Lastwagen stauen sich am Parkplatz "Kleine Herrenthey" an der A2 bei Dortmund. | dpa

Schnee und Eiseskälte Staus lösen sich nur langsam auf

Stand: 09.02.2021 13:26 Uhr

Schnee und Eis beherrschen immer noch große Teile der Republik. Tausende Menschen steckten in der Nacht auf der A2 fest. Der Verkehr rollt nur langsam wieder an. Die Bahn meldet weiter Ausfälle und Verspätungen.

Extremes Winterwetter mit riesigen Schneemengen beherrscht den dritten Tag in Folge weite Teile Deutschlands und führt zu Stillstand auf vielen Straßen und Schienen.

Der Verkehr auf einigen Autobahnen insbesondere in NRW rollte nur langsam wieder an. Auf der A2 bei Bielefeld verbrachten Fahrer und Mitfahrende die ganze Nacht auf der Straße und mussten bei klirrender Kälte zum Teil mehr als 16 Stunden lang in ihren Autos ausharren. Die Autobahn wurde zeitweise in beiden Fahrtrichtungen gesperrt - insgesamt bildeten sich rund um Bielefeld am Morgen mehr als 70 Kilometer Stau. Die Polizei rechnet damit, dass es den ganzen Tag dauern wird, bis sich der Stau aufgelöst hat, wie sie dem WDR am frühen Morgen mitteilte.

Etwas weniger dramatisch war die Lage laut Polizei bei Dortmund, wo die A2 ebenfalls gesperrt war. Auf der Fahrbahn in Richtung Oberhausen hatten sich am Montagnachmittag Dutzende Lkw festgefahren, obwohl bis 22 Uhr eigentlich ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen galt. "Die Polizei registrierte dort 340 Verstöße gegen das Verbot", sagte die Sprecherin. Einsatzkräfte versorgten alle Liegengebliebenen mit warmen Getränken und Decken.

Auch auf anderen Autobahnen wie der A4 in Osthessen kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Starke Schneefälle hatte in Teilen Deutschlands bereits am Sonntag ein Verkehrschaos verursacht.

Kein Flugbetrieb am Flughafen Dortmund

Wegen Schnee und Eis auf der Landebahn starten und landen bis einschließlich Mittwoch am Flughafen Dortmund keine Flugzeuge. Der ohnehin coronabedingt ausgedünnte Flugbetrieb solle bis Donnerstag, 6 Uhr, eingestellt bleiben, teilte der Flughafen mit. Betroffen waren die Passagiere von 18 Maschinen, die am Dienstag starten oder landen sollten. Flüge fielen aus oder sollten verschoben werden. Ankommende Flugzeuge wurden zu anderen Flughäfen umgeleitet.

Am Mittwoch hätten ohnehin keine Flüge auf dem Plan gestanden, sagte eine Sprecherin. Mit der Entscheidung wolle man den Fluggästen Planungssicherheit geben, so dass keiner umsonst anreisen müsse. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Situation in den Griff zu bekommen", so der Flughafen auf Twitter.

Ausfälle und Verspätungen bei der Bahn

Die Deutsche Bahn sprach weiterhin von "extremem Unwetter", durch das es in weiten Teilen Deutschlands zu Verspätungen und Zugausfällen komme. Zwar arbeiteten Einsatzkräfte mit Hochdruck daran, insbesondere die Hauptstrecken von Schnee und Eis zu befreien. Vielerorts erschwerten aber starke Schneefälle, Schneeverwehungen und Frost die Arbeiten.

Von Dresden aus fuhren am Dienstag bis auf weiteres keine Fernverkehrszüge in Richtung Leipzig, Frankfurt, Hannover und Köln, wie im Internetauftritt der Bahn zu lesen war. Auch zwischen Hamburg und Kiel, zwischen Hamburg und Lübeck sowie zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt rollten demnach keine Fernzüge.

Teils starker Schneefall im Norden

Ein schnelles Ende des extremen Winterwetters ist nicht zu erwarten: Für die Ostsee sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) teils starken Schneefall mit Schneeverwehungen voraus. Für Ostholstein galten deswegen amtliche Unwetterwarnungen. An den Küsten sei es windig bis stürmisch. Für den Süden Deutschlands meldeten die DWD-Meteorologen leichten Schneefall. Verbreitet herrsche außerdem Dauerfrost.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer appellierte an die Bürger im Norden und in der Mitte Deutschlands, mindestens bis Mittwoch auf Reisen zu verzichten. "Bei solchen extremen Bedingungen können selbst die beste Weichenheizung und das beste Räumfahrzeug an ihre Grenzen geraten", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Bei "Bild Live" sagte er: "Es entsteht ein neues Band: ein kleines, aber sehr heftiges. Dienstag und Mittwoch werden wir an der Ostsee und bei Rügen viel Schnee bekommen und vor allem stürmische Verhältnisse."

Sorge um Obdachlose wächst

Im Vergleich zum Wochenende soll der Schneefall in den kommenden Tagen insgesamt zurückgehen. Das große Thema wird dann der strenge Frost sein - vor allem nachts.

Hilfsorganisationen verstärkten deshalb ihren Einsatz für Obdachlose. In vielen Städten sind "Kältebusse" unterwegs, die Menschen auf der Straße versorgen oder in eine Notunterkunft bringen können. Die Stadt Frankfurt am Main hatte nach Angaben einer Sprecherin bereits am Wochenende die Öffnungszeiten einer Winterübernachtung in einer U-Bahn-Station verlängert.

Über dieses Thema berichtete NDR2 am 09. Februar 2021 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.