Spritze und Fläschchen mit Corona-Impfstoff des Hersteller Novavax | REUTERS

Neues Corona-Vakzin Tausende wollen Novavax-Impfung

Stand: 28.01.2022 16:39 Uhr

Der Corona-Impfstoff von Novavax steht ab Ende Februar bereit. In Rheinland- Pfalz ist als erstem Bundesland seit Montag eine Registrierung für eine Impfung mit dem neuen Vakzin möglich. Dort meldeten sich bereits Tausende Interessenten.

Von Carina Kopp, SWR

Je nach Definition ist der Impfstoff von Novavax streng genommen kein richtiger "Totimpfstoff", wird aber oft so bezeichnet, selbst vom rheinland-pfälzischen Gesundheitsminister Clemens Hoch. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagt, das Präparat sei "quasi ein Totimpfstoff". Es handelt sich um ein Vakzin auf Proteinbasis und könnte vor allem jene Menschen zu einer Corona-Schutzimpfung bewegen, die der Impfung mit den dominierenden mRNA-Vakzinen skeptisch gegenüberstehen. Denn er funktioniert ähnlich wie bereits bewährte Impfstoffe etwa gegen Grippe.

Carina Kopp

Seit 24. Januar ist es in Rheinland-Pfalz möglich, sich für eine Impfung mit Novavax zu registrieren. Für Ende Februar erwartet das Land dann die erste Lieferung vom Bund. Lauterbach hatte Mitte Januar angekündigt, dass das Vakzin von Novavax ab 21. Februar zur Verfügung stehen werde. Damit stünden in Deutschland dann fünf Impfstoffe zur Auswahl: die Vakzine von BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca, Johnson&Johnson und künftig eben auch von Novavax.

Interesse an Erstimpfungen gewachsen

In Rheinland-Pfalz haben sich innerhalb der ersten vier Tage 9139 Menschen für eine Impfung mit dem Novavax-Impfstoff registriert. Die meisten von ihnen - rund 5000 - gleich in den ersten Stunden am Montag. Insgesamt haben sich innerhalb dieser Woche in Rheinland-Pfalz so viele Menschen zu einer Erstimpfung angemeldet wie in den drei Monaten vorher insgesamt. Ob das an dem neuen Impfstoff liegt, ist aber unklar.

"Wir erwarten nicht, dass die Impfungen mit dem Novavax-Impfstoff die letzten Impflücken schließen", sagt der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Hoch. "Dennoch freuen wir uns, wenn jetzt einige Skeptiker bereit sind, mit Novavax die Schutzimpfung zu bekommen." Jede Impfung zähle.

Wer die Menschen sind, die sich jetzt für eine Impfung mit Novavax entschieden haben, ist nicht bekannt. Beruf oder auch Wohnort werden bei der Registrierung zunächst nicht erfasst. Das heißt, es können auch Menschen aus anderen Bundesländern sein, erklärt das Ministerium auf Anfrage. Dort gelte: "In Rheinland-Pfalz wird geimpft, wer sich anmeldet."

Wie die Registrierung funktioniert

Den Impfzentren und Impfstellen stehen bisher die vier mRNA-Impfstoffe und Vektorimpfstoffe BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson zur Verfügung. Geboostert wird allerdings nur mit mRNA-Impfstoff (BioNTech und Moderna) - unabhängig davon, mit welchem Impfstoff die Erst- und Zweitimpfung erfolgte. Grundsätzlich kann sich niemand den Corona-Impfstoff aussuchen. Wer welchen bekommt, regeln die Länder je nach Verfügbarkeit und nach den geltenden Empfehlungen bezüglich Alter, Impfstoffkombinationen, Vorerkrankungen und anderen Parametern.

Nur den neu zugelassenen Stoff Novavax kann man künftig bei der Registrierung zum Ersttermin als Wunsch angeben: "In diesem Fall erhalten Sie Ihre Erst- und Zweitimpfung mit dem gewünschten Impfstoff", heißt es etwa auf der Internet-Seite des rheinland-pfälzischen Impfportals.

Lieferung von Millionen Impfstoffdosen bis Jahresende

Die EU-Kommission hatte den neuen Impfstoff des US-Herstellers Novavax im Dezember als fünftes Mittel gegen Covid-19 für Erwachsene innerhalb der Union freigegeben. Insgesamt erhält Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium in diesem Jahr bis zu 34 Millionen Impfstoffdosen von Novavax.

Im ersten Quartal werden demnach etwa vier Millionen Impfdosen in mehreren Tranchen nach Deutschland ausgeliefert, die ersten 1,4 Millionen Dosen ab 21. Februar, danach dann gestaffelt mehrere weitere Lieferungen. Hinsichtlich der Verteilung in die einzelnen Bundesländer liefen laut Ministerium derzeit noch Abstimmungen.

Wie Novavax funktioniert

Proteinbasierte Impfstoffe werden seit Jahrzehnten zuverlässig etwa gegen Grippe oder Tetanus eingesetzt. Das neue Vakzin von Novavax könnte hat daher für jene interessant sein, die den mRNA-Impfstoffen skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen. Im Novavax-Impfstoff ist ein sogenannter rekombinanter Proteinimpfstoff. Er enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten, also künstlichen Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen, und soll die eigene Produktion von Antikörpern ankurbeln.

Zum Vergleich: Die mRNA-Präparate von BioNTech/Pfizer und Moderna funktionieren anders: Hier werden Körperzellen mit Hilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen. Für manche Menschen, die bislang eine Impfung ablehnen, klingt der Ansatz von Novavax "natürlicher" als etwa der von mRNA-Impfstoffen.

Zugelassen nur ab 18 Jahre

Zugelassen ist Novavax für Erwachsene ab 18 Jahren. Eine detailliertere Empfehlung der Ständigen Impfkommission steht noch aus, soll aber noch vor Ende Februar erfolgen. Laut Hersteller-Studien liegt der Impfschutz durch den Novavax-Impfstoff bei 90 Prozent. Allerdings beziehen sich die Ergebnisse hauptsächlich auf frühere Varianten des Coronavirus, die in Deutschland derzeit kaum noch vorkommen. Wie gut er gegen die Omikron-Variante wirkt, ist noch nicht klar.

Bislang sind zwei Impfungen mit einem Abstand von drei bis vier Wochen vorgesehen. Eine dritte, so genannte Boosterimpfung, ist laut rheinland-pfälzischem Gesundheitsminsiterium derzeit noch nicht empfohlen.

Übergangsfristen für Novavax-Geimpfte?

Für Beschäftigte in Kliniken, Pflege und Behinderteneinrichtungen gilt ab dem 15. März eine Impfpflicht. Dass sie den neuen Impfstoff von Novavax prioritär bekommen, ist trotz entsprechender Forderungen einiger Länder nicht geplant. Da Novavax frühestens ab 21. Februar eingesetzt wird, zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen nötig sind und die Impfpflicht bereits am 15. März in Kraft tritt, wird auf Bund-Länderebene laut dem Gesundheitsministerium in Mainz gerade über mögliche Übergangsfristen für diejenigen gesprochen, die sich dann zumindest schon für eine Novavax-Impfung angemeldet haben. Final entschieden ist das aber noch nicht.

Die Universitätsmedizin Mainz - das größte Krankenhaus in Rheinland-Pfalz - sieht eine solche Regelung mit gemischten Gefühlen: "Eine Übergangsfrist für Novavax kann sinnvoll sein, ist aber natürlich eine Frage des Maßes. Allzu viele Wochen sollte diese Übergangsfrist sicher nicht umfassen", heißt es dort. Bundesgesundheitsminister Lauterbach betont, der Start der einrichtungsbezogenen Impfpflicht dürfe sich nicht verzögern: "In der Omikronwelle zählt jeder Tag, um vulnerable Gruppen zu schützen."

Über dieses Thema berichtete die SWR Landesschau Rheinland-Pfalz am 27. Januar 2022 um 18:45 Uhr.