Fahrgäste am Bahnsteig, während ein Zug einfährt.  | dpa

Holprige Verkehrswende Warum es beim 49-Euro-Ticket noch hakt

Stand: 28.12.2022 09:12 Uhr

Mit einer bundesweiten Flatrate sollen Bus und Bahn attraktiver werden. Das 49-Euro-Ticket kommt, wann genau ist noch unklar. Und das ist nicht das einzige Problem. Bahn frei für die Verkehrswende? Eher nicht.

Von Torben Ostermann, ARD-Hauptstadtstudio

Das "Deutschlandticket" wird jetzt kommen, sagte der Bundeskanzler Anfang Dezember. Olaf Scholz und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten hatten gerade den monatelangen Streit ums Geld zwischen Bund und Ländern beendet und damit den Weg frei gemacht. Künftig sollen die Bürgerinnen und Bürger für 49 Euro quer durchs Land fahren können - mit einer Art Flatrate für den Nah- und Regionalverkehr. Das Ticket soll digital buchbar und monatlich kündbar sein. So das Versprechen der Politik. Ursprünglich sollte es Anfang 2023 losgehen. Jetzt ist der 1. April im Gespräch.

Torben Ostermann

Zum Jahreswechsel erleben Bahnfahrende allerdings erst einmal das, was sie eigentlich immer zum Jahreswechsel erleben: Zahlreiche Verkehrsverbünde erhöhen die Preise. Laut Nachrichtenagentur dpa steigen die Ticketpreise in Deutschland zwischen 1,4 und 8,8 Prozent.

Warten aufs 49-Euro-Ticket

Fahrpreiserhöhungen sind zu einem Ritual geworden. Nur die Begründungen fallen in diesem Jahr anders aus. Die hohen Energiepreise werden als ein Grund genannt, dass an vielen Orten Fahrkarten teurer werden. Ein anderer: ausgerechnet das 49-Euro-Ticket. Viele Kunden würden momentan auf ein ÖPNV-Abo verzichten und aufs Flatrate-Ticket warten, meldet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Das führe zu weniger Einnahmen.

Diverse Verkehrsunternehmen mahnen seit Monaten, dass sich das 49-Euro-Ticket negativ auf das Bus- und Bahnangebot auswirken könnte. Vor allem fernab von Ballungsgebieten.

Weniger Geld für Investitionen?

Und so melden sich momentan beinahe täglich die Chefinnen und Chefs diverser Verkehrsbetriebe zu Wort, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Einer von ihnen ist Guido Stilling, verantwortlich für den ÖPNV in Krefeld. Er sagt, er müsse in das bestehende Angebot investieren, aber dafür brauche er Geld. Ein günstiges Ticket, gemeint ist das 49-Euro-Ticket, könnte den zur Verfügung stehenden Investitionstopf kleiner werden lassen. Das könne im schlimmsten Fall bedeuten, dass das bestehende Angebot ausgedünnt werden müsste.

Es wäre ein Rückschlag für die von der Bundesregierung als Ziel definierte Verkehrswende. Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP ist vereinbart, dass die Fahrgastzahlen deutlich ausgebaut werden sollen. Doch das kostet - und Bund und Länder streiten ums Geld.

Verabredet ist, dass sich Bund und Länder die Kosten für das 49-Euro-Ticket teilen. Beide Seiten haben zugesagt, jeweils 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich hat der Bund eine Milliarde Euro zugesagt, damit der Nahverkehr ausgebaut wird.

Scheitert das Ticket?

Doch auch nach der Einigung melden sich immer wieder Skeptiker zu Wort. Der Städte- und Gemeindebund warnt sogar vor einem Scheitern. Bundesverkehrsminister Volker Wissing machte aus seiner Ungeduld zuletzt keinen Hehl mehr, ihm geht es deutlich zu langsam voran. Die Länder müssten jetzt liefern. Er werde jetzt Druck machen.

Die Verkehrsverbände stehen unter Druck. Sie müssen jetzt ihre Systeme umstellen und die Kundinnen und Kunden über das neue Angebot informieren. Zu den finanziellen Sorgen wegen der gestiegenen Energiepreise kommt nun auch noch die Unsicherheit wegen des 49-Euro-Tickets dazu. Außerdem fehlt es auch im Mobilitätssektor an Personal, teilweise sogar an einer funktionsfähigen Fahrzeugflotte. Mit der Ankündigung des "Deutschlandtickets", wie Anfang Dezember geschehen, ist es damit also längst nicht getan. Viele Weichen müssen noch gestellt werden, damit es wirklich losgehen kann mit der Verkehrswende.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 28. Dezember 2022 um 11:50 Uhr.