Kardinal Marx (Archivbild) | dpa

Kritik von Missbrauchsopfern Kardinal Marx verzichtet auf Verdienstkreuz

Stand: 27.04.2021 17:31 Uhr

Kardinal Marx sollte am Freitag mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden. Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche hatten das scharf kritisiert. Nun will Marx verzichten.

Nach massiver Kritik von Missbrauchsopfern verzichtet der Münchner Kardinal Reinhard Marx auf die geplante Auszeichnung mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Marx bitte Steinmeier, die Verleihung nicht vorzunehmen, erklärte ein Sprecher des Erzbistums.

Der Kardinal selbst begründete den Schritt mit Rücksicht auf diejenigen, die an der geplanten Verleihung Anstoß nähmen. In einer auf der Website des Bistums veröffentlichten Erklärung heißt es: "Ich bin überzeugt, dass das mit Rücksicht auf diejenigen, die offensichtlich an der Auszeichnung Anstoß nehmen, und insbesondere mit Rücksicht auf die Betroffenen, der richtige Schritt ist." Marx erklärte, er wolle damit auch negative Interpretationen verhindern im Blick auf andere Menschen, denen die Auszeichnung zuteil geworden sei.

Ehrung wäre "für Betroffene kaum zu ertragen"

Missbrauchsbetroffene aus Köln und aus Trier hatten die Ehrung mit Blick auf die nicht aufgearbeitete Rolle von Marx in mehreren Missbrauchsfällen kritisiert. Der Vorwurf der Vertuschung sei bei Marx "noch längst nicht ausgeräumt", verschiedene Untersuchungen dazu seien noch nicht abgeschlossen, so der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln.

Die Organisation, die Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester vertritt, hatte deshalb den Bundespräsidenten appelliert, die Auszeichnung vorerst nicht vorzunehmen. Für Betroffene wäre die Ehrung kaum zu ertragen.

Entspricht nicht dem Vorbildcharakter

Der Sprecher des Trierer Vereins Missbit, Hermann Schell, sagte, das Bundesverdienstkreuz sei eine "eine herausgehobene Ehre, für die das gesamte Wirken des zu Ehrenden in den Blick genommen werden sollte". Aus Sicht von Missbit entspreche das Verhalten des früheren Trierer Bischofs im Umgang mit sexuellem Missbrauch nicht dem mit der Ehrung verbundenen Vorbildcharakter. Schell hatte Marx daher aufgefordert, auf die Auszeichnung zu verzichten.

Marx war von 2002 bis 2008 Bischof von Trier. Der Verein Missbit kritisierte, er habe in dieser Zeit dazu beigetragen, Täter zu schützen, Gespräche mit Betroffenen zu verweigern, Menschen einzuschüchtern und Missbrauch zu verharmlosen. Im Bistum Trier wurde die institutionelle Aufarbeitung von Missbrauch mit Experten und Betroffenen 2020 angestoßen, die geplante Kommission hat ihre Arbeit aber noch nicht begonnen.

In seiner Erklärung betonte Marx, er nehme diese Kritik "sehr ernst, unabhängig von der Richtigkeit der einzelnen Aussagen in Offenen Briefen und in der medialen Öffentlichkeit." Er hoffe, mit seinem Verzicht auf das Bundesverdienstkreuz ein Zeichen setzen zu können, dass ihm die weitere Aufarbeitung "ein wichtiges Anliegen" bleibe.

Auszeichnung für den Einsatz für Geflüchtete

Marx sollte die Auszeichnung eigentlich am Freitag erhalten. Das Bundespräsidialamt hatte noch gestern betont, man halte trotz der Kritik daran fest. Marx sei in seiner Zeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz in besonderer Weise für Gerechtigkeit und Solidarität eingetreten, sagte ein Sprecher des Bundespräsidialamtes. Er habe sich für die Aufnahme von Geflüchteten eingesetzt, habe gegen Populismus und Hetze Stellung bezogen.

Für diese Verdienste werde Marx, ebenso wie seine Vorgänger, ausgezeichnet. Gleichzeitig sei völlig klar, dass Bundespräsident Steinmeier die rückhaltlose Aufklärung des massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche erwarte, so der Sprecher.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. April 2021 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Gassi 27.04.2021 • 22:04 Uhr

Chapeau!

Ich bin kein Kirchenfreund - aber dieser Schritt verdient Respekt. Mag sein, dass der Druck der Öffentlichkeit mitgeholfen hat. Trotzdem veritabel. Seine Verdienste dürfen ruhig auch so geschätzt werden!