Schüler lernen mit iPads im Matheunterricht. | dpa

Tablets für Bremer Schulen Einmal bei Bildung spitze sein

Stand: 25.02.2021 13:01 Uhr

Als bislang einziges Bundesland hat Bremen alle Schüler und Lehrkräfte mit Tablets ausgestattet. Ausgerechnet Bremen, das sonst immer als Bildungssorgenkind gilt, ist damit Vorreiter beim digitalen Unterricht.

Von Sarah Kumpf, Radio Bremen

Bremen ist bei der Bildungspolitik meistens Schlusslicht. Beim digitalen Unterricht geht das kleinste Bundesland aber jetzt voran: Alle Lehrenden und alle Schülerinnen und Schüler haben mittlerweile ein eigenes Schul-Tablet. Die rund 80.000 schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen sind seit Ende des vergangenen Jahres mit iPads ausgestattet, die etwa 8000 Lehrerinnen und Lehrer haben ihre Geräte schon im Sommer bekommen. Die Tablets sollen den Unterricht digitaler machen - und den Distanzunterricht erleichtern.

Laut der Kultusministerkonferenz ist Bremen damit in Deutschland ganz vorn beim Thema Digitalisierung. Rund 52 Millionen Euro kostet das Ganze. Bezahlt wurden die knapp 100.000 Geräte, die Bremen bestellt hat, unter anderem aus dem Sofortprogramm für Schülerinnen und Schüler des Digitalpakts und aus Mitteln des "Bremen-Fonds" zur Bewältigung der Corona-Pandemie. Corona sei insofern durchaus als "Katalysator" für die Entwicklung anzusehen, heißt es aus der Bremer Bildungsbehörde.

Welche Inhalte?

Die Bremer Bildungsbehörde war forsch an das Tablet-Projekt herangegangen: "Der Wunsch der Politik war vor allem, schnell auszurollen", sagt Rainer Ballnus, Leiter des Zentrums für Medien in Bremen, das direkt der Bildungssenatorin unterstellt ist. Ballnus ist verantwortlich für das Tablet-Projekt. Erst nach und nach folgte die Diskussion um Inhalte, also vor allem die Frage, welche Programme und Apps auf die Tablets gespielt werden sollen. So protestierten Eltern dagegen, dass YouTube über den Browser zugänglich war. Seitdem wurde nachgesteuert: Auf den Tablets für Grundschulkinder ist YouTube mittlerweile nicht mehr verfügbar. Ein Gremium mit verschiedenen Beteiligten soll zukünftig geeignete Anwendungen prüfen.

Grundsätzlich seien Eltern und Schüler sonst ziemlich zufrieden, heißt es vom Zentral-Eltern-Beirat in Bremen. Der Start des Projekts ist auch nahezu geräuschlos verlaufen. Hilfreich für alle Beteiligten ist wohl, dass die Lernplattform "Itslearning", die zurzeit noch vor allem auf den Geräten genutzt wird, in Bremen schon lange eingeführt ist. Seit 2015 nutzen Lehrkräfte "Itslearning", um mit ihren Klassen und den Eltern zu kommunizieren, sowie Arbeitsmaterial hochzuladen. Selbst Lehrkräfte, die sonst mit Technik und digitalen Medien fremdeln, sind also geübt im Arbeiten mit der Plattform, um die neuen Geräte in den Unterricht einzubeziehen.

Einsatz im Distanz- und Präsenzunterricht

Wie viel Unterricht tatsächlich mit Hilfe der Tablets stattfindet, ist den einzelnen Schulen beziehungsweise Lehrenden überlassen. Bisher werden sie vor allem für Video-Konferenzen genutzt oder um Arbeitsblätter zu bearbeiten. Andere Anwendungen zum Lesen oder Rechnen sind aber ebenfalls schon in Gebrauch - übrigens sowohl im Distanz- als auch im Präsenzunterricht.

Lehrerinnen und Lehrer hätten viele Angebote, sich fortzubilden, sagt Ballnus. Und das nutzten die Lehrkräfte auch rege. "Ich nehme wahr, dass sich viele, viele Lehrer auf den Weg machen."

Rainer Ballnus  |

"Die deutsche Schule hat die Digitalisierung nicht verschlafen, sondern das wurde aktiv verhindert" - scharfe Kritik von Medienforscher Ballnus.

Ballnus findet das durchaus bemerkenswert. Schließlich habe er gerade Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen sonst oft als Blockierer kennengelernt. In anderen Ländern würden digitale Angebote mit viel mehr Leichtigkeit in den Unterricht eingebunden, erzählt Ballnus von seinen Reisen nach Skandinavien, Kanada oder die Niederlande. In Deutschland hingegen hätten viele Lehrkräfte neue Entwicklungen meist abgeblockt. "Die deutsche Schule hat die Digitalisierung nicht verschlafen, sondern das wurde aktiv verhindert", sagt Ballnus. Er freut sich, dass diese verhärteten Strukturen jetzt aufbrechen.

Lob kommt auch von der Bildungssenatorin: Die Lehrerinnen und Lehrer hätten sich den neuen Herausforderungen mit sehr viel Engagement gestellt", sagt Claudia Bogedan. "Ohne den Einsatz aller, wäre das so nicht möglich gewesen." Das verdiene größten Respekt, so die SPD-Politikerin.

"Weiter diskutieren - oder mal anfangen"

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht das Projekt als einen guten Anfang. Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass Lehrkräfte mit Geräten ausgestattet wurden, sagt Landesvorstandssprecherin Elke Suhr. Um Unterricht vorzubereiten seien die kleinen Geräte aber nicht geeignet. "Mit einem Laptop hätten sie mehr anfangen können."

Ballnus hält diese Kritik für nicht zielführend. Zehntausende Laptops zu verwalten sei eine ganz andere Herausforderung als die technisch besser beherrschbaren Tablets. Außerdem würden sich dann ganz neue Probleme auftun - und die Lehrenden wären am Ende wieder nicht zufrieden. Er sagt: "Wir können jetzt weiter diskutieren - oder mal anfangen." Wo seine Priorität liegt, ist dabei klar.

Über dieses Thema berichtete buten un binnen am 18. Januar 2021 um 19:30 Uhr.