Putin und Schröder in Moskau (Archivbild aus dem Jahr 2018) | REUTERS

Kritik an Altkanzler Schröder soll Ehrendoktor niederlegen

Stand: 28.04.2022 10:23 Uhr

Der Druck auf Rosneft-Lobbyist und Altkanzler Schröder wächst weiter: Die Universität Göttingen forderte ihn auf, seine Ehrendoktorwürde niederzulegen. Kritik kommt auch vom Grünen-Vorsitzenden Nouripour und Polens Ministerpräsident Morawiecki.

Die Kritik an Altkanzler Schröders für sein Engagement beim russischen Energieriesen Rosneft reißt nicht ab, ganz im Gegenteil: Nachdem immer mehr Politiker einen Ausschluss aus der SPD befürworten und der Forderung ihn auf die Sanktionsliste zu setzen, geht nun auch die Universität Göttingen endgültig auf Distanz. Die Universität forderte Schröder auf, seine Ehrendoktorwürde niederzulegen. Das Präsidium, der Akademische Senat und die Dekaninnen und Dekane begründeten dies in einer Erklärung mit Schröders Positionen gegenüber Russland und seinen Aufsichtsratsämtern in staatlichen russischen Unternehmen.

In der Mitteilung der Universität heißt es: "Vor dem Hintergrund des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine, der einen Bruch des Völkerrechts darstellt, folgt die Stiftungsuniversität konsequent der politischen Vorgabe, alle Hochschul- und Forschungskooperationen sowie wirtschaftliche Transaktionen mit Russland auf Eis zu legen."

Ein Festhalten an Ämtern im Wirtschaftsapparat des Aggressors sei mit dem Leitbild der Universität unvereinbar:

Für die Universität Göttingen ist es daher unverständlich, dass mit Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder ein herausragender Alumnus und Ehrendoktor unserer Universität auch nach Wochen erbitterter Kriegshandlungen und einer sich immer weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in der Ukraine den verbrecherischen Angriffskrieg nicht klar als solchen benennt und seine Tätigkeiten in russischen Unternehmen zumindest ruhen lässt

Gespräche mit Schröder, in denen er auch seine Bemühungen zur Beendigung des Krieges geschildert habe, "konnten unsere Bedenken nicht ausräumen", hieß es weiter: "Auch wenn wir jede Anstrengung zu einer baldmöglichsten Beendigung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges begrüßen."

Die Universität Göttingen hatte Schröder 2005 die Ehrendoktorwürde verliehen. Er hatte in Göttingen von 1966 bis 1971 Jura studiert.

"Erwarte minütlich seinen Rücktritt"

Die Weigerung Schröders seine Unterstützung des russischen Energieunternehmen Rosneft aufzugeben, war auch Thema bei der ZDF-Sendung "Markus Lanz". Der Grünen-Vorsitzender Omid Nouripour forderte Schröder zum sofortigen Verzicht auf dessen Aufsichtsratsposten auf: "Ich erwarte minütlich seinen Rücktritt", betonte Nouripour.

Schröder habe in einem Interview in der "New York Times" angekündigt, falls Russland die Gaslieferungen nach Deutschland oder in die Europäische Union einstelle, würde er diesen Schritt gehen. Russland hat nun die Gaslieferung an die EU-Mitglieder Polen und Bulgarien eingestellt. Nouripour betonte, er könne das Vorgehen des Altkanzlers nicht mehr verstehen:

Es gibt Leute, von denen man enttäuscht ist, und es gibt Leute, bei denen man sich fragt, wie sie noch in den Spiegel schauen können. Und dann gibt es Leute, bei denen ich mich frage, ob da überhaupt noch ein Spiegel hängt.

"Würde Schröder nicht mehr die Hand geben"

Aber auch im Ausland wir die Kritik immer lauter: Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sagte in einem Interview mit der "Bild", er würde Schröder nicht mehr die Hand geben. Seine Begründung:

Dieser Mann hat nichts dazugelernt. Er hat keine Scham, keinerlei Gewissensbisse. Wir alle kennen die schrecklichen Bilder der Kriegsverbrechen aus Butscha, Hostomel und anderswo. Wen das nicht zum Umdenken bewegt, der hat keinen Anstand.

Mateusz Morawiecki | EPA

Mehr als deutliche Kritik an Schröder: Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sieht bei dem Rosneft-Lobbyisten und Altkanzler "keinen Anstand" mehr. Bild: EPA

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Niedersachsen am 28. April 2022 um 06:30 Uhr.