pandemie Ein Tandem mit Startschwierigkeiten

Stand: 22.12.2021 16:41 Uhr

Bei ihrer zweiten gemeinsamen Pressekonferenz standen Minister Lauterbach und RKI-Chef Wieler unter besonderer Beobachtung, denn gestern gab es Unmut über RKI-Forderungen. Heute waren beide um Einigkeit bemüht.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Es war nach den Ereignissen von gestern eine unvermeidliche Frage, und Karl Lauterbach dürfte geahnt haben, dass sie kommen würde: Ob er noch zum Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, stehe - wollten die Hauptstadtjournalisten wissen: "Das lässt sich leicht beantworten: Sonst säße er hier nicht", so die Antwort des Bundesgesundheitsministers. Was seinem Sitznachbarn Wieler ein Kichern entlockte. Und den feinsinnigen Satz - apropos zueinander stehen: "Sie sitzen aber auch momentan."

Wenn man gemeinsam über dieselben Witze lacht, kann es so schlimm um die Beziehung nicht bestellt sein. Das war die Botschaft.

Unmut über Vorpreschen des RKI

Noch gestern hatte sich Gesundheitsminister Lauterbach über den Chef des ihm nachgeordneten Instituts ziemlich geärgert: Das RKI hatte ganz kurz vor der Bund-Länder-Schalte in einer Erklärung deutlich schärfere Maßnahmen gefordert, als geplant waren und letztlich auch beschlossen wurden. Und den Druck damit - unabgesprochen - gewaltig erhöht.

"Da wird die Abstimmung noch optimiert werden", ist dann auch schon der kritischste Satz, der sich Lauterbach dazu am Tag nach dem Kommunikationsdesaster entlocken lässt. Und auch Wieler gab sich alle Mühe, am heutigen Tag sehr ähnlich zu klingen wie der Gesundheitsminister: "Das Ziel ist ja identisch. Alle, die entscheiden in diesem Land, haben dasselbe Ziel: Wir wollen die Fälle senken."

Wieler: "Infektionswelle von noch nicht gesehener Dynamik"

Womit die beiden wieder beim eigentlichen Thema ihres gemeinsamen Auftritts waren, nämlich der bevorstehenden fünften Welle - der Omikron-Welle, die sich aus Sicht der beiden Professoren nicht mehr verhindern lassen wird: "Durch Omikron muss mit einer Infektionswelle gerechnet werden von einer bislang noch nicht gesehenen Dynamik", mahnt Wieler. Er übt zwar keinerlei Kritik an den Beschlüssen der Bund-Länder-Schalte vom Vorabend, hört sich damit aber doch eine Spur beunruhigter an als Lauterbach.

Dieser glaubt zwar ebenfalls nicht, dass sich die Welle aufhalten lässt, fügt aber hinzu: "Wir haben klare Beschlüsse gestern gefasst, die werden den Abfall der Fälle weiter beschleunigen, und werden in dieser Zeit die Booster-Kampagne fahren. Somit versuchen wir, eine besonders schwere Omikron-Welle noch abzuwenden."

Während er dies sagt, macht Lauterbach mit beiden Armen eine Abwärtsbewegung, als wolle er physisch die Pandemie zu Boden drücken.

Boostern - das entscheidende Instrument

Boostern ist zweifelsohne das entscheidende Instrument, um dieses Ziel zu erreichen. Auch über die Feiertage soll die Impfkampagne möglichst auf Hochtouren weiterlaufen. Zusätzlich sind vier Millionen Dosen des neuen, proteinbasierten Impfstoffs Novavax bestellt. Die Bundesregierung rechnet mit einer Lieferung im Januar.

Auch das ist aus Sicht des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, eine optimistisch stimmende Nachricht: "Ich könnte mir vorstellen, dass wir hier den einen oder anderen noch erreichen, der bisher mit den mRNA-Impfstoffen haderte. Wir haben eine gute Chance, hier nicht vor eine unüberbrückbare Infektions- und Krankenstandswand zu laufen."

Wird aus der Welle eine Wand?

Ob aus der prophezeiten Omikron-Welle eine Omikron-Wand wird, das hänge letztlich - wieder einmal - vom Verhalten der Menschen ab, mahnt Wieler. "Wir alle möchten die Feiertage mit Familie, Freunden und Verwandten verbringen. Das Weihnachtsfest soll aber nicht der Funke sein, der das Omikron-Feuer entfacht." Und auch Lauterbach rief eindringlich zu einer Entschleunigung der Pandemie auf.

Bis die beiden als gut eingespieltes Tandem wahrgenommen werden, dürfte es noch ein Weilchen dauern. Aber den Anfang dazu versuchte das neue Duo Lauterbach/Wieler heute zu machen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.