Eine Frau steht vor einem Fenster und ist im Gegenlicht nur als dunkle Silhouette erkennbar. | dpa

Gesundheitsreport zu Corona "Die Batterien sind leer"

Stand: 23.06.2021 14:49 Uhr

Fehlende Kontakte und die Angst vor Erkrankung: In der Pandemie haben die Menschen unter dem zweiten Lockdown deutlich stärker gelitten als im vergangenen Jahr. Das zeigt ein Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse.

Die Angst um Angehörige und die Einsamkeit haben viele Menschen in Deutschland in der Corona-Pandemie zunehmend zermürbt. Das besagt ein Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK). Rund 42 Prozent der vom Forsa-Institut Befragten fühlten sich während des zweiten bundesweiten Lockdowns im März 2021 stark oder sehr stark von der Corona-Situation belastet. Im Mai 2020 waren es 35 Prozent gewesen.

Rund 89 Prozent gaben der Umfrage zufolge im März an, Treffen mit Verwandten oder Freunden zu vermissen. Angst, dass Angehörige oder Freunde an Covid-19 erkranken, empfanden demnach 60 Prozent. Vor einer eigenen Infektion hatten nur 26 Prozent Angst. Knapp 17 Prozent gaben an, Angst vor einer Corona-Impfung zu haben. 18 Prozent sagten andersherum, sie hätten Sorge, nicht rechtzeitig eine Impfung angeboten zu bekommen. Elf Prozent der Erwerbstätigen hatten Angst um den Arbeitsplatz - 89 Prozent teilten dieses Gefühl nicht.

Eltern im Homeoffice besonders belastet

Es kamen aber auch viele Menschen recht gut mit der Corona-Situation zurecht. So sagten 48 Prozent der Frauen, sie fühlten sich nur ein wenig belastet. Acht Prozent fühlten sich gar nicht belastet. Bei den Männern zeigten sich 42 Prozent ein wenig und 18 überhaupt nicht belastet.

Mehr als die Hälfte der Menschen hatte nach eigenen Angaben auch das Gefühl, aktiv etwas Positives für sich in Pandemiezeiten tun zu können. 72 Prozent gaben an, sie könnten sich in der schwierigen Zeit hundertprozentig auf den Partner oder die Partnerin verlassen.

"Bei den Erwerbstätigen sind es vor allem Eltern im Homeoffice, die durch die Doppelbelastung von Arbeit und Kinderbetreuung vor einer besonders großen Herausforderung standen", stellte TK-Chef Jens Baas fest. So fühlte sich mehr als die Hälfte der befragten Erwerbstätigen im Home Office mit mindestens einem Kind im Haushalt im März 2021 von der Corona-Situation stark oder sehr stark belastet. Im Mai vergangenen Jahres waren es 45 Prozent gewesen. Bei den kinderlosen Berufstätigen im Home Office veränderte sich der Belastungsgrad nicht - er lag jeweils bei 31 Prozent.

Corona rückte näher

Der Chemnitzer Arbeitspsychologe Bertolt Meyer, der an der Studie für den Gesundheitsreport mitgearbeitet hatte, wies darauf hin, dass es vielen durch den Lockdown über einen langen Zeitraum nicht möglich gewesen sei, ihre Energiereserven durch positive Eindrücke wie Treffen im Freundeskreis, Sport, Kultur oder Reisen wieder aufzufüllen. "Dieses Ungleichgewicht führt auf Dauer in die Erschöpfung und in schweren Fällen sogar in den Burnout", so Meyer. "Die Batterien sind leer."

Die gesundheitlichen Folgen der Pandemie rückten dabei auch immer näher: Im vergangenen März kannten sieben von zehn Befragten mindestens einen Menschen aus dem engeren Umfeld, der sich mit dem Virus infiziert hatte. Im Mai 2020 waren es nur 23 Prozent gewesen.

Aber auch deutliche regionale Unterschiede stellten die Forscherinnen und Forscher fest: Mit 57 Prozent fühlten sich Menschen in Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) in diesem Frühjahr stärker durch die Pandemie belastet als der Bevölkerungsschnitt. Am wenigsten litten die Menschen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit 32 Prozent unter der Lage - gefolgt von Berlin/Brandenburg (33 Prozent) und Bayern (37 Prozent).

Geringerer Krankenstand

Insgesamt hat sich die Gesundheit von Erwerbstätigen laut TK-Report im Schnitt durch die Pandemie nicht verschlechtert. Mit einem Krankenstand von 4,14 Prozent lag das Jahr 2020 bei den Versicherten der Kasse sogar unter den Werten der Vorjahre (2019 bei 4,22 Prozent und 2018 bei 4,25 Prozent). Das sei vor allem auf weniger Krankschreibungen mit Erkältungskrankheiten zurückzuführen, hieß es.

Im Coronajahr 2020 seien auch so wenige Antibiotika verschrieben worden wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Experten führen das auf die Wirkung der Abstands- und Hygieneregeln zurück.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juni 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Nettie 23.06.2021 • 21:47 Uhr

Der Mensch ist ein soziales Wesen - er braucht die anderen

„72% gaben an, sie könnten sich in der schwierigen Zeit hundertprozentig auf den Partner/die Partnerin verlassen“ Wohl dem, der eine/n hat. Besonders in dieser Situation: "Bei den Erwerbstätigen sind es vor allem Eltern im Homeoffice, die durch die Doppelbelastung von Arbeit und Kinderbetreuung vor einer besonders großen Herausforderung standen (…) So fühlte sich mehr als die Hälfte der befragten Erwerbstätigen im Home Office mit mindestens einem Kind im Haushalt im März 2021 von der Corona-Situation stark oder sehr stark belastet“ Zumal deswegen eine wichtige Auftankmöglichkeit wegfiel oder stark eingeschränkt war: „Rund 89% gaben der Umfrage zufolge im März an, Treffen mit Verwandten oder Freunden zu vermissen“ „Im Coronajahr 2020 seien auch so wenige Antibiotika verschrieben worden wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Experten führen das auf die Wirkung der Abstands- und Hygieneregeln zurück“ Auch dass die jährliche Grippewelle ausgefallen ist dürfte auf die zurückzuführen sein.