Eine Frau arbeitet in ihrer Wohnung am Schreibtisch. | Bildquelle: dpa

Koalition uneins Altmaier gegen Recht auf Homeoffice

Stand: 23.05.2020 09:17 Uhr

In der Coronakrise sind viele Beschäftigte ins Homeoffice gewechselt. Arbeitsminister Heil plant ein Recht darauf, auch nach der Krise. Wirtschaftsminister Altmaier hat dazu eine klare Position - und die dürfte Heil nicht gefallen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich gegen ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice ausgesprochen. Damit droht in der schwarz-roten Koalition ein neuer Streit. "Wir brauchen vor allem weniger Bürokratie, nicht immer neue staatliche Garantien. Ich bin überzeugt, dass viele Betriebe von sich aus mehr Homeoffice ermöglichen, aber es passt eben nicht überall, vor allem wenn der direkte Kontakt zu Kunden und Mitarbeitern notwendig ist", sagte der CDU-Politiker.

Er habe volles Vertrauen in Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Betriebsräte, dass vor Ort die richtigen Lösungen gefunden werden, so Altmaier. "Staatliche Gängelei wäre grundfalsch."

Peter Altmaier | Bildquelle: CLEMENS BILAN/POOL/EPA-EFE/Shutt
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Wirtschaftsminister Altmaier, CDU, ist gegen ein Recht auf Homeoffice.

Heil plant bereits Gesetzentwurf

Sein Kabinettskollege Hubertus Heil von der SPD hat dagegen einen ganz anderen Plan: Der Bundesarbeitsminister Hubertus hatte angekündigt, er wolle das Recht auf Arbeit von zu Hause aus gesetzlich verankern und bis zum Herbst ein entsprechendes Gesetz vorlegen. "Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist", hatte er der "Bild am Sonntag" gesagt.

Dabei dürfe man entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche, hatte Heil erklärt. Aus der Union und der Wirtschaft gab es dazu skeptische Stimmen. "Politische Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang seit vielen Jahrzehnten aufzuwärmen, wirkt etwas aus der Zeit gefallen", hatte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, gesagt.

Jeder Dritte arbeitet in der Krise zuhause

Umfragen zufolge ist in der Coronakrise etwa jeder dritte Beschäftigte ins Homeoffice gewechselt. In der ersten Aprilhälfte hätten 35 Prozent aller Befragten angegeben, teilweise oder vollständig von zu Hause aus zu arbeiten, so das Deutsche Institut der Wirtschaftsforschung. Vor der Corona-Krise hätten nur zwölf Prozent gelegentlich oder immer den heimischen Schreibtisch genutzt.Vor allem Beschäftigte mit höheren Einkommen und höherer Bildung konnten ins Homeoffice wechseln.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 23. Mai 2020 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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