Laschet und Söder | picture alliance / SvenSimon

Kanzlerkandidatur der Union Stilles Ringen, große Ungeduld

Stand: 17.04.2021 18:41 Uhr

Laschet oder Söder - die Ungeduld in der Union wächst und wächst, doch der Machtkampf um die Kanzlerkandidatur ist zur Hängepartie geworden. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer fordert eine Entscheidung "in Stunden".

An diesem Wochenende soll sich eigentlich entscheiden, wer die Unionsparteien als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf führt. Offenbar ist allerdings weder der CDU-Mann Armin Laschet noch sein CSU-Kontrahent Markus Söder bereit, zu verzichten. Ein offizielles Verfahren für eine derartige Pattsituation gibt es nicht, aus der Union wird allerdings gestreut, dass die beiden Spitzenpolitiker "konstruktive Gespräche" führen. Es habe aber bisher kein abschließendes Gespräch gegeben, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa.

"Unsere Mitbewerber warten nicht auf uns"

In der Union wachsen Ungeduld und Unmut. Sachsens Ministerpräsident und CDU-Landeschef Michael Kretschmer forderte eine rasche Entscheidung, möglichst "in Stunden". Solange man sie nicht treffe, werde über nichts anderes gesprochen. Diese Personalie sei wichtig für die Zukunft Europas, sagte er auf einem Parteitag der sächsischen CDU. Kretschmer gab keine Präferenz für einen der beiden Kandidaten ab.

Michael Kretschmer | dpa

Sachsens CDU-Landeschef Kretschmer verlangt ein schnelle Entscheidung. Bild: dpa

Auch der rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Christian Baldauf sagte: "Ich gehe davon aus, dass die K-Frage sehr schnell beantwortet wird." Er fordert eine Konferenz der Kreisvorsitzenden der CDU, um die K-Frage zu diskutieren.

Bundeslandwirtschaftsministerin und CDU-Bundesvize Julia Klöckner sagte der "Rheinischen Post", Laschet und Söder müssten sich "schleunigst, am besten am Wochenende" einigen. Es sei bekannt, dass sie den CDU-Vorsitzenden unterstütze.

Der niedersächsische CDU-Landeschef Bernd Althusmann warnte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ich möchte jetzt in den Wahlkampf starten, unsere Mitbewerber warten nicht auf uns." Die Kanzlerkandidatenfrage müsse "in den nächsten zwei Tagen entschieden werden". Auch er bezog nicht klar Stellung, wen er unterstützt.

Auf Umfragen hatten zuvor die zum CDU-Präsidium gehörenden Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts und des Saarlands, Reiner Haseloff und Tobias Hans, verwiesen. In den Umfragen - zum Beispiel im aktuellen ARD-DeutschlandTrend - liegt Söder deutlich in Führung. Auch seine Unterstützerinnen und Unterstützer in der CSU verweisen deshalb gern und häufig darauf.

Merz stellt sich erneut hinter Laschet

Für Laschet hatten sich etwa Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident und Präsidiumsmitglied Daniel Günther sowie Hessens Regierungschef und CDU-Bundesvize Volker Bouffier stark gemacht.

Auch Laschets unterlegener Widersacher im Rennen um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, stellte sich erneut hinter seinen einstigen Konkurrenten. "Die CDU hat entschieden. Die Entscheidung ist gefallen und sie gilt trotz aller Turbulenzen, die es gerade zwischen CDU und CSU in diesen Tagen gibt. Deshalb habe ich mich auch in dieser Woche noch einmal hinter unseren Vorsitzenden gestellt: Armin Laschet", sagte der 65-Jährige, der vom Hochsauerlandkreis als CDU-Direktkandidat aufgestellt wurde. "Einigt Euch, Markus Söder und Armin Laschet. Dieses Land braucht Perspektive. Dieses Land braucht Führung. Und die CDU und die CSU werden gebraucht als politisch führende Kraft dieses Landes", sagte er.

Es steht eine Abstimmung in der Unions-Bundestagsfraktion am Dienstag im Raum - die wollen insbesondere Abgeordnete, die für Söder als Kanzlerkandidat sind, durchsetzen. Sie sammeln dafür bei CDU- und CSU-Parlamentariern Unterschriften.

Kramp-Karrenbauer kritisiert die CSU

Die frühere CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer machte der Schwesterpartei schwere Vorwürfe. Wenn man die Legitimität von Parteigremien in Frage stelle und sie als "Hinterzimmer" bezeichne, dann schade das "dem gegenseitigen Respekt, der Zusammenarbeit in der Union", sagte die Verteidigungsministerin bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. "Und im Übrigen schadet es auch den repräsentativen Strukturen, die wir in der Bundesrepublik haben." Söder macht geltend, dass die Unterstützung der CDU-Spitzengremien für Laschet nicht ausreichend sei. Es sei "klug, wenn man nicht nur in einem kleinen Hinterzimmer entscheidet", hatte er gesagt.

Bei der CSU wollen sie nichts von fehlendem Respekt wissen. Alles einwandfrei, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt dem ARD-Hauptstadtstudio: "Es gibt auch Wettbewerb, und das ist in einer Demokratie etwas vollkommen normales. Am Ende muss ein Ergebnis stehen, das muss im Stil einwandfrei erreicht werden. Das ist auch das, was wir gerade anstreben und wird man nach einem Ergebnis gemeinsam auch wieder in den Wahlkampf ziehen, aber jetzt ist die Zeit für die Entscheidungen."

Laschet und Söder hatten sich am vergangenen Sonntag zur Übernahme der Kanzlerkandidatur bereit erklärt. Am Montag stellten sich die Spitzengremien von CDU und CSU jeweils hinter ihren Parteichef. Am Dienstag traten dann beide in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf - Söder hatte insistiert, das Meinungsbild der Fraktion einzuholen. Seitdem wartet nicht nur die Unionsbasis auf eine Einigung - wie lange wird sie noch warten müssen?

Mit Informationen von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. April 2021 um 16:00 Uhr.

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Moderation 17.04.2021 • 19:50 Uhr

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