Regenbogenflagge | AFP

Tag gegen Homophobie Wenn wegen Liebe die Todesstrafe droht

Stand: 17.05.2021 12:23 Uhr

Eigentlich sollte es egal sein, wen man liebt. Doch Hass auf Homosexuelle ist in vielen Ländern noch Alltag. Ein Verein aus Solingen unterstützt Geflüchtete, die wegen ihrer sexuellen Orientierung in ihrer Heimat verfolgt wurden.

Von Philipp Wundersee,  WDR

"Hallo, ich bin Kai und ich bin schwul", sagt Kai Schumacher und öffnet schwungvoll die Tür. So begrüßt Schumacher häufiger Menschen, die an der Glastür am Büro des Vereins "Be Yourself" mitten in Solingen klopfen. Dann würde vielen jungen Migranten erst einmal die Kinnlade runterfallen. "Ihnen wurde es in den Heimatländern anerzogen, dass sie krank sind und ein Problem haben", sagt Schumacher. "Viele trauen sich nicht über Liebe und Sexualität offen zu reden und kennen nur ein Leben in Angst."

Philipp Wundersee

Flucht vor Todesstrafe

Im Jahr 2018 gründete Schumacher mit anderen ehrenamtlichen Mitstreitern den Verein "Be Yourself". Ihr Ziel: Für das Aufenthaltsrecht von Menschen zu kämpfen, denen in ihren Ländern wegen ihrer sexuellen Orientierung Verfolgung - oder gar die Todesstrafe droht. Die jungen Männer kommen häufig aus Nigeria, Guinea, Bangladesch oder dem Iran. Die Ehrenamtlichen betreuen momentan rund 30 Geflüchtete mit juristischer Hilfe und bieten auch seelische Unterstützung.

Kai Schumacher vom Verein "Be Yourself" | Philipp Wundersee

Juristische Hilfe und seelische Unterstützung - Kai Schumacher unterstützt mit seinem Verein geflüchtete Homosexuelle. Bild: Philipp Wundersee

Das zeige Wirkung, wie auch bei Damian Mkporogwu, betont Schumacher. Der Mann aus Nigeria ist mittlerweile selbst aktiv im Verein, engagiert sich für andere Flüchtlinge und hatte vor einigen Jahren noch selbst Angst vor der Homophobie der Dolmetscher bei den Asyl-Anhörungen.

Uns wurde beigebracht, dass wir es nicht wert seien, zu leben. Es werden wegen unserer gleichgeschlechtlichen Beziehungen Menschen getötet, wie zum Beispiel mein Partner. Und dann sagt man uns in Deutschland, wir lügen. Das macht uns krank.

Immer wieder werde Homosexuellen kein Aufenthalt gewährt, sagt Rechtsanwältin Barbara Ginsberg, die als Anwältin ehrenamtlich für den Verein arbeitet. "Die Argumente, die in manchen Verfahren kommen, sind immer ähnlich: Den Leuten wird nicht geglaubt, dass sie verfolgt wurden. Sie könnten in ihrem Heimatland doch neu starten und ihre Homosexualität verstecken. Das ist nicht zumutbar." Fünf Ablehnungen habe sie mittlerweile aber vor dem Verwaltungsgericht umkehren können. Und sie hofft auf weitere erfolgreiche Asyl-Entscheidungen.

Todesstrafe für Homosexualität

Gleichgeschlechtliche Liebe ist nach wie vor in 69 Ländern illegal. Dort riskieren Menschen eine Haftstrafe, wenn sie lieben. In sechs Ländern droht laut der "International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association" sogar die Todesstrafe - beispielsweise in Saudi-Arabien, dem Iran oder Nigeria.

Beschimpfungen, Schmähungen und Drohungen würden im Alltag leider nicht als Verfolgungshandlung ausreichen, dass man Asyl erhalte, erklärt Ginsberg. Dabei hätte der Europäische Gerichtshof Homosexualität bei Verfolgung eigentlich als zulässigen Grund bestätigt. "Es geht eigentlich darum, dass die Behörden ihre Arbeit seriös machen sollen. Wir sind häufig bei Anhörungen dabei. Und da merkt man, wie das Klima ist. Und da ist selten Verständnis für geflüchtete LGBTQ", kritisiert Ginsberg.

Vereinsmitglieder von "be yourself" | Verein "Be Yourself"

Halt in der Gemeinschaft - vor Corona gehörten monatliche Treffen zur Arbeit des Vereins (Archivbild). Bild: Verein "Be Yourself"

Corona behindert die Unterstützung

Schumacher und die anderen im Team hoffen, dass sie ihren monatlichen Treff bald wieder stattfinden lassen könnten: "Wir haben keine Mitgliederversammlung mehr wegen Corona. Für die Jungs ist es schlimm, dass die sich bei unseren Treffen nicht austauschen können. Eigentlich wird hier gelacht, gekocht und gemeinsam verarbeitet."

Viele der jungen Geflüchteten seien zu Beginn noch sehr unsicher und in Sorge. Deswegen bräuchten sie eine enge Beratung über lange Zeit und viel persönliche Unterstützung. Auch dafür ist der Verein auf Spenden angewiesen. "Die Leute sind aufgewachsen mit dem Bewusstsein, ich bin falsch", sagt Schumacher. Die Menschen seien vom Krieg und der Flucht häufig auch traumatisiert. Deshalb sollten sie möglichst schnell lernen, so leben und lieben zu können, wie sie es wollen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Mai 2021 um 12:00 Uhr.