Passanten stehen Abend am teilweise überfluteten Ufer des Inn in Passau | dpa

Hochwasser in Deutschland Aufräumen im Westen, Entspannung im Süden

Stand: 19.07.2021 11:15 Uhr

Im Westen geht das Aufräumen weiter, heute besucht Innenminister Seehofer besonders betroffene Gebiete. In Bayern hat sich die Lage vielerorts entspannt. Entwarnung gibt es auch an der Steinbachtalsperre.

Während im Westen Deutschlands vorerst keine akute Unwetter-Gefahr mehr besteht, richten sich weiterhin bange Blicke auf einige Orte. Bundesinnenminister Horst Seehofer besucht heute die von der Flutkatastrophe und großen Zerstörungen besonders betroffenen Gebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. So wird er etwa an der Steinbachtalsperre in Euskirchen erwartet, wo zuletzt ein Dammbruch drohte. Mittlerweile besteht laut Behörden keine akute Gefahr mehr.

Die Hochwasserlage in Bayern hat sich am Morgen allerdings sogar deutlich entspannt. Da es keine relevanten Niederschläge mehr gegeben habe und nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auch die kommenden Tage keine relevanten Flächenniederschläge geben werde, sei von einer weitergehenden Entspannung auszugehen, teilte der Hochwassernachrichtendienst Bayern mit. "Die Wellen laufen ab", hieß es im Lagebericht des Warndienstes.

Mehr als 160 Tote

Die Zahl der bestätigten Todesopfer wegen der verheerenden Überflutungen in Deutschland stieg auf mehr als 160. Im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz sind nach Polizeiangaben vom Morgen 117 Todesopfer zu beklagen, 749 wurden verletzt. In Nordrhein-Westfalen starben mindestens 46 Menschen, in Bayern kam ein Mensch ums Leben.

Es ist die schwerste Hochwasserkatastrophe in Deutschland seit Jahrzehnten. Vor allem im Westen Deutschlands hatte es Mitte der Woche ungewöhnlich heftig geregnet. Viele Häuser, Straßen und Brücken liegen in Trümmern.

Weiterhin große Gefahr in Erftstadt-Blessem

In Erftstadt-Blessem besteht nach Einschätzung von Experten in der Nähe einer Abbruchkante weiterhin akute Lebensgefahr, wie Landrat Frank Rock nach einem Gespräch mit den Fachleuten vor Ort mitgeteilt hatte. Die Stabilität des Untergrunds nach der Unwetterkatastrophe in dem besonders betroffenen Stadtteil müsse weiterhin überprüft werden. In Blessem war durch die Fluten ein riesiger Krater entstanden, mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein.

In Passau ganz im Südosten Deutschlands stieg in der Nacht zum Montag der Wasserstand der Donau nur noch gering und verharrte dann unter der Marke von 8,50 Meter, ab der die höchste Hochwasserwarnstufe gilt. Einzelne Bereiche der Stadt wurden zwar überschwemmt. Von katastrophalen Zuständen sei man aber zum Glück noch entfernt, sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr rechnet damit, dass am Abend oder spätestens am Dienstag die Aufräumarbeiten beginnen können.

Entspannung im Berchtesgadener Land

Auch im Berchtesgadener Land hat sich die Lage mittlerweile entspannt. Dort hatte die Wucht des Wassers am Wochenende mit voller Kraft zugeschlagen, weil der Fluss Ache über die Ufer trat. Mehr als 160 Menschen mussten in der Urlaubsregion rund um den Königssee aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden, wie eine Sprecherin des Landratsamtes sagte. Die Nationalparkverwaltung warnt in der bei Touristen beliebten Region weiter vor Unternehmungen.

Im Westen Deutschlands will sich Seehofer vor Ort ein Bild von der Arbeit des Technischen Hilfswerks (THW) machen. Es ist dem Bundesinnenministerium unterstellt. Die Organisation hat den Angaben zufolge 2500 Helferinnen und Helfer in den Hochwassergebieten im Einsatz, um Menschen in Sicherheit zu bringen, Keller abzupumpen, die Stromversorgung sicherzustellen und um Schuttberge abzutragen.

Seehofer besucht Steinbachtalsperre und Ahrweiler

Am späten Vormittag wird Seehofer an der Steinbachtalsperre in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) erwartet. Dort hatte es einen Rückschlag gegeben, weil das Wasser langsamer als erwartet abfloss. Mittlerweile ist nach Angaben des Rhein-Sieg-Kreises ein "unkritischer Wasserstand erreicht" - es bestehe akut keine Gefahr mehr, dass die Staumauer brechen könnte, teilte der Kreis mit. Die Evakuierungsmaßnahmen für Swisttal und Rheinbach würden aufgehoben.

Gegen Mittag will Seehofer dann nach Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) fahren, um ein Krankenhaus zu besuchen. Dort hat das THW eine Trinkwasseraufbereitungsanlage installiert, damit das Krankenhaus weiterhin das nötige Trinkwasser bekommt. Dies war nötig geworden, nachdem die Wassermassen die Leitungen im Umfeld der Klinik beschädigt hatten.

Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist Seehofer ein weiterer Bundespolitiker, der in das Katastrophengebiet reist, um den Menschen dort seine Unterstützung zuzusichern.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 19. Juli 2021 um 06:06 Uhr.

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KOMMENTARE

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dumm aber deutsch 19.07.2021 • 14:34 Uhr

@ Tada

Angeblich ist Sachsen deshalb weniger betroffen, weil es aus den letzten drei Überflutungen gelernt hatte und passende Baumaßnahmen durchführen ließ. Nein, Sachsen hat nur einfach nicht diesen heftigen Starkregen abbekommen. Übrigens genauso wie die Pfalz. In Kaiserslautern oder Alzey gab es keine Schäden.