Armin Laschet | AFP

Kanzlerkandidat Laschet Wer sagt es ihm?

Stand: 07.10.2021 04:05 Uhr

Die Wahl verloren, eine Jamaika-Koalition immer unwahrscheinlicher - doch Unions-Kanzlerkandidat Laschet hält weiter an seinem Ziel fest - das liegt auch an seiner Partei.

Von Anita Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Ellen Demuth dürfte eine Frau sein, die Armin Laschet nicht so schnell vergisst. Als der CDU-Chef und Kanzlerkandidat am Morgen nach der Wahl immer noch der Meinung war, die Union habe einen klaren Regierungsauftrag, twitterte die CDU-Landtagsabgeordnete in Rheinland-Pfalz in Richtung Armin Laschet: "Wenden Sie weiteren Schaden von der CDU ab und treten Sie zurück."

Anita Fünffinger ARD-Hauptstadtstudio

Demuth war die Erste, die in der Partei offen aussprach, was viele dachten: "Er steht da und jeder denkt, der muss doch jetzt zurücktreten, aber er macht es einfach nicht und keiner sagt es."

Keiner sagt es ihm. Obwohl es viele wohl gern sagen würden. Doch offensichtlich will in der CDU keiner der Königsmörder sein.

Offene Rechnungen

Norbert Röttgen ist einst mit Demuth als Team angetreten, um CDU-Chef zu werden. Er hat gleich mehrere Rechnungen mit Laschet offen - aber dessen Rücktritt offen zu fordern, das macht er nicht. "Natürlich gab es ein Akzeptanzproblem mit dem Kanzlerkandidaten, das weiß auch der Kanzlerkandidat", sagt er.

Nur ehrlich auf die Frage antworten, ob Laschet noch der richtige Mann ist, das will Röttgen auch nach mehreren Nachfragen in der ARD nicht. Er dreht lieber noch eine Pirouette, um am Ende irgendwas von Personalfragen zu sagen. "Wir haben einen Kanzlerkandidaten gehabt ... im Wahlkampf … und dann Gespräche … und dann geht es um Personalfragen." 

Nicht an der Seite Laschets

Ganz ähnlich windet sich Jens Spahn. Der Gesundheitsminister war einst mit Laschet als Team angetreten. Das war bereits im Wahlkampf schnell vergessen, am Wahlabend stand Spahn nicht an der Seite des gescheiterten Kandidaten.

Der stellvertretende CDU-Chef bleibt nach der Wahl eine Woche still - um dann festzustellen: "Naja, schon ein fehlerfreier Wahlkampf hätte allein an die 30 Prozent gebracht." Es war die erste Spitze abgeschossen auf den Kandidaten. Spahn spricht weiter: von einem Sonderparteitag, von der nächsten Generation - und damit wohl von sich selbst. Aber deutlicher werden will auch er nicht. Noch nicht. "Alle anderen Fragen stellen sich mit dem Abschluss der Sondierungsgespräche", sagt er.

Deutliche Botschaft

Nun haben sich Grüne und FDP zunächst für die SPD entschieden, mit dem einmal mehr und einmal weniger klaren Hinweis, dass das nicht automatisch das Ende von Jamaika bedeutet. Das macht ein anderer. Das Bekenntnis von FDP und Grünen zur Aufnahme von Ampel-Sondierungsgesprächen war in Berlin noch nicht verhallt, da trat in München Markus Söder vor die Mikrofone - mit einer deutlichen Botschaft: "Die Entscheidung ist jetzt anders gefallen. Man muss halt auch Entscheidungen irgendwann mal akzeptieren. Das hat ja keinen Sinn, wenn man sich die Welt anders redet, als sie ist."

Man könne sich die Union jetzt nicht warmhalten und vor der Tür sitzen bleiben, bis man wieder reingerufen werde, machte Söder klar. Das habe auch was mit Würde zu tun, so die Worte des CSU-Chefs - während der CDU-Chef in Düsseldorf irgendwie anders klang: "Wir stehen zu Gesprächen bereit."

War es das nun mit Laschets politischer Karriere? Söder gibt sich wie immer schwesterlich: "Zu Entscheidungen unserer Schwesterpartei kann ich nichts sagen." Das hat Söder auch nicht, zumindest nicht direkt. Söder hat Jamaika de facto beendet. Und damit das Karriereende von Laschet so gut wie besiegelt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Oktober 2021 um 07:22 Uhr.

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Moderation 07.10.2021 • 11:11 Uhr

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