Annalena Baerbock ist Anfang Juli ebi der Talksendung "Brigitte live" zu Gast. | dpa

Nach Plagiatsvorwürfen Baerbocks Buch bekommt Quellenangaben

Stand: 09.07.2021 14:10 Uhr

Dem Vorwurf, das Buch von Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock enthalte Plagiate, stellen sich die Politikerin und ihr Verlag weiter entgegen. Trotzdem sollen künftige Auflagen ein Quellenverzeichnis enthalten.

Nach Plagiatsvorwürfen ziehen die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, und ihr Verlag Konsequenzen und wollen künftige Auflagen des Buchs der Politikerin mit Quellenangaben versehen. Zuerst hatte die "Bild" darüber berichtet, später bestätigte die Sprecherin des Ullstein-Verlags, Christine Heinrich, die Pläne.

Auch die Ausgabe von "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" als E-Book soll demnach zum nächstmöglichen Zeitpunkt mit den Quellenverweisen versehen werden. Heinrich betonte, ein solches Vorgehen entspreche grundsätzlich den Standards bei Nachauflagen und erfolge aus Gründen der Transparenz. Die Verlagssprecherin stellte sich erneut gegen die Plagiatsvorwürfe, indem sie von einer "rechtlich zulässigen Übernahme von Passagen aus Public Domains" in Baerbocks Buch sprach.

Vorwurf der Urheberrechtsverletzung

Das Buch der Kanzlerkandidatin war vor rund zweieinhalb Wochen auf dem Markt erschienen. Darin führt Baerbock politische Konzepte ihrer Partei aus und verbindet sie mit persönlichen Erfahrungen.

Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung erhob der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber schwere Vorwürfe gegen Baerbock als Autorin. Baerbock habe Formulierungen und Passagen in ihrem Buch abgeschrieben, was aus Sicht Webers einer Urheberrechtsverletzung gleichkomme.

Bei Baerbocks Buch handelt es sich aber nicht um eine akademische Abhandlung. Es unterliegt damit nicht den gleichen strengen Anforderungen des wissenschaftlichen Arbeitens. Fußnoten etwa sind keine Anforderungen. Doch Weber kritisierte, Textplagiate seien "ethisch nicht korrekt" und in zuvor bereits erschienenen Sachbüchern ebenfalls zurecht bemängelt worden.

Rückhalt von Verlag und den Grünen

Baerbock wies die Vorwürfe zurück und erhielt dabei Unterstützung vom Ullstein-Verlag, der ihr Buch auf den Markt gebracht hatte. Auch im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" wiederholte sie am Donnerstag, dass sie auf öffentlich zugängliche Quellen zurückgegriffen habe. Sie räumte aber auch ein, dass es rückblickend besser gewesen wäre, mit einem Quellenverzeichnis zu arbeiten.

Die Grünen hatten mit deutlich heftigerer Kritik auf die Anschuldigungen Webers reagiert und sogar von versuchtem "Rufmord" gesprochen. Die Vorwürfe seien absurd und der Medienwissenschaftler versuche bewusst, Baerbocks Ruf zu beschädigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 09. Juli 2021 um 12:38 Uhr.