Eine Frau geht in einer Kirche in Recklinghausen über Markierungen auf dem Boden, die zur Einhaltung der Abstandsregelungen zum Schutz vor dem Coronavirus angebracht wurden.  | dpa

Corona-Regeln Wie die Kirchen Weihnachten feiern

Stand: 22.12.2021 14:57 Uhr

Nie sind die Kirchen so voll wie zu Weihnachten. Aber in diesem zweiten Corona-Winter stellt sich die Frage: Wer darf hinein? Nur Geimpfte, reicht ein Test oder reichen auch nur Abstand und Maske? Was gilt wo?

Von Oliver Feldforth, hr

Wer in den Weihnachtsgottesdienst im Freiburger Münster gehen will, braucht weder genesen, geimpft noch getestet sein - eine Voranmeldung beim Dompfarramt genügt. Selbst Gesang ist mit OP-Maske erlaubt. Hier gilt also das "0G"-Prinzip. Lediglich Hygieneregeln und 1,5 Meter Abstand sind Bedingung.

Oliver Feldforth

Die Corona-Regeln im Freiburger Münster sind eine Ausnahme. Das Beispiel zeigt aber auch: Alles ist möglich. Beide christlichen Kirchen haben keine einheitlichen Regeln, welche Corona-Zugangsbedingungen für die Weihnachtsgottesdienste bindend sind.

Und auch aus den jüngst von Bund und Ländern verschärften Corona-Regeln angesichts der Omikron-Variante ergeben sich für die Kirchen zunächst keine Konsequenzen. Die im Vergleich etwa zu Kino und Theater lockereren Regeln liegen an der von der Verfassung garantierten Religionsfreiheit, die den Kirchen mehr Handlungsspielraum gibt.

Unterschiedliche Gottesdienstformate

Die katholische Kirche überlässt es ihren Gemeinden in diesem Jahr selbst, wie sie das erhöhte Interesse an Gottesdiensten und die Pandemie unter einen Hut bringen. Unterschiedliche Gottesdienstformate würden angeboten werden, sagte der Sprecher der Bischofskonferenz. Es gibt solche unter 2G- und 3G-Regeln, aber auch Gottesdienste ganz ohne Impf- und Testnachweis. Verstärkt werden auch wieder Open-Air-Gottesdienste angeboten.

Auch in den evangelischen Kirchengemeinden werden verschiedene Zugangsregeln zu Gottesdiensten angewandt. In der westfälischen Landeskirche, in der die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus Präses ist, wird den Gemeinden die 2G-Regel empfohlen mit Ausnahmen für Kinder und Jugendliche. Dazu sollen die Gemeinden aber auch Gottesdienste anbieten, für die ein negativer Coronatest reicht - etwa unter freiem Himmel oder in besonders großen Kirchen mit viel Abstand.

3G-Pflicht in wenigen Bundesländern

Und das gilt auch für die Bundesländer, die den Kirchen keine einheitlichen Vorschriften machen. Für Konzerte in Kirchen gilt 3G, Besucherinnen und Besucher müssen also genesen, geimpft oder getestet sein.

Für den Gottesdienstbesuch gilt das zumindest in den meisten Bundesländern nicht. Nur Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern geben den Religionsgemeinschaften für Gottesdienste in den Landesverordnungen eine 3G-Regelung vor. In diesen Ländern können damit keine "0G"-Gottesdienste stattfinden. Die Kirchengemeinden bieten in diesen Ländern zum Teil neben den 3G-Gottesdiensten freiwillig auch 2G-Gottesdienste an.

Das Erzbistum Berlin bietet, ohne entsprechende landesrechtliche Vorgabe, aber wohl auf Empfehlung der Senatsverwaltung für Kultur - freiwillig 3G- und 2G-Gottesdienste an und verzichtet freiwillig auf "0G"-Gottesdienste. 

Ein Weihnachtsgottesdienst in der Thomaskirche in Leipzig | dpa

Schon im vergangenen Corona-Winter konnten Gottesdeinste zu Weihnachten nur mit Abstand und Maske stattfinden - hier in der Thomaskirche in Leipzig. Bild: dpa

Hygienekonzept reicht

In anderen Bundesländern, etwa in Nordrhein-Westfalen und Bayern, reicht ein Hygienekonzept, das heißt, die Gläubigen müssen Abstand halten und Maske tragen. So können im Kölner Dom alle Gottesdienste am Ersten und Zweiten Weihnachtstag ohne Nachweis des Gesundheitsstatus besucht werden. "Das Recht zur Ausübung der Religionsfreiheit, zu der auch der Besuch des Gottesdienstes gehört, ist ein verfassungsmäßig geschütztes Gut", argumentiert eine Sprecherin des Erzbistums Köln.

"Ein Mindeststandard 3G sollte schon sein", sagt hingegen die Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Britta Baas. Die Laienorganisation der katholischen Kirche hält einen Corona-Test für Ungeimpfte für zumutbar. Der deutsche Evangelische Kirchentag, eine Organisation der evangelischen Laien, will sich nicht dazu äußern.

Andernorts nimmt man das im Interesse des Gesundheitsschutzes durchaus in Kauf. "Die Empfehlung der Landeskirche für die Heiligabend- und Weihnachtsgottesdienste ist 2G", sagt eine Sprecherin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Auch mit Test kommt ein Ungeimpfter hier also nicht in den Gottesdienst.

Umgeimpfte ausschließen?

"Ich kann es theologisch nicht rechtfertigen, Menschen aufgrund ihrer Einstellung zur Impfung vom Gottesdienst in der Kirche auszuschließen", sagt der Hildesheimer evangelische Superintendent Mirko Peisert dem NDR. Er hält es für "hochproblematisch", wenn sich Präsenzgottesdienste ausschließlich an Geimpfte und Genesene wenden.

Das sieht Superintendent Dirk Jäger aus Hittfeld anders. Zugangsbeschränkungen für ungeimpfte Menschen seien unumgänglich, sagt er. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass die evangelische Kirche lange Zeit bewusst auf Beschränkungen verzichtet hat." Würde ungeimpften Menschen der Zugang gewährt, müssten Abstandsregeln vergrößert und Besuchszahlen reduziert werden. "Ich frage mich, schützen wir damit nicht die Falschen?" so Jäger.

Gottesdienst nur mit Anmeldung?

Uneinheitlich ist es auch bezüglich einer möglichen Online-Anmeldepflicht. Die Landeskirchen und Bistümer verweisen auf die einzelnen Kirchengemeinden. Dort machen wohl einige die Online-Anmeldung zur Bedingung, viele aber nicht. Lediglich die Nachverfolgung der Besucherinnen und Besucher soll gewährleistet werden.

Wer an Weihnachten in die Kirche gehen und im Vorfeld wissen will, was für ihn gilt, kommt also an einer direkten Kommunikation mit den Gemeinden nicht vorbei: Auf den Homepages der Gemeinden oder per telefonischer Nachfrage im Pfarrbüro lässt sich am leichtesten ermitteln, welche Regel gerade gilt. Und auch, ob eine Voranmeldung verlangt wird - wegen des nötigen Abstands gibt nur begrenzt Platz, auch wenn insgesamt mehr Gottesdienste angeboten werden sollen.

Wenn der Pfarrer mit dem Lkw kommt

Das Angebot der Kirchen ist so breit gestreut: So gibt es neben Podcasts und Fernsehübertragungen auch Gottesdienste auf dem Supermarktparkplatz, unter dem Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt, im Park, am Gartenzaun, via Dorflautsprecher oder vom Lastwagen. So tourt im südhessischen Lindenfels der Pfarrer mit dem Lkw durch den Ort.

Impfen an Heiligabend

Und im Kölner Dom wird an Heiligabend nicht nur gebetet, sondern auch geimpft: Interessierte können am 24. Dezember zwischen 10 Uhr und 14 Uhr im Dreikönigensaal ohne Anmeldung eine Impfung erhalten, wie das Metropolitankapitel ankündigte. Möglich sind Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen, verimpft wird das Vakzin von BioNTech.