Bärbel Bas | picture alliance / Geisler-Fotop
Porträt

SPD-Politikerin Bas Sie ist SPD pur

Stand: 20.10.2021 16:39 Uhr

Sie kommt aus dem Ruhrgebiet, hat eine typisch sozialdemokratische Aufsteigerbiografie und sitzt seit 2009 im Bundestag. Die 53-jährige Bärbel Bas wird wohl die neue Bundestagspräsidentin. Ein Porträt.

Von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

"Herr Präsident, Frau Bundeskanzlerin." So klang Bärbel Bas im Bundestag noch vor der Bundestagswahl. Jetzt aber wird aus der Frau Bundeskanzlerin wohl ein Herr Bundeskanzler und aus dem Herrn Präsidenten bald eine Frau. Vermutlich sie selbst. Bärbel Bas, die erste Frau seit Rita Süssmuth an der Spitze des Parlaments.

Georg Schwarte ARD-Hauptstadtstudio

"Mein Name ist Bärbel Bas, ich bin 53 Jahre alt. In Walsum geboren", stellte sie sich per Videoporträt vor der Bundestagswahl vor. Die Frau ist SPD pur. Kommt aus dem Ruhrpott. Hat eine sozialdemokratische Aufsteigerkarriere hinter sich. Hauptschulabschluss. Danach Bürogehilfin. Studium. Am Ende Abteilungsleiterin einer Betriebskrankenkasse.

Die Soziologin Jutta Allmendinger, die zuletzt von der SPD per offenem Brief eingefordert hatte, jetzt eine Frau für die Spitze des Bundestagspräsidiums zu nominieren, ist erklärter Bärbel-Bas-Fan: "Sie steht genau dafür, was die Partei über Monate sagte. Respekt. Sie fing klein an, hat einen Job nach dem anderen, eine Weiterbildung nach der anderen gemacht. Sie steht auch für ein Stück Deutschland." 

Im Schatten Karl Lauterbachs

Ein Deutschland allerdings, das diese Frau Bas wohl erst noch besser kennenlernen muss. Als Bundestagsabgeordnete war sie eher unauffällig, obschon sie seit 2019 stellvertretende Fraktionsvorsitzende und zuständig für den Fachbereich Gesundheit war.

Da aber stand sie in der Corona-Krise stets tief im Schatten von Karl Lauterbach, der jede Talkshow unterhielt, zum Corona-Karl der SPD mutierte und neulich vom Komiker Kurt Krömer nach eben dieser Bärbel Bas gefragt wurde: "Warum hat man von der Frau noch nie wat gehört?" Lauterbachs lakonische Antwort. "Ich höre regelmäßig von ihr und kann bestätigen: Es gibt Bärbel Bas."

Und zwar seit 2009 auch als Bundestagsabgeordnete. Wahlkreis Duisburg I. Immer holte sie dort das Direktmandat, zuletzt mit 40,3 Prozent. Und während ihr Kollege Lauterbach die Talkshows in Sachen Corona bespielte, redete sie allein 15 Mal im Bundestag zum Thema Pandemie, legte sich dort auch mit der AfD an: "Das, was ich gerade gehört habe, grenzt an Ahnungslosigkeit. Tut mir leid, Frau Weidel", sagte Bas in Richtung Alice Weidel während die AfD-Fraktionschefin grimmig guckte.

Keine Beißhemmung gegenüber AfD

Demnächst also hat es Frau Weidel von der AfD wohl mit einer Bärbel Bas als Bundestagspräsidentin zu tun, die für Ordnung im Parlament sorgen soll. Die Statur dafür habe sie, sagt Soziologin Allmendinger: "Sie hat keine Beißhemmung gegenüber der AfD. Und ich finde, dass sie die Ruhe mitbringt, die so eine Präsidentin dann auch braucht."

Dass Bas von 2013 bis 2019 eine der parlamentarischen Geschäftsführerinnen der Fraktion war, ist da sicher kein Hindernis. Sie kennt die komplizierten Abläufe im Parlament, versteht das Kleingedruckte, wenn es um Tagesordnungen, Anträge, Kurzinterventionen oder den Ältestenrat geht. Das Handwerkszeug für das zweitwichtigste Amt im Staat hat sie also.

Die Tatsache, dass SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am Ende als möglicher Bundestagspräsident zurückzog - vermutlich ein kluger Schachzug der SPD-Spitze. Er selbst hatte sich zu seinen Ambitionen ja stets eher vage geäußert: "Wenn es eine Wertschätzung sein soll, dass ich genannt werde, dann freue ich mich darüber", so Mützenich am Rande einer Fraktionssitzung.  

Jetzt freut sich Bärbel Bas und mit ihr die Frauen in der SPD - und vielleicht auch die darüber hinaus. Denn die SPD kommt mit einem weiblichen Doppelschlag daher. Neben Bärbel Bas als Parlamentspräsidentin soll die 54-jährige Aydan Özuguz, die frühere Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, eine der fünf StellvertreterInnen von Bärbel Bas werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2021 um 23:12 Uhr.