Ein Grabstelle mit einem sitzenden Engel | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Statistik für 2021 Mehr als eine Million Sterbefälle

Stand: 11.01.2022 14:34 Uhr

Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik sind in einem Jahr so viele Menschen gestorben wie 2021. Laut Statistischem Bundesamt waren es rund 1,02 Millionen. Die hohe Zahl ist nur teilweise durch das Coronavirus zu erklären.

Die Zahl der Sterbefälle in Deutschland hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit Jahrzehnten die Schwelle von einer Million überschritten. 2021 starben in Deutschland insgesamt rund 1,02 Millionen Menschen, wie das Statistische Bundesamt unter Berufung auf eine Sonderauswertung der vorläufigen Sterbefallzahlen mitteilte.

Mehr als eine Million Sterbefälle in einem Jahr hatte es auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik in der Nachkriegszeit nur 1946 gegeben - damals wurden rund 1.001.600 Sterbefälle registriert. Während damals schwierige Lebensverhältnisse die hohen Sterbefallzahlen erklärten, sind laut Statistikamt heute hauptsächlich die größere Bevölkerung und der höhere Anteil älterer Menschen die Ursache.

Rund 31.000 Sterbefälle mehr als 2020

Konkret starben im vergangenen Jahr 1.016.899 Menschen. Im Vergleich zum ersten Corona-Jahr 2020 stiegen die Sterbefallzahlen damit um drei Prozent beziehungsweise 31.327. Die Alterung der Bevölkerung erklärt diesen weiteren Anstieg demnach nur zum Teil, denn die insgesamt steigende Lebenserwartung schwächt den Alterungseffekt ab. Vor der Pandemie stiegen die Sterbefallzahlen daher jährlich um durchschnittlich ein bis zwei Prozent.

Dies änderte sich mit der Corona-Krise: Bereits im Jahr 2020 stiegen die Sterbefallzahlen im Vergleich zum Jahr 2019 vor der Pandemie um fünf Prozent und 2021 im Vergleich zu 2019 sogar um acht Prozent.

Höchste Zahl von Sterbefällen im Herbst und Winter

Im Jahresverlauf 2021 lagen die Sterbefallzahlen nur im Februar und März unter dem mittleren Wert der vier Vorjahre, in den übrigen Monaten teilweise deutlich darüber.

Besonders im November und Dezember während der vierten Corona-Welle übertrafen die Zahlen den Vergleichswert. So starben im November 21 Prozent und im Dezember 22 Prozent mehr Menschen als im Mittel der vier Vorjahre.

Erhöhte Zahlen nur zum Teil durch Corona erklärbar

Die erhöhten Sterbefallzahlen im Herbst sind laut Statistikamt nur zum Teil mit den Covid-19-Todesfällen erklärbar. So könnte auch die "Dunkelziffer" an unerkannten Corona-Todesfällen oder die zeitliche Verschiebung von Sterbefällen innerhalb eines Jahres infolge der zum Jahresbeginn ausgefallenen Grippewelle eine Rolle spielen.

Möglicherweise zeigen sich den Experten zufolge auch "die Folgen verschobener Operationen und Vorsorgeuntersuchungen". Die Beiträge einzelner Effekte ließen sich derzeit allerdings nicht beziffern. Die hohe Auslastung der Kliniken durch Corona führte bekanntermaßen schon früh im Pandemieverlauf dazu, dass planbare Behandlungen und Operationen verschoben wurden. Zudem mieden viele Menschen aus Angst vor Ansteckung den Gang zum Arzt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Januar 2022 um 13:40 Uhr.