Helge Braun | dpa
Analyse

CDU-Vorsitz Merz, Röttgen, Braun - wer macht das Rennen?

Stand: 26.11.2021 03:26 Uhr

Als letzter der drei Bewerber für den CDU-Vorsitz hat sich Kanzleramtschef Braun den Fragen von Mitgliedern gestellt. Zuvor stellten sich Merz und Röttgen vor. Wer schlug sich wie?

Von Kristin Marie Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Wie hältst Du es mit der Ampel? Als Helge Braun gestern Abend in den Vorstellungsring im Konrad-Adenauer-Haus steigt, hat er einen klaren Wettbewerbsvorteil. Die Ampel-Koalition ist sich einig. Ihre Ideen für die Zukunft liegen auf dem Tisch. Das war bei der Vorstellungsrunde von Friedrich Merz am Montag noch nicht der Fall. Und jetzt könnte Helge Braun richtig loslegen, die Ampel hart anfassen.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Bei Braun klingt das dann so: "Unsere Werte sind nicht nur gefragt, sondern wir müssen für sie kämpfen, weil da gesellschaftspolitische Veränderungen anstehen, die uns nicht recht sein können." Er beobachte mit Sorge, dass die Ampel das Werbeverbot für Abtreibungen aufheben wolle. Zum geplanten Umbau der Sozialsysteme, etwa Hartz IV durch ein Bürgergeld zu ersetzen, sagt Braun: Das sei jetzt noch kein bedingungsloses Grundeinkommen, aber das komme dem schon sehr nahe.

Verbal scharf schießen - nicht Brauns Temperament

Das bedingungslose Grundeinkommen war immer eine Forderung der Linkspartei. Der Unionsfraktionschef hatte deshalb den wohl künftigen Koalitionsvertrag der Ampel am Mittwoch schon mal als links-gelbes Programm bezeichnet, der Chef der CSU-Landesgruppe, Alexander Dobrindt, ebenfalls. Da war man sich in der Fraktion schnell einig. Opposition heißt, auch mal verbal scharf zu schießen.

Man merkt Braun an, dass das nicht seinem Temperament entspricht. Fraktionschef will er ohnehin nicht werden. Aber auch der Weg an die Parteispitze dürfte so für ihn schwierig werden. Seine Unterstützen schätzen seine ruhige Art. Doch Braun muss immer wieder die Frage beantworten, wie er nach so langer Zeit an der Seite von Merkel einen Aufbruch signalisieren könne. Das ist ein Problem für Braun. Die, die Kontinuität wollen, finden ihn dagegen gerade richtig.

Vor allem ist Braun gelungen, was der Konkurrenz eben nicht gelungen ist, zwei bekannte Frauen aus der CDU in sein Team zu holen. Mit Serap Güler, der ehemaligen Integrationsstaatssekretärin im Kabinett von Armin Laschet, und Nadine Schön, Fraktionsvize, hat Braun zwei versierte Fachpolitikerinnen an seiner Seite, die durchaus für Aufbruch und Modernisierung stehen. Dennoch scheinen seine Chancen eher gering. Die jüngsten Zahlen der ARD sehen Braun abgeschlagen hinter Merz und Röttgen.

Konkrete Antworten statt Schwurbeleien

Der musste sich am Mittwochabend erst einmal sortieren. Wo ist die richtige Kamera? Eine ungewohnte Situation, sieht man Röttgen doch sonst als schlagfertigen Redner in den Talkshows. In der Vorstellungsrunde im Adenauer-Haus wirkte er von mancher Frage etwas überrollt. Man merkt den Fragen der Mitglieder in allen drei Vorstellungsrunden an, sie wollen konkrete Antworten. Keine blumigen Schwurbeleien.

Beim Thema Klimaschutz, Atomkraft ist Röttgen wieder in seinem Element und teilt bei Migrationsfragen gegen die Ampel aus. Die wolle einen Spurwechsel. So könnten abgelehnte Asylbewerber doch noch einen Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt finden. Röttgen ergänzt so geschickt nebenbei, was seinem Profil in der öffentlichen Wahrnehmung noch fehlte. Mit ihm hat Merz den wohl härtesten Konkurrenten. Röttgen könnte vor allem bei den Jüngeren und den Frauen in der Partei punkten. Der CDU-Außenexperte gilt als eloquent und kann einen Modernisierungskurs glaubhaft vermitteln.

Merz zum Dritten - eine gewisse Irrationalität

Friedrich Merz will es ähnlich wie Röttgen noch einmal probieren. Für ihn ist es schon der dritte Anlauf. Eine ältere Dame fragt ihn, warum er sich das nochmal antue? Merz räumt ein, dass das schon eine gewisse Irrationalität habe. Der ehemalige Fraktionschef will es allen Unkenrufen zum Trotz noch einmal wissen. Und Merz weiß, was die Mitglieder von ihm hören wollen. Muss es eine Obergrenze für Zuwanderung geben, wird er in der digitalen Townhall gefragt. Wie er zur Festung Europa stehe? Von Abschottung halte er nichts. Eine Obergrenze will er auch nicht nennen.

Aber Merz macht unmissverständlich klar, wohin mit ihm die Reise gehen wird: "Die CDU muss ohne jeden Zweifel die Partei der Inneren Sicherheit sein." Solche Sätze erwarten die meisten Mitglieder von ihm. Merz solle der Partei wieder mehr Profil geben, wünschen sich die einen. Die anderen sehen in ihm keinen Aufbruch. Vor allem aber trauen seine Kritiker ihm nicht zu, dass er tatsächlich ein Teamplayer ist. Das betont der Kandidat um den CDU-Vorsitz in diesen Tagen immer wieder, dass Teamgeist wichtig sei.

Und auch Merz weiß um das, was sie ihm in der eigenen Partei nicht zuschreiben, Vertreter der Arbeitnehmer zu sein. Das will Merz ändern. Sein Vertreter dafür heißt Mario Czaja. Czaja war in Berlin schon in Regierungsverantwortung. Merz will ihn zum Generalsekretär machen, falls er Parteivorsitzender wird. Die Chancen dafür sind da.

Merz ist auch laut der jüngsten ARD-Umfrage der Favorit der Basis. 48 Prozent würden ihn, Stand heute, wählen, 20 Prozent Röttgen und 14 Prozent Braun. In der Gesamtbevölkerung sieht die Reihenfolge genauso aus. Allerdings wollen sich hier 36 Prozent auf keinen der drei Bewerber festlegen - auch eine Botschaft der potenziellen Wähler und Wählerinnen. So richtig Feuer haben sie bisher bei keinem der drei Kandidaten gefangen.

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2021 um 06:18 Uhr.