Ein rosa eingefärbter Corona-Test liegt auf Buntstiften. | dpa

Lehrerverbände zu Corona-Pandemie "Kein Präsenzunterricht um jeden Preis"

Stand: 26.12.2021 08:40 Uhr

Lehrerverbände blicken vor allem wegen der Omikron-Variante besorgt auf das Ferienende im kommenden Jahr. Die Rückkehr zum Distanzunterricht dürfe kein Tabu sein. Das RKI meldet deutlich weniger Neuinfektionen, verweist aber auch die geringere Aussagekraft der Daten.

Momentan genießen Kinder und Jugendliche bundesweit die Weihnachtsferien - doch im neuen Jahr geht es mit der Schule wieder los. Mit Blick auf die sich ausbreitende Omikron-Variante warnen Lehrerverbände schon jetzt davor, den Unterricht in jedem Fall im Klassenzimmer abzuhalten.

"Durch die Omikron-Variante verschärft sich die pandemische Lage massiv - auch an den Schulen", betonte der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die zuerst in Südafrika entdeckte Variante des Erregers wurde inzwischen in allen deutschen Bundesländern nachgewiesen. Die jüngsten Zahlen des Robert Koch-Institutes (RKI) stammen vom 22. Dezember: Bis zu diesem Zeitpunkt waren fast 3200 Corona-Fälle bundesweit auf eine Ansteckung mit Omikron zurückzuführen.

Experten befürchten, dass die Corona-Infektionen wegen Omikron bald rasant zunehmen könnten. Gerade angesichts dieses Risikos warnte Beckmann:

Das Motto der Politik darf auf keinen Fall mehr heißen, dass es Präsenzunterricht um jeden Preis geben muss.

Wechsel- und Distanzunterricht "darf kein Tabu sein"

Beckmann drängte darauf, dass sich die Kultusministerkonferenz schnell zusammenfinden müsse, um dann in enger Abstimmung mit Virologen abzuwägen, "was mit Blick auf die Gesundheit von Lehrern und Schülern verantwortbar ist". Dabei dürfe auch die Rückkehr zum Wechsel- oder gar Distanzunterricht "kein Tabu" sein.

Ähnlich besorgt zeigte sich der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Er verwies vor allem auf die noch niedrige Impfquote unter Schülern. Angaben des RKI zufolge wurden bis vor Heiligabend bundesweit 257.476 Kinder zwischen fünf und elf Jahren geimpft. Die Zahlen bei der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen sehen bereits besser aus: Hier lag die Quote der vollständig Geimpften bis zum 23. Dezember laut RKI bei 51,4 Prozent.

"Kurzer, harter Lockdown" statt monatelangem Auf und Zu

Sollte aufgrund stark ansteigender Infektionszahlen im kommenden Jahr doch noch einmal ein Lockdown nötig werden, "können die Schulen davon nicht ausgenommen werden", sagte Meidinger:

Ein harter, kurzer Lockdown, inklusive Schulschließungen mit Distanzunterricht, wäre im Zweifel immer noch besser, als wieder über Monate eine Situation zu haben, in der mal geöffnet und mal geschlossen ist.

Bislang hatten sich die Kultusminister und auch Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger dafür ausgesprochen, dass es stets Priorität habe, die Schulen offen zu halten. Allerdings hatte die FDP-Ministerin vor Weihnachten auch angeraten, Schulen sollten sich auf mögliche regionale Schließungen vorbereiten.

Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf 220,7

Derzeit geht die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen laut RKI in Deutschland zurück. In den vergangenen 24 Stunden verzeichnete das Institut 10.100 neue Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt damit auf 220,7 gegenüber 249,9 am Vortag und einem Wert von 315,4 vor einer Woche. Allerdings besäßen die Daten über die Feiertage wegen der niedrigen Test- und Meldeaktivität in den Gesundheitsämtern eine deutlich geringere Aussagekraft.

Zudem starben binnen eines Tages 88 Menschen in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion, hieß es vom RKI weiter. Seit dem Ausbruch der Pandemie in Deutschland zählt das Institut damit mehr als 110.300 Corona-Tote. Mehr als 6,99 Millionen Bürgerinnen und Bürger haben sich seitdem mit dem Virus angesteckt. Mehr als 6,11 Millionen Menschen gelten nach einer Infektion als genesen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2021 u.a. um 05:00 Uhr und 08:00 Uhr in den Nachrichten.