Daniel Günther | dpa
Analyse

Daniel Günther Moderator mit Macht

Stand: 04.05.2022 12:42 Uhr

Vor fünf Jahren war er noch Ersatzkandidat. Nun gehört Daniel Günther zu den beliebtesten Ministerpräsidenten Deutschlands. Seine CDU steuert in Schleswig-Holstein auf einen klaren Wahlsieg zu. Wieso eigentlich?

Von Daniel Kummetz, NDR

Es sieht so aus, als könnte es Daniel Günther wieder allen zeigen. Als der CDU-Politiker vor fünf Jahren zum Ersatzkandidaten wurde, weil der eigentlich gesetzte Spitzenkandidat plötzlich zurücktrat, nahmen ihn manche kaum ernst - doch Günther zog in die Staatskanzlei in Kiel ein. Am Sonntag könnte er ein Volkspartei-Ergebnis für die Union holen: Bei 38 Prozent sahen die jüngsten Umfragen die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein - weit vor SPD und Grünen. Sechs Prozentpunkte mehr als bei der Landtagswahl 2017 wären das, und damit das beste Ergebnis für die CDU seit 2005. Auf dem Umfrageniveau bewegt sich die CDU derzeit in keinem anderen Bundesland.

Daniel Kummetz

Es besteht kein Zweifel daran, dass Günthers persönliche Popularität entscheidend zu den guten Werten beiträgt. Bei der Bundestagswahl fuhr die Partei im Land wie zuvor bei der Europawahl 2019 jeweils das historisch schlechteste Ergebnis ein. Günther hingegen ist laut ARD-DeutschlandTrend bundesweit der beliebteste Ministerpräsident und sticht seine Konkurrenten auch in der Direktwahl-Frage aus.

"Moin Daniel"

Dabei wird sein Name im Land nicht mit einem konkreten politischen Vorhaben verbunden. Auch die Versprechen aus dem vergangenen Wahlkampf hat er nicht alle umgesetzt. Im Fokus der aktuellen CDU-Kampagne steht deshalb auch vor allem die Person Günther. In einem Kieler Einkaufszentrum hat die CDU eigens einen Laden für den Wahlkampf angemietet. Name: "Moin Daniel". Der Slogan der Kampagne: "Kurs halten".

Günthers Projekt war zunächst vor allem seine Koalition: Das Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP hielt als erstes bundesweit eine ganze Legislaturperiode durch. Ein früherer Versuch im Saarland scheiterte vorzeitig. Und auch 2017 in Schleswig-Holstein war das nicht die naheliegendste Option. Kulturell und inhaltlich waren CDU und FDP einerseits und die Grünen andererseits auch im Norden sehr weit voneinander entfernt.

Gönnen können

Das hat sich grundsätzlich nicht geändert, den Weg zur vertrauensvollen Zusammenarbeit haben die drei aber gefunden. Dabei half, dass der Landeshaushalt meist gut gefüllt war. Und wohl auch Günthers moderativer Stil: Als Ministerpräsident war er sehr gemäßigt, fast schon präsidial, ausgleichend. Die Idee: Jeder Partner sollte das umsetzen dürfen, was ihm wichtig war - statt den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen.

Als Oppositionsführer hatte Günther noch Debatten über eine Schweinefleisch-Pflicht in Kantinen losgetreten. Letztlich regierte nun eher der Pragmatismus, auch wenn Günther harte Entscheidungen traf, etwa bei der umstrittenen Entlassung seines Innenministers. In der Corona-Krise verkündete Günther selbst die wichtigsten Maßnahmen.

"In der Politik hilft es nicht, rumzuschreien", sagt er. Es gehe darum, Menschen zu überzeugen. "Wenn man eine Lösung finden will, dann muss man zueinander finden." Trotzdem habe er eine klare Linie und zeige "in manchen Bereichen auch Führung".

Daniel Günther und Friedrich Merz bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU in Neumünster. | dpa

Daniel Günther und Friedrich Merz bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU in Neumünster. Bild: dpa

Mutmacher für Merz?

Dass die Jamaika-Koalition weitermachen wird, gilt als unwahrscheinlich. Auch wenn Günther dies als Ziel formuliert. Es sieht jedoch ganz danach aus, als würden zwei Jamaika-Partner für die Mehrheit reichen: Schwarz-Grün dürfte möglich sein, eine Koalition mit der FDP möglicherweise auch. Wen er bevorzugt, sagt Günther nicht öffentlich. Inhaltlich bleiben die Überschneidungen von FDP und CDU allerdings größer.

Günther gehört zum liberaleren Flügel in der Union. Als Angela Merkel noch Bundeskanzlerin war, gehörte er stets zu den Unterstützern ihres Kurses, er teilte auch gegen ihre Kritiker in der CSU aus. Eine Zeit lang warb Günther auch in seiner Bundespartei für seinen moderateren Stil, seinen Pragmatismus - durchaus als Gegenentwurf zu anderen in der Union. Er wünscht sich eine Modernisierung seiner Partei, inklusive Frauenquote. Doch durchsetzen konnte er sich gerade bei den Konservativen nicht. Auch nicht beim neuen Bundesvorsitzenden Friedrich Merz. Günther unterstütze ihn bei keinem seiner drei Anläufe, Parteivorsitzender zu werden.

Im Wahlkampf-Endspurt kam auch Merz nach Schleswig-Holstein. Die Wahl am Sonntag ist auch für den Bundesvorsitzenden wichtig: Wäre sie doch der erste Landtagswahlerfolg in seiner Amtszeit als Parteichef - und mindestens ein Mutmacher für die wichtige Wahl in Nordrhein-Westfalen eine Woche später.

Über dieses Thema berichtete der NDR im Schleswig-Holstein Magazin am 01. Mai 2022 um 19:30 Uhr.