Patienten warten im Wartezimmer einer Arztpraxis.
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Neues Internetportal Wie Patienten Fehler online melden können

Stand: 15.02.2024 17:51 Uhr

In Arztpraxen und Kliniken kann vieles schiefgehen. Krankenversicherte können nun über ein neues Internetportal Behandlungsfehler melden - aber auch positive Erfahrungen. Wie funktioniert das? Was passiert mit den Berichten? Ein Überblick.

Verwechslungen von Medikamenten, falsch gedeutete Symptome oder das unbeabsichtigte Hinterlassen eines Tupfers bei einer Operation: Gesetzlich Versicherte können künftig kritische Ereignisse ihrer medizinischen Behandlung, aber auch positive Erfahrungen an ein Internetportal melden. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) hat den Startschuss für das neue Internetportal "Mehr Patientensicherheit" gegeben.

Neue Online-Plattform für mehr Patientensicherheit geht an den Start

Max Kell, RBB, tagesschau, 15.02.2024 20:00 Uhr

Welchen Zweck hat das neue Portal?

Das Meldeportal soll kritische Vorfälle und Probleme bei medizinischen Behandlungen anonymisiert sammeln und auswerten. Die Perspektive der Patientinnen und Patienten sei "äußerst wertvoll, um systembedingte Fehlerrisiken systematisch zu erkennen und abzubauen", sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, zum Start des Angebots.

Das Portal sei kein Ersatz für individuelle Beschwerden. Es biete aber eine Basis, damit das gesamte System lernen könne. Wenn Versicherte Behandlungsfehler vermuten, können sie sich auch bei Gutachtern und Schlichtern der Ärzte und bei den Kassen melden, die dann Gutachten in Auftrag geben.

Wissen und Erfahrung von Versicherten und Angehörigen würden bisher kaum genutzt, erklärte vdek-Vorstandschefin Ulrike Elsner. Dabei seien sie oft die einzigen, die den kompletten Behandlungsprozess erlebten. Ziel des Angebots sei, aus Erfahrungen der Versicherten zu lernen und die Patientensicherheit zu verbessern.

Was geschieht mit den Berichten von Patienten?

Die Meldungen von Patienten und Angehörigen aus den Bereichen Medizin, Pflege und Pharmazie sollen von Experten der Deutschen Gesellschaft für Patientensicherheit analysiert und dann in anonymisierter Form aufbereitet werden. Geschäftsführer Marcus Rall sprach von einer Art "Frühwarnsystem". Es gehe nicht darum, Einzelfälle zu verfolgen, sondern von Einzelfällen für alle zu lernen, auch bevor Schäden eintreten. Im Blick stehen auch positive Beispiele.

Außerdem sollen Handlungsempfehlungen und Maßnahmen zur Erhöhung der Patientensicherheit wie der "Tipp des Monats" oder der "Fall des Monats" veröffentlicht werden.

Wer ist zuständig für das Portal?

Entwickelt wurde das zunächst auf zwei Jahre angelegte Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Patientensicherheit. Die Zuständigkeit für das Portal liegt beim vdek. Diesem Verband gehören die Ersatzkassen TK, Barmer, DAK-Gesundheit, KKH, hkk und HEK an.

Das Portal ist den Angaben zufolge zunächst als Pilotprojekt bis Ende 2025 angelegt und hat ein Budget von rund 300.000 Euro. Gerechnet wird mit 600 Fällen, die bearbeitet werden.

Was sagen Experten zu dem neuen Portal?

Der Medizinische Dienst Bund begrüßte die Initiative. Für Krankenhäuser und Praxen sollte aber zusätzlich eine anonyme und sanktionsfreie Meldepflicht für schwerwiegende Schadensereignisse eingeführt werden, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Gronemeyer. Die Medizinischen Dienste begutachten bundesweit jedes Jahr über 13.000 Behandlungsfehlervorwürfe von Patientinnen und Patienten im Auftrag der Krankenkassen.

Kritik kam von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Jetzt gebe es neben Internetbewertungen, dem anonymen Meldesystem der Krankenhäuser, Anlaufstellen für Behandlungsfehler von Kassen und Ärztekammern sowie den Patientenbeauftragten noch ein neues Portal. "Doch der Mehrwert für Patientinnen und Patienten ist bescheiden", sagte Vorstand Eugen Brysch.