Eine Spritze mit dem AstraZeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus wird aufgezogen. | AP

Impfkampagne in Deutschland AstraZeneca-Impfungen wieder freigegeben

Stand: 18.03.2021 20:22 Uhr

Das AstraZeneca-Vakzin soll ab Freitag wieder in Deutschland zum Einsatz kommen. Darauf hätten sich Bund, Länder und das zuständige Paul-Ehrlich-Institut verständigt, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn.

Als Reaktion auf die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) wird in Deutschland die weitere Verwendung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca genehmigt. Allerdings mit Warnhinweisen. Das sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Darauf hätten sich Bund, Länder und das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nach Beratungen geeinigt. Die Impfungen mit dem Präparat sollten noch im Laufe des Freitags wieder aufgenommen werden.

"Die EMA-Analyse bestätigt uns in unserem Vorgehen", so Spahn. "Es war richtig, die Impfungen vorsorglich auszusetzen, bis die auffällige Häufung der Fälle dieser sehr seltenen Thombosenart analysiert worden ist." Ärzte müssten über die Risiken informiert werden, damit sie ihre Patienten informieren können. Bei einer staatlichen Impfkampagne bestehe gegenüber den Impfwilligen eine Sorgfaltspflicht. "Die Bürgerinnen und Bürger können darauf vertrauen, transparent informiert zu werden." Nach der Aussetzung der Impfungen am Montag gelte es nun, vier verlorene Tage aufzuholen, sagte der Minister. Nun gehe es darum, "dass wir zügig weiterimpfen".

"Sehr seltenes Ereignis"

Der Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, sagte, eine Prüfung habe ergeben, dass der Nutzen fortgeführter AstraZeneca-Impfungen größer sei als die Risiken. Die Impfwilligen sollten in Warnhinweisen auf Risiken hingewiesen werden - es gehe insbesondere um spezifische Symptome, die auf eine Thrombose hinweisen könnten. Dies könnten unter anderem Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust oder punktförmige Einblutungen unter der Haut sein, die vier bis 16 Tage nach der Impfung auftreten können - also nachdem die unmittelbare Impfreaktion abgeklungen sei.

Es handle sich hierbei um ein "sehr seltenes Ereignis", sagte Cichutek. In Deutschland habe es 13 Fälle von Sinusvenenthrombosen gegeben - zwölf bei Frauen unter 55 Jahren, von denen zwei tödlich verlaufen seien. Einen Fall habe es bei einem Mann gegeben, ebenfalls mit tödlichem Ausgang.

EMA hält Vakzin für "sicher und wirksam"

Nach Berichten über das Auftreten schwerer Blutgerinnsel bei einigen Geimpften hatten Deutschland und mehrere weitere europäische Staaten die Impfungen mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers vorerst gestoppt. Am Donnerstag erklärte die EMA nach einer Überprüfung den Impfstoff für "sicher und wirksam" und stellte fest, dass es keine Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel durch das Präparat gebe. 

Die Behörde verwies aber zugleich auf einzelne Fälle, in denen nach Impfungen mit AstraZeneca seltene, "aber schwerwiegende Gerinnungsstörungen" aufgetreten seien. Ein Zusammenhang mit der Impfung könne "nicht endgültig" ausgeschlossen werden. Die Produktinformation für das Vakzin werde nun dementsprechend angepasst.

Auch WHO hält an AstraZeneca fest

Experten der EMA hatten zuvor die Daten der Fälle gemeinsam mit dem Hersteller des Impfstoffes, Experten für Bluterkrankungen sowie Gesundheitsbehörden geprüft. EMA-Chefin Emer Cooke betonte, in klinischen Studien habe das Mittel eine Wirksamkeit von mindestens 60 Prozent gezeigt. Hinweise in der "echten Welt" deuteten daraufhin, dass die Wirksamkeit vielleicht noch höher sei.

AstraZeneca selbst hatte unter Berufung auf seine Impfdaten mitgeteilt, dass es keine Beweise für ein erhöhtes Risiko für die Blutgerinnsel gebe. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am Mittwoch, den Impfstoff vorerst weiterhin zu empfehlen. "Die WHO ist der Meinung, dass die Vorteile die Risiken überwiegen", hieß es. Die Sicherheit des Vakzins werde aber weiter geprüft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. März 2021 um 20:00 Uhr.