NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder | dpa

K-Frage Kann die CDU auch bayerisch?

Stand: 27.03.2021 21:23 Uhr

Laschet oder Söder? Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl sucht die Union weiter ihren Kanzlerkandidaten. In Umfragen liegt der bayrische Ministerpräsident klar vorn, in der CDU hadert man allerdings mit einem möglichen CSU-Kanzler.

Kristin Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Zwischen Ostern und Pfingsten will die Union entscheiden, mit wem sie in den Bundestagswahlkampf zieht. Eher Ostern oder doch eher Pfingsten? Die Zeitfrage scheint dabei wie ein Indikator für die Personalfrage: Armin Laschet oder Markus Söder? Aus dem Adenauerhaus klingt es eher wie kurz nach Ostern. Heißt - jetzt oder nie. Lieber schneller als später.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Doch Söder lässt sich in dieser Frage nicht drängen. Der CSU-Chef lässt sich Zeit und betont derweilen öffentlich gern, dass man eine gemeinsame Entscheidung treffen werde. Wohl wissentlich, dass ohne ihn die CDU es nicht entscheiden kann. Und je länger es dauert, desto größer sind seine Chancen, doch noch gerufen zu werden. Von wem ist allerdings unklar.

Denn nahezu alle führenden Politiker der CDU scharen sich langsam aber sicher um Laschet - selbst diejenigen, die bei der Wahl zum Parteivorsitzenden Mitte Januar offen oder intern für Friedrich Merz geworben haben.

Haseloff und Strobl unterstützen Laschet

Da wagte zuletzt der CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt einen fast schon historischen Vergleich, als er öffentlich Laschet den Rücken stärkte mit der Bemerkung, Helmut Kohl sei anfangs auch unterschätzt worden. Dabei galt Reiner Haseloff bisher eher als Unterstützer von Merz.

Und nun legte ein weiterer Merz-Anhänger nach: Thomas Strobl. Der CDU-Chef von Baden-Württemberg plädierte in den "Stuttgarter Nachrichten" für Laschet als Kanzlerkandidaten. "Die CDU in Deutschland möchte, dass unser Bundesvorsitzender Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union wird und im Herbst auch Bundeskanzler." Mit schönen Grüßen nach München könnte man noch hinzufügen.

Heißt: Egal wie schlecht es läuft, die große Schwester will der kleinen bei der K-Frage offenbar nicht den Vortritt lassen, so zumindest das Credo der CDU-Spitze.

Es gibt auch Söder-Fans in der CDU

Also bliebe für Söder nur noch der Druck der Basis. Und da finden sich in der CDU Söder-Fans. Michael Hayn ist Kreisvorsitzender im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Er muss demnächst Stimmen sammeln für die CDU. Anfang Juni ist hier Landtagswahl unter denkbar ungünstigen Vorzeichen. Das schlechte Corona-Management und die Maskenaffären ist nicht gerade Rückenwind aus Berlin. Er wünscht sich einen Macher. Einen, der die Dinge wieder gerade rückt.

Hayn sagt, Laschet sei ein guter Ministerpräsident. Kanzler könne er sicher auch. Er schätze ihn. Und doch sage sein Bauchgefühl, Söder wäre in dieser schwierigen Lage der bessere Kandidat, weil "er im Moment ein schärferes Profil zeigt. Klare Kante. Er formuliert besser. Deshalb glaube ich, dass die Beliebtheit in der Bevölkerung, als auch an der Basis der CDU gerade größer ist als bei Armin Laschet".

Laschet muss aus der Deckung kommen

Laschet und Söder, beide seien gute Kandidaten, sagt der Chef der Mittelstandsvereinigung der CDU, Carsten Linnemann. Er gibt allerdings auch Laschet den Vorzug - unter einer Bedingung: Er müsse jetzt aus der Deckung kommen.

Kommenden Dienstag will der CDU-Chef seine Auftaktrede zum Wahlprogramm halten. Erstmal eine CDU-Veranstaltung ohne CSU und ohne Söder. Kein Affront, vielmehr ein Signal in die eigenen Reihen. Will heißen: "Jetzt geht's los." Oder mit Söders Worten, mehr "Red Bull statt Kamillentee". Da war sie wieder, die Spitze aus München.

Was will Söder?

In der CDU fragen sie sich, was Söder wirklich will. Geht es hier noch um die K-Frage oder schon um den Preis für den Verzicht? Vielleicht ein Ministerium mehr, vielleicht ein großes dazu? Mehr Macht, mehr Einfluss in der Union?

In der CSU ist Söder schon lange die Nummer 1. Das macht ihm so schnell niemand mehr streitig. Ein Kanzler Söder hätte dagegen eine Last zu tragen: eine CDU auf Orientierungskurs, die sich möglicherweise auch gegen ihn profilieren will. Und die CSU müsste sich staatstragend dazu verhalten.

Söder könnte nicht wie jetzt die Interessen Bayerns im Bund gleich mit vertreten, sondern müsste sogar jeden Anschein der Bevorzugung vermeiden. Die Vorstellung allein schmeckt auch in der CSU nur wenigen. Ein schlechtes Ergebnis obendrauf, ja vielleicht sogar eine Niederlage bei der Bundestagswahl, das würde nicht ins Portfolio eines Markus Söder passen - der zeigt sich lieber auf dem Treppchen ganz oben.

Über dieses Thema berichtete der "Bericht aus Berlin" im Ersten am 28. März 2021 um 18:05 Uhr.