Angela Merkel und Armin Laschet bei einem Besuch in Bad Münstereifel. | AFP

Merkel zu Unwetterfolgen "Wir brauchen einen sehr langen Atem"

Stand: 20.07.2021 15:15 Uhr

Der Wiederaufbau nach der Unwetterkatastrophe wird nach Einschätzung von Kanzlerin Merkel lange Zeit brauchen. Den Betroffenen sagte sie schnelle Hilfen zu. Morgen werde das Bundeskabinett ein Programm dafür beschließen.

Nach den schweren Unwettern in Teilen Deutschlands hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den betroffenen Menschen unbürokratische Soforthilfe zugesagt. Das Bundeskabinett werde am morgigen Mittwoch ein Programm für finanzielle Hilfe beschließen, sagte die CDU-Politikerin bei einem Besuch in der stark vom Hochwasser beschädigten Stadt Bad Münstereifel. Es gehe dabei darum, "unbürokratisch Soforthilfe" zu leisten. Man werde alles daran setzen, dass das Geld "schnell zu den Menschen" komme. "Ich hoffe, dass das eine Sache von Tagen ist", sagte Merkel.

Sie machte aber auch klar, dass der Wiederaufbau Zeit brauche. Sie geht davon aus, dass die Wiedererrichtung der zerstörten Infrastruktur wie Straßen und Bahnstrecken sowie der Wiederaufbau der Stadt länger als ein paar Monate dauern werde. Es sei sehr klar, "dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden".

Hilfspaket am Mittwoch geplant

Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet versprach bei dem gemeinsamen Termin mit Merkel schnelle Hilfen. Die Formulare sollten noch in dieser Woche fertig werden, sagte er. Sein Bundesland wolle am Donnerstag zudem nachlegen und den vom Bund geplanten Hilfebeitrag verdoppeln, "um auch unseren Beitrag zu leisten". Über die konkrete Höhe der Hilfen machten er und Merkel keine Angaben.

Die Kanzlerin hatte sich zunächst vom Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers, und von Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian über die Lage in Bad Münstereifel unterrichten lassen. Merkel sah sich eine Halle mit gespendeten Hilfsgütern an und verschaffte sich dann bei einem Gang durch den Ort einen eigenen Eindruck. Begleitet von Laschet sprach Merkel auch mit Helfern und Bürgern.

Von der Situation vor Ort zeigte sie sich betroffen. Die Schäden seien "erschreckend", es gebe "entsetzliche Zustände zum Teil". Viele Häuser seien nicht mehr bewohnbar. Bei ihrem Besuch habe sie Menschen gesehen, die alles verloren hätten. Die Stadt sei "so schwer getroffen, dass es einem wirklich die Sprache verschlägt." Das einzige, was tröste, sei die Solidarität der Menschen.

Bedeutung analoger Warnsysteme

Mit Blick auf mögliche ähnliche Katastrophen in der Zukunft verwiesen Merkel und Laschet unter anderem auch auf die Bedeutung von Warnsirenen. "Vielleicht ist die gute alte Sirene nützlicher, als man gedacht hat", sagte Merkel. Jetzt werde genau analysiert, was beim Katastrophenschutz und den Frühwarnsystemen geklappt habe und was nicht. In der Debatte dürfe aber nicht vergessen werden: "Dies ist ein Hochwasser, wie es es lange, lange nicht gegeben hat."

Laschet sagte, Alarmsirenen seien lange Zeit vernachlässigt worden. Man habe gedacht, da es keine Kriegsgefahr mehr gebe, seien sie unnötig, sagte der CDU-Chef und Kanzlerkandidat der Union. Jetzt merke jeder, "wie vulnerabel die Gesellschaft ist, wenn der Strom plötzlich nicht mehr da ist". Auch analoge Mittel seien künftig wieder nötig. Dies werde nun von Bund und Land gemeinsam mit dem Amt für Katastrophenschutz analysiert, "um beim nächsten Mal noch besser vorbereitet zu sein".

Sorge vor Ansteckungen

In den betroffenen Regionen laufen die Aufräumarbeiten. Allerdings wächst bei den jeweiligen Landesregierungen deshalb auch die Angst, dass sich das Coronavirus in den Katastrophengebieten verstärkt ausbreiten könnte. "Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird", sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Das Landesgesundheitsministerium bereitet deshalb laut Freichel in Absprache mit den Behörden der betroffenen Landkreise eine Sonder-Impfaktion in den Katastrophengebieten vor. Viele Rettungskräfte hätten bereits den vollen Impfschutz. Ein erster Impfbus fährt seit dem Mittag durch das Ahrtal.

Auch das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen warnte vor einem steigenden Infektionsrisiko in den Hochwassergebieten. "Eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterkünften entwickeln", teilte das Ministerium laut RND mit. Die Gefahr könne aber mit Tests, Masken und Lüften reduziert werden. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juli 2021 um 05:30 Uhr.