Eine Blutprobe für einen Antikörpertest | dpa
FAQ

Coronavirus Wann sind Antikörper-Tests sinnvoll?

Stand: 11.12.2021 12:27 Uhr

Antikörper-Tests können einen Hinweis auf zurückliegende Infektionen geben. Für wen und in welcher Situation sind diese Tests wirklich geeignet? Und wo kann man sie machen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Jens Eberl, WDR

Was sind Antikörpertests?

Viele Genesene wollen wissen, ob sie immer noch gegen das Virus geschützt sind, Geimpfte möchten gerne Information darüber haben, ob ihr Körper einen Schutz gegen das Sars-CoV-2-Virus aufgebaut hat. Für diese Fragen sind Antikörpertests da. Absolute Gewissheit über den Immunschutz können sie aber nicht liefern. Es gibt zwei Arten von Tests: Einerseits wird das Vorhandensein von Antikörpern gemessen, andere Tests prüfen deren Funktionalität gegenüber dem Virus. Erstere liefern also Information darüber, ob man schon eine Corona-Infektion durchgemacht hat oder nicht. Bei Letzteren, den sogenannten Neutralisationstests, wird das Blutserum des Patienten im Labor mit Teilen des Coronavirus in Kontakt gebracht, und es wird geprüft, wie gut das Virus abgehalten wird.

Welche Aussagekraft haben Antikörper-Tests?

Es gibt unterschiedliche Tests für verschiedene Fragestellungen und nicht alle Antikörper bieten den gleichen Schutz vor einer Infektion, so der Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, Jörg Timm. "Es gibt zum Beispiel Antikörper, die nur nach einer Infektion zu finden sind, aber nicht nach der Impfung.

"Wenn nach der Impfung der falsche Test angefordert wird, ist die Enttäuschung groß", sagt er. "Neben dem Nachweis von zurückliegenden Infektionen gibt es natürlich ein großes Interesse an der Frage, ob man einen ausreichenden Immunschutz hat", so Timm. Genau das lasse sich aber auch mit modernen Tests nur sehr schwer beantworten. "Hohe Antikörperspiegel sind sicherlich von Vorteil, die Schutzwirkung für den Einzelnen vorherzusagen ist aber kaum möglich. Dafür gibt es zu viele Faktoren, die den individuellen Erkrankungsverlauf beeinflussen", so Timm.

Das Kölner Labor Wisplinghoff weist außerdem darauf hin, dass die Antikörper nicht dauerhaft im Blut zirkulieren. Der Verlauf sei von Mensch zu Mensch sehr individuell. Aus Studien nach der ersten Coronawelle 2020 wisse man, dass bei rund 50 Prozent der Menschen nach etwa drei Monaten kein Nachweis mehr möglich ist. Wenn ein Antikörpertest negativ ist, sprich keine Antikörper nachgewiesen wurden, kann deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass es vorher doch einen Kontakt mit SARS-CoV-2 gegeben hat.

Wo kann ich einen Antikörpertest machen?

Prinzipiell ist das bei jedem Arzt, zum Beispiel beim Hausarzt, möglich. Spezifische Antikörpertests werden von zertifizierten Laboren durchgeführt. Sie können von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten in Auftrag gegeben werden. Ein einfacher Antikörpertest kostet circa 20 Euro, Neutralisationstests zwischen 50 bis 60 Euro. Die Krankenkasse bezahlt allerdings nur bei "medizinischer Notwendigkeit".

Kann ein Antikörpertest mehr Sicherheit geben?

Hier stellt sich zunächst die Frage, welche Sicherheit der Antikörpertest bieten soll? Wenn er positiv ist, kann der Test die Sicherheit geben, dass ein Kontakt zu SARS-CoV2 bestanden hat. "Wenn jemand unsicher ist, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 ohne Symptome beziehungsweise mit geringen Symptomen durchgemacht wurde und das mittels einer Antikörperuntersuchung herausfinden möchte, dann ist ein positives Testergebnis eine Bestätigung für eine Infektion. Ein negativer Test schließt eine Infektion in der Vergangenheit jedoch nicht aus, da die Antikörper auch wieder verschwunden sein können", informiert das Kölner Labor Wisplinghoff.

Für wen und zu welchem Zeitpunkt sind diese Tests ratsam?

Eine geregelte Testung der Antikörper für alle Geimpften ergebe aktuell wenig Sinn, sagt Timm. "Die klinischen Daten zum Impfschutz für Menschen ohne Vorerkrankungen sind gut und es ist aktuell kaum möglich, aus einem einzelnen Testergebnis zusätzliche Schlüsse zu ziehen." Es gibt aber auch Menschen, bei denen erwartet wird, dass sie nicht gut auf die Impfung ansprechen.

"Dazu zählen zum Beispiel Organtransplantierte oder Krebspatienten unter bestimmten Formen einer Chemotherapie", so Timm. In diesen Fällen sei die Bestimmung der Antikörper gegen SARS-CoV-2 hilfreich für die Bewertung des Impferfolgs. Bei fehlendem Nachweis von Antikörpern könne dann unter Umständen eine dritte Impfung vorgezogen werden.     

Sollte vor der Booster-Impfung gegen Covid-19 eine Antikörperbestimmung durchgeführt werden?

Fälschlicherweise nehmen viele Menschen an, dass bei hohem Antikörperspiegel nach der Grundimmunisierung gegen Covid-19 oder einer SARS-CoV-2-Infektion keine (Auffrischungs-) Impfung verabreicht werden sollte. Das sei jedoch nicht korrekt, so Virologe Timm. "Es ist nicht bekannt, ab welchem Wert von einem ausreichenden Schutz vor der Erkrankung ausgegangen werden kann."

Im Epidemiologischen Bulletin des RKI vom 2. Dezember 2021 zur Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlungen wird eine serologische Antikörpertestung nicht grundsätzlich empfohlen. Begründung: "Der Wert, der einen fortbestehenden Impfschutz bedeutet und damit eine 3. Impfdosis unnötig macht, ist nicht bekannt."

Deshalb werde auch nicht empfohlen, vor der Verabreichung der (Auffrischungs-) Impfung mittels serologischer Antikörpertestung zu prüfen, ob weiterhin ein Schutz vor Covid-19 besteht.

Sollte der Impferfolg mittels einer Antikörpermessung überprüft werden?

Die STIKO empfiehlt bei den Covid-19-Impfungen keine generelle Prüfung des Impferfolgs, weder nach der ersten Impfstoffdosis noch nach der zweiten Impfstoffdosis. Nur bei bestimmten Patientinnen und Patienten mit Immundefizienz und einer erwartbar stark verminderten Impfantwort sei eine Antikörpermessung sinnvoll.

"Es wäre natürlich sehr hilfreich, wenn wir einen eindeutigen Schwellenwert für die Antikörper hätten, ab dem Menschen geschützt sind. Für einige Infektionen, gegen die wir impfen, gibt es das bereits. Für SARS-CoV-2 aber auch für andere Atemwegsviren gibt es diesen definierten Schwellenwert aber leider nicht", so Timm.

Das liege daran, dass der Erkrankungsverlauf von zu vielen Faktoren abhänge. "Antikörper sind nur ein Faktor, Grunderkrankungen, Alter der Patienten, die Infektionsdosis und die Eigenschaften von Virusvarianten sind weitere Faktoren." Ein weiteres Problem sei, dass viele Tests noch nicht ausreichend standardisiert seien. Das bedeutet, der Zahlenwert von einem Test kann aktuell nicht unbedingt mit dem Ergebnis eines anderen Tests verglichen werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2021 um 15:40 Uhr.