Ein Räumfahrzeug fährt bei Schneefall über die Autobahn 115 | dpa

Wintereinbruch Verkehrschaos, Bahnprobleme und keine Entwarnung

Stand: 08.02.2021 08:40 Uhr

Heftige Schneestürme haben in Teilen Deutschlands den Verkehr lahmgelegt. In Bayern fällt vielerorts der Unterricht aus. Und der strenge Winter hält an: Nun wird die große Kälte aus dem Osten erwartet.

Das Extremwetter hält weite Teile Deutschlands fest im Griff. Schnee und Eis trafen den Straßenverkehr in vielen Regionen schwer. Es kam zu zahlreichen Unfällen und teils kilometerlangen Staus. Auch in den kommenden Stunden werden teils kräftige Schneefälle mit meist zehn bis 25 Zentimetern Neuschnee erwartet - vor allem in Nordosthessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Auch in anderen Bundesländern müssen die Menschen weiter mit Einschränkungen durch den Wintereinbruch rechnen.

Steckengebliebene Lastwagen blockierten die Autobahnen, etwa im Norden und Osten Hessens auf der A4 und der A7. "Die Lage ist katastrophal", sagte ein Sprecher der Polizei in Fulda. In vielen Bereichen würden die Lkw und Autos seit vielen Stunden im Stau stehen, und es gehe nicht vorwärts oder rückwärts. Es sei noch nicht abzusehen, wann die Fahrbahnen wieder frei seien. Die Räumfahrzeuge würden kaum durchkommen.

Mehrere Städte in Hessen stellten den Busverkehr komplett ein - etwa Kassel und Marburg an der Lahn. Auch die Busse und Straßenbahnen in Kassel bleiben laut Stadtwerken in den Depots.

Staus auf A6 und A4 - freie Fahrt in NRW

Auf der A6 bei Nürnberg blieben Lastwagen ebenfalls reihenweise im Schnee stecken: Hier musste das Technische Hilfswerk etliche Fahrzeuge befreien. Auf der A4 bei Gera in Thüringen fuhren sich Lastwagen in Schneeverwehungen fest, es bildete sich ein kilometerlanger Stau. Abschleppdienste und Räumfahrzeuge mussten die Lkw befreien.

Anders dagegen die Lage in Nordrhein-Westfalen: Auf den Autobahnen herrschte am frühen Morgen weitgehend freie Fahrt für Pkw. "Es gab kaum Unfälle, alle waren sehr diszipliniert", sagte ein Sprecher der Polizei Münster. Die Autobahnen im Bezirk seien nach dem Schneechaos vom Wochenende weitgehend befahrbar.

Die Polizei in NRW verzeichnete insgesamt 720 Einsätze innerhalb von 24 Stunden infolge des Winterwetters. Allein von Sonntagmorgen 6 Uhr bis Montagmorgen 6 Uhr seien die Beamten zu 507 witterungsbedingten Unfällen gerufen worden, sagte ein Sprecher der Landesleitstelle. Bei den Unfällen habe es einen Toten und 37 leicht verletzte Personen gegeben. In Duisburg war am Sonntag ein Wagen von der Straße abgekommen und in einem Bach gelandet. Dabei starb der Fahrer.

Lkw-Fahrverbot ausgeweitet

Auf den Autobahnen in Westfalen gilt noch bis 12 Uhr ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen. Grund dafür sind der anhaltende Schneefall sowie vereiste Fahrbahnen. Einige Autobahnen seien so stark vereist, dass es derzeit unmöglich sei, die Fahrbahnen komplett eis- und schneefrei zu bekommen. In Niedersachsen gilt die Regelung für die Landkreise Emsland, Osnabrück und Grafschaft Bentheim. Trotzdem sind dort vereinzelt Lastwagen unterwegs. "Ganz verhindern können wir es nicht", sagte ein Sprecher der Polizeileitstelle Osnabrück

Einschränkungen auf den Autobahnen gibt es etwa auch in Berlin: Auf den Stadtautobahnen solle auf Grund der Wetterlage nicht schneller als 60 Kilometer pro Stunde gefahren werden, erklärte die Verkehrsinformationszentrale. Auf den Straßen der Hauptstadt sei mit extremer Glätte zu rechnen.

Auch den Fahrplan der Bahn trifft das extreme Winterwetter. "Schnee und Eis werden den Nah- und Fernverkehr der DB in weiten Teilen des Landes auch am Montag beeinträchtigen", teilte die Deutsche Bahn mit. Reisende wurden gebeten, "sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren".

Gestrandete Bahngäste in Niedersachsen

In Uelzen im Nordosten Niedersachsens strandete ein Zug mit rund 25 Reisenden. Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes versorgten die Fahrgäste in der Nacht mit Decken, heißen Getränken und einer Suppe. Am frühen Morgen konnten die Reisenden ihre Fahrt fortsetzen.

In mehreren bayerischen Landkreisen fällt heute der Unterricht aus. In Würzburg, Schweinfurt (jeweils Stadt und Landkreis) sowie im Landkreis Bad Kissingen gibt es keinen Unterricht, wie das Bayerische Kultusministerium mitteilte. Der Landkreis Rhön-Grabfeld verzichtet auf Präsenzunterricht und Notbetreuung an allen Schulen. Distanzunterricht soll jedoch stattfinden. Gleiches gilt für den Landkreis Kitzingen sowie Stadt und Landkreis Bamberg.

Menschen in Norddeutschland müssen sich auf Hochwasser an der Ostsee einstellen. Ein kontinuierlicher Ostwind bringt Wassermassen an die Ostseeküste, wie ein Meteorologe sagte. In der Kieler Bucht sei mit bis zu 80 Zentimeter höheren Wasserständen zu rechnen und auch in der Lübecker Bucht steige das Wasser deutlich an.

Bis zu 30 Zentimeter Schnee

Gestern bereits hatte ein heftiger Schneesturm in vielen Regionen Deutschlands ein Verkehrschaos verursacht. Es fielen mancherorts mehr als 30 Zentimeter Schnee, dazu kamen meterhohe Verwehungen. Polizei und Feuerwehr fuhren zahllose Einsätze. Bei der Bahn kam es im Regional- und Fernverkehr zu großen Einschränkungen. Besonders betroffen waren Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Der heftige Wintereinbruch brachte die Räumdienste etwa in NRW an ihre Grenzen. Die Polizei musste spiegelglatte Autobahnen sperren, es gab Hunderte Unfälle, bei der Bahn fielen Züge wegen vereister Oberleitungen aus. Autos blieben in tiefen Schneewehen stecken.

Bei Göttingen brachte der Schneefall den Verkehr auf der A7 fast vollständig zum Erliegen. Auf anderen Autobahnen stauten sich in der vergangenen Nacht Lastwagen, die im Schnee nicht vorankamen.

Trotz Schneepflug aus Schienen gesprungen

In Braunschweig barg die Feuerwehr einen Straßenbahn-Waggon, der aufgrund des Schnees aus den Schienen gesprungen war. Der Waggon gehörte zu einem Sonderfahrzeug mit Schneepflug, mit dem die Verkehrsgesellschaft eigentlich unterwegs war, um Schienen von den Schneemassen zu befreien, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Rettungskräfte hoben den tonnenschweren Wagen mit einem Autokran zurück in die Spur. Laut Feuerwehr türmten sich im Braunschweiger Stadtgebiet Schneeverwehungen mit bis zu 70 Zentimetern Höhe.

In Duisburg musste die Feuerwehr anrücken, weil fünf Häuser direkt am Rhein durch die Schneeverwehungen von der Außenwelt abgeschnitten worden waren. Räumfahrzeuge waren in den teils 1,50 Meter hohen Schneeverwehungen stecken geblieben, wie die Polizei mitteilte.

Weiterhin eisige Luft

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer riet den vom Schneechaos betroffenen Menschen in Deutschland, am Wochenbeginn besser zu Hause zu bleiben. Man könne nicht garantieren, im Laufe des Montags den Bahnverkehr wieder zum Laufen zu bekommen, sagte der CSU-Politiker nach einer Lagebesprechung am Sonntag bei "Bild live".

Tief "Tristan" über Mitteleuropa und dem zentralen Mittelmeer bringt im Zusammenspiel mit Hoch "Gisela" über Skandinavien weitere eisige Luft. "Nach dem schnee- und windreichen Wochenende kommt nun aus Osten die große Kälte auf uns zu", sagte Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst. Der erwartete Schnee falle aber nicht mehr so intensiv wie am Wochenende. Morgen lassen die Schneefälle dann größtenteils nach, außer an der Küste.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Februar 2021 um 09:00 Uhr.